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Upper Wilds - Venus

Upper Wilds- Venus

Thrill Jockey / Indigo
VÖ: 23.07.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Welttraumforscher

War ja irgendwie klar: 2018 ging es zum Mars, und auf Upper Wilds' drittem Album hat nun "Venus" das Sagen. Ist das hier also doch Planetentests.de? Berechtigte Frage, wenn Dan Friel, früherer Frontmann von Parts & Labor, mit seinen beiden Kollegen Jason Binnick und Jeff Ottenbacher astronomischen Gelüsten nachgeht. Apropos Gelüste: Die werden bei Upper Wilds neuerdings ganz groß geschrieben. Auch wenn man gerade im Kosmos weilt, spricht schließlich nichts dagegen, dass man gleichzeitig schwer oder vielmehr schwerelos verliebt ist. Und wer einem einen "Love song" in gleich zehnfacher Ausfertigung vor den Latz knallt, muss sich seiner Sache schon ziemlich sicher sein. Dass diese hauptsächlich aus kreischenden Riffs und übersteuertem elektronischen Gecrunche besteht, merkt die Angebetete vermutlich erst, wenn es die nächsten paar Jahre keinen Weg zurück mehr gibt. "In space no one can hear you scream", wie es einmal auf einem "Star Trek"-Plakat stand. Erst recht nicht bei dem Lärm.

Denn die kompakten, nun ja, Liebeslieder, die Upper Wilds uns auf "Venus" mit wenig Subtilität, aber umso mehr Getöse um die Ohren föhnen, würden vermutlich auch anerkannte Noiseniks wie die geistesverwandten Lightning Bolt zur Verzweiflung treiben. Gerade wegen der blitzsauberen Pop-Melodien dieser photonengetriebenen Dreimüter. Vor allem im "Love song #2", der nach verbreakt mahlendem Auftakt die Geschwindigkeit in den roten Bereich dreht, während die Leads so orgiastisch aufheulen wie Schabrackentapire beim geschlechtlichen Höhepunkt. "It's all speeding up now / It's all flying by", verkündet Friel dazu kaum weniger frenetisch, und plötzlich hat man den schnellsten Space-Rock-Hit aller Zeiten im Ohr und vergisst den Rest. Wenigstens bis #3 das Tempo leicht drosselt, aber trotzdem tighter daherflitzt als J Mascis im Stromgitarren-Bälleparadies, würde er mit dem Aluhut versprengte außerirdische Frequenzen empfangen und in kosmischen Indie-Blip-Blop überführen. "New constellations" halt.

Und dennoch steht am Ende die Erkenntnis, dass dieses kratzbürstige Ungetüm im Herzen eine verstrahlte Surf-Platte ist. Weiß man spätestens nach #5 und Friels wiederholtem Ansinnen "fall in love" inmitten eines famos rockenden Bratwurstbratgeräts oder der instrumentalen #9, wo Handclaps den Arschwackeltakt vorgeben. Und da die Liebe eine Himmels- und in diesem Fall sogar eine Weltraummacht ist, ehren Upper Wilds in #7 Jan Davis und Mark Lee, die 1992 auf Spacelab-Mission als erstes Ehepaar ins All flogen – zweieinhalb Minuten Ewigkeit im wuchtig jubilierenden Astronauten-Gewand. Es sind nicht zuletzt charmante kleine Geschichten wie diese, die "Venus" einen traumhaften Pop-Appeal verpassen, wenn man mal kurz den Kometenschweif aus Krach vergisst, die diese Musik hinter sich herzieht. Was Friel wohl als nächstes vorschwebt? Ein Ehedrama um Saturn, der am Ende ohne Ring dasteht? Der Soundtrack zu einem interplanetarischen Remake von "Surf Nazis must die"? Sicher ist nur eins: Es wird laut.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Love song #2
  • Love song #3
  • Love song #5
  • Love song #7

Tracklist

  1. Love song #1
  2. Love song #2
  3. Love song #3
  4. Love song #4
  5. Love song #5
  6. Love song #6
  7. Love song #7
  8. Love song #8
  9. Love song #9
  10. Love song #10

Gesamtspielzeit: 30:03 min.

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Armin

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2021-07-21 21:14:54 Uhr - Newsbeitrag
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