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Darkside - Spiral

Darkside- Spiral

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 23.07.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gespannt entspannt

Mit dem Strom schwimmen, ist nicht per se schlecht, es kommt nur darauf an, um welchen es sich dabei handelt. Wenn Nicolas Jaar und Dave Harrington im Studio aufeinandertreffen, sind sie quasi Stromerzeuger und -konsument in einem. Ihr Projekt Darkside beschreiben sie als etwas, "das nur existiert, wenn beide in einem Raum sind". Daraus entstand mit ihrem Debüt "Psychic" ein völliges eigensinniges und einzigartiges Meisterwerk, das sich durch Elektronik, AOR-Rock und Ambient wilderte, ohne in einer Bastion das Zelt aufzuschlagen. Verbunden ist Darksides Sound vor allem durch Abstraktion und eine außerweltliche Atmosphäre, die sich auch auf dem nun knapp acht Jahre später erscheinenden Nachfolger "Spiral" fortsetzt.

Das Cover ziert wieder die ominöse Glaskugel – diesmal reflektiert sie jedoch hellere Töne, liegt im schattigen Gras in der Natur. Entsprechend lichtdurchlässiger sind die neuen Stücke, inkorporieren teils Gezwitscher und Geschnatter. Statt in den abgedunkelten, neonröhrenverzierten Keller von "Psychic" stellen sich Jaar und Harrington mit Weitblick an ein Feld. Schon der Opener "Narrow road" lässt Beats, einzelne Vocal-Segmente und kurze Gitarrenheuler wie zufällig aufeinander fallen. Auch "Spiral" lebt vom Raum zwischen den Tönen. Selbst wenn die erste Vorabsingle "Liberty bell" zur Abwechslung erstaunlich geradlinig und vollmundig zur Sache geht, geben Darkside Elemente wie die glucksende Gitarre hinzu und wirken nie weniger als magisch. "The limit" holt sich sogar den Funk ins Haus, ohne dabei als Fremdkörper zu wirken.

"The question is to see it all / On the side there's nothing left", singt Jaar im entsprechend betitelten, melodischen Highlight und klar ergeben auch diese neun Tracks vor allem in Kombination ein Gesamtwerk. Das versteht sich vorzüglich auf Spannungskurven, lässt auf das mysteriöse "Lawmaker" nahtlos das schlendrig-offene "I'm the echo" folgen und fährt dabei den piepsigsten vorstellbaren Gitarrenklang auf. Vor allem das Schlussdrittel geht in die Vollen. Der akustische, introvertierte Titeltrack ist dabei nur Startrampe zum erwähnten Hit "Liberty bell", nach welchem wiederum mit "Inside is out there" das längste Stück und die klare Klimax der Platte steht. Wenn es sich aus seinem Intro herausgeschält hat, hört der zunehmende Rausch des Stücks inmitten der treibenden Percussion kaum noch auf.

Da "Spiral" ein Werk der runden Kanten ist, steht mit "Only young" natürlich ein fulminanter Comedown-Moment am Schluss. Versöhnlich schwebend rafft sich der Song zu einem finalen, grandiosen Harrington-Solo auf, um einen letzten Eindruck zu schinden. Natürlich braucht auch "Spiral" durch die generell kritische Haltung gegenüber klassischen Songstrukturen und die Offenheit für die Stimmungen des Moments seine Zeit, bis sich immer wieder einzelne Teile des Albums ins Gedächtnis drängen, mal ein Lick, mal eine Textzeile. Alles zu seiner Zeit – Darkside operieren weiterhin formlos und sorglos an ihrer Musik. Denn der Zauber kommt offensichtlich von ganz allein, wenn Jaar und Harrington gemeinsam musizieren.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • The question is to see it all
  • Liberty bell
  • Inside is out there

Tracklist

  1. Narrow road
  2. The limit
  3. The question is to see it all
  4. Lawmaker
  5. I'm the echo
  6. Spiral
  7. Liberty bell
  8. Inside is out there
  9. Only young

Gesamtspielzeit: 51:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Fiep

Postings: 712

Registriert seit 29.04.2014

2021-07-25 22:31:44 Uhr
@smrr:
nachdem nico ja in seinem solo sachen immer formloser wurde und die 3 singles schon sehr...songorientiert waren, und ein interview auf auf mehr songs hindeutete ist der rest vom album dan doch wieder etwas formloser. gut, sehr gut in stellen, aber eben nicht das was ich erwartet habe dadurch.
Die 3 singles haben so einen straighten grove von anfang bis ende, dass sie beim ersten mal gezündet haben.

Ich muss aber auch sagen das ich nicht viel zeit habe zum wirklich wach und entspannt anhören.

Narrow road ist gut, mit einem etwas langsamen begin. Mit The limit beginnt das album dan so richtig.

The Question ist ein guter song, sehr ruhig.
Nicht so ergreifend wie die singles.
Lawmaker: highlight. Top.
Im the Echo: gut, aber kommt nicht an die singles ran.
Spiral: verstehe wieso der titel track, atmosphärisch, nicos gesang gefällt. Ein paar gesangsmelodien gefallen. Aber so ganz zündet er nicht.
Liberty bell: riesen track, mit dem outro.
Inside is out there: chill, erinnert mich am ehesten ans erste album, ka wieso.
Only Young: eh...der zündet noch nicht bei mir.
Der Vinyl bonus track gefällt mir mehr.

wen ich zahlen zücken müsste, wofür es noch zu früh ist... 7-8/10.

Wär statt only young der bonus track wärs fix ne 8 (oder einfach nach only young, da only young nicht stört, aber ohne das album etwas dünn ist als ganzes)


The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 25784

Registriert seit 07.06.2013

2021-07-25 14:11:57 Uhr
Sowas wie die grandiose Steigerung mit Auflösung in "Golden arrow" gibt es leider wirklich nicht. Trotzdem haben mir die ersten zwei Durchgänge in sonniger Natur gut gefallen.

velvet cacoon

Postings: 280

Registriert seit 31.08.2019

2021-07-24 18:28:10 Uhr
die 3 Vorabtracks sind schon die eingängigsten Songs des Albums und gefallen komplett.
die übrigen 6 sind sperriger und für mich machen die Songs das Album aus.
Klare 8/10.
Sicherlich sticht Liberty Bell heraus, sogar als SOTY mit dem Flamenco-artigen Outro.

smrr

Postings: 124

Registriert seit 02.09.2019

2021-07-24 18:02:49 Uhr
@Fiep: Was hast du denn erwartet? Das ist ja alles im recht bekannten Rahmen - und ich finde, die Singles fügen sich da gut ein. Gibt für mich kaum Tracks, die groß überraschen. Angenehmes Album, hätte mir da ein paar Ausbrüche, bisschen mehr Kraut oder Breaks gewünscht, aber gefällt mir trotzdem von vorne bis hinten gut. Anschlusstrack auch nen Treffer.

Fiep

Postings: 712

Registriert seit 29.04.2014

2021-07-24 10:20:32 Uhr
Nachdem die singles alle 3 sofort gezündet haben bin ich mit dem rest noch etwas am kämpfen. Nicht ganz was ich erwartet habe,
wird noch etwas brauchen.
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