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Squirrel Flower - Planet (i)

Squirrel Flower- Planet (i)

Full Time Hobby / Rough Trade
VÖ: 25.06.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf die Nuss

Möglich, dass das an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal erwähnt wurde. Aber aus aktuellem Anlass muss es einfach wiederholt werden: Never judge a book by its cover! Denn einen Künstlernamen wie Squirrel Flower überliest man ganz schnell mal, weil das einfach doof klingt und dahinter dementsprechend eh nichts Gutes stecken kann. Stimmts? Eben nicht. Da liest man dann mal ein paar der Einflüsse (PJ Harvey! Sharon Van Etten!) und mit wem der Produzent bereits zusammengearbeitet hat (nämlich auch mit PJ Harvey! Und Perfume Genius!) und wer am Album mitwirkt (leider nicht PJ Harvey! Aber dafür Adrian Utley von Portishead!), und dann fängt das Herz von ganz alleine an zu rasen. Daher: Asche auf mein Haupt, ach, auf den ganzen Körper. Denn Squirrel Flower ist super! Ich hatte ja keine Ahnung!

Immerhin scheine ich nicht ganz alleine zu sein mit meinem arroganten Vorurteil. Denn obgleich Ella Williams alias Squirrel Flower mit ihrem 2020 veröffentlichten Debütalbum "I was born swimming" bereits einen kleinen Achtungserfolg erzielen konnte, bekommt sie noch längst nicht die Aufmerksamkeit, die eine Künstlerin ihrer Güte eigentlich verdient hätte. Vielleicht sorgt ja der nun in den Startlöchern stehende Nachfolger "Planet (i)" für den Durchbruch. Was für ein Album! Hier noch ganz schwer greifbar, an anderer Stelle tief unter die Haut gehend. Wütend, liebevoll. Verzweifelt, hoffnungsvoll. Und dabei immer, immer, immer unfassbar gut.

Da wäre etwa "Roadkill", das irgendwo zwischen den eingangs erwähnten Sharon Van Etten und PJ Harvey wandelt und dann noch Angel Olsen einwirft, weil es einfach nicht schön genug sein kann. Das ist einerseits so zart und zerbrechlich, dass man es sich kaum anzuhören traut, aus Angst, dass es gleich bersten könnte. Und dann packt Williams die Schrammelgitarre raus und legt im Refrain erst richtig los. Daraufhin folgt sogleich "Iowa 146" und hier schrammelt gar nichts, überhaupt passiert rein technisch nicht viel. Aber die Wirkung ist umso größer. Gänsehaut, Kloß im Hals, Tränchen im Augenwinkel.

Auf "Planet (i)" geht es eigener Aussage zufolge um den Wiederaufbau nach der Katastrophe – benannt wurde es eher scherzhaft nach einem beliebigen Planeten, auf den die Menschheit umsiedeln müsste, nachdem sie die Erde zerstört hat. Auch so kann man nach Fehlschlägen weitermachen: indem man sich selbst heilt. Der Opener "I'll go running" rennt nicht davon, es läuft seinem Ziel entgegen, stoisch, erhobenen Hauptes, ohne Angst. "Big beast" reicht dem Ungeheuer einen Olivenzweig mit der einen Hand und schlägt mit der anderen kraftvoll zu. "To be forgotten" erinnert sich an alles, an alles Gute und Schlechte, und ruft sich selbst ebenso immer wieder in Erinnerung. Und dann wäre da ja auch noch dieses hypnotische Highlight "Flames and flat tires", welches das in die Leitplanke gesteuerte und mittlerweile lichterloh brennende Auto einfach sich selbst überlässt und den Weg zu Fuß weiter verfolgt. Egal, auf welchem Planeten: Squirrel Flower sollte jeder aus jeder Bevölkerung mal gehört haben.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Roadkill
  • Flames and flat tires
  • To be forgotten

Tracklist

  1. I'll go running
  2. Hurt a fly
  3. Deluge in the south
  4. Big beast
  5. Roadkill
  6. Iowa 146
  7. Pass
  8. Flames and flat tires
  9. To be forgotten
  10. Desert wildflowers
  11. Night
  12. Starshine

Gesamtspielzeit: 43:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Sloppy-Ray Hasselhoff

Postings: 129

Registriert seit 02.12.2019

2021-07-22 23:21:07 Uhr
Oha, ein Keks. Damit sind die schwarzen Löcher für Joan Baez, Joni Mitchell und Co. nicht mehr ganz so tief. Courtney Barnett meets Beth Gibbons meets PJ Harvey meets Will Oldham ... Und bevor "I'll go running" eingespielt wurde, hat man sich auch mal "On the shore" von ABO angehört. Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Henry Miller-Platte. Für seine Pariser Tage. Schmeckt. 8/10 mit Ausrufezeichen. Nächtliche Parade ...

Vive

Postings: 483

Registriert seit 26.11.2019

2021-07-21 21:40:53 Uhr
Mega Mega Mega schön
Aimee Mann sagt hello
Aber freier.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20640

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-21 21:14:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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