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Eliza Shaddad - The woman you want

Eliza Shaddad- The woman you want

Ferryhouse / Rough Trade
VÖ: 16.07.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Blick aufs Ich

Schon irgendwie ein komisches Gefühl, wenn man sich plötzlich auf intensivste Weise mit der eigenen Gedankenwelt und emotionalem Ballast konfrontiert sieht. Noch komischer ist das dann, wenn das bisherige Leben so ziemlich die Antithese eines ruhigen, gesetzten Daseins war. So geschehen bei der sudanesisch-schottischen Singer-Songwriterin Eliza Shaddad, die sich während der Arbeiten zu ihrem zweiten Album "The woman you want" im berühmt-berüchtigten Jahr 2020 – die Gründe dürften reichlich bekannt sein – mit der Enge der eigenen vier Wände konfrontiert sah. Einem hektischen Leben mit bis dato sieben verschiedenen Heimatländern, erfolgsträchtigen Kollaborationen mit Clean Bandit, der Abkehr vom Pop und dem Vorantreiben der Solokarriere stellte sich nun die völlige Ruhe entgegen. Gemeinsam mit Ehemann und Produzent Ben Jackson tauchte Shaddad also ein in das Tiefste ihrer Seele. Herausgekommen ist gewissermaßen das Manifest einer Weitgereisten, die plötzlich nicht mehr vom Fleck kommt.

Besondere Rahmenbedingungen, die auf "The woman you want" vor allem in den ruhigeren Momenten zu Großem führen. Etwa im grandiosen, introspektiven "Waiting game", welches im luftigen, sphärischen Intro zunächst so wirkt, als würde Shaddad im Zwielicht aus der Ferne auf ihre eigene Existenz zurückblicken, nur um sich im Anschluss in ein beatlastiges Finale mit schwirrenden Gitarren und nervösen Drums zu steigern. Auch der Opener "The man I admire" arbeitet mit einer sehr spärlichen Instrumentierung, dreht dabei aber besonders den Reverb-Regler am Gitarrenamp bis zum Anschlag. Es wirkt beinahe so, als würde die Singer-Songwriterin hier in die emotionale Enge und Lethargie ein Maximum an Klängen projizieren wollen, um mit der Welt zu kommunizieren, die aus den Fugen geraten ist. Im Titeltrack, der gleichzeitig auch das erzählerische Kernstück des Albums darstellt, offenbart die in London wohnhafte Sängerin Selbstzweifel und zwischenmenschliche Drucksituationen: "I can't be the woman you want right now / Yeah it takes all I have just to be a little kind." Ein musikalischer Hilferuf und das pulsierende Herz eines Einblicks in die fragile menschliche Psyche.

Es ist jedoch beileibe nicht so, dass auf "The woman you want" nun ausschließlich die ruhigen, sachten Töne Überhand nehmen – besonders im herrlich angepissten "Fine & peachy" wird auch reichlich Dampf abgelassen: "Fuck you, just tell me what you wanted to say / Instead of screaming at my head for days / I'm growing so sick of the ways you waste my time." Auch mal erfrischend, dass es den Stinkefinger hier ohne kryptische Umwege direkt zur Begrüßung in die Fresse gibt. "Heaven" und "Now you're alone" geben derweil Blaupausen des Alternative-Folk mit subtilen Post-Punk Einflüssen ab, den Shaddad bereits auf ihrem Debüt "Future" zur Schau stellte. Besonders Ersteres steht dabei sinnbildlich für einen wunderbar kraftvolles Stück mit reichlich Luft zum Atmen, welches den Blick nach vorn richtet und eine ganz und gar kitschfreie Durchhalteparole skandiert: "I know life can be unkind / And you've got heaven on your mind / But I want you to keep holding on." Man kann Eliza Shaddad nur von ganzem Herzen wünschen, dass die Welt für sie zum Albumrelease eine schönere ist, als sie es während dessen Entstehungsphase war.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Heaven
  • The woman you want
  • Waiting game

Tracklist

  1. The man I admire
  2. Heaven
  3. Fine & peachy
  4. The woman you want
  5. Waiting game
  6. Tired of trying
  7. In the morning (Grandmother song)
  8. Now you're alone
  9. Blossom

Gesamtspielzeit: 34:03 min.

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User Beitrag

Klaus

Postings: 3691

Registriert seit 22.08.2019

2021-07-21 23:27:15 Uhr
Leider langweilig. Hätte mir bei den Referenzen mehr erwartet.

Kojiro

Postings: 988

Registriert seit 26.12.2018

2021-07-21 22:21:01 Uhr
Gefällt mir weitgehend wieder ziemlich gut. Ich mag diese Künstlerin; Stimme, Soundbild, Songs. Titelsong gefällt mir bislang vielleicht am besten.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21015

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-21 21:14:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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