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Tones And I - Welcome to the madhouse

Tones And I- Welcome to the madhouse

Atlantic / Warner
VÖ: 16.07.2021

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 1/10

Tag der offenen Tür

Es ist immer so eine Sache mit überschwänglichen Vorschusslorbeeren: Einmal etwas zu hoch getrabt und schon landet der Griff nach den Sternen dann doch eher im Klo. Immerhin lässt sich eine solche Problematik mit ein wenig gesundem Erwartungsmanagement dann doch ganz gut vermeiden. Was aber, wenn es sich um astronomische 2,2 Milliarden Streams auf Spotify und Millionen von Fans auf der ganzen Welt handelt, wie es im Vorfeld des Debüts "Welcome to the madhouse" von Tones And I der Fall ist? "Dance monkey" kam anno 2019 aus dem Nichts und mauserte sich in Windeseile zu einem Welthit mit penetranter und, ehrlich gesagt, ermüdender Omnipräsenz. Es ist der Australierin positiv anzurechnen, dass sie sich für ihre erste LP dennoch gute zwei Jahre Zeit ließ und keinen Schnellschuss rausfeuerte, um im Hype zu baden. Was also spielt sich ab im "Madhouse" einer Künstlerin, der alle Türen dieser Welt sperrangelweit offen stehen?

Zuallererst einmal reichlich Verwirrung, denn besonders der Beginn der Platte ist Tones And I gründlich misslungen. Lediglich der eröffnende Titeltrack weiß noch mit schaurigen Addams-Family-Pianoklängen sowie düsteren Synths im Hintergrund zu gefallen und deutet so etwas wie ein erzählerisches Konzept an. "Welcome to the madhouse / Where they all come back for more." Direkt im Anschluss gerät der Flow allerdings völlig aus den Fugen: Das generische, dröge "Lonely" zieht jegliche zuvor aufgekommene Stimmung erstmal in den Keller. Im anschließenden "Won't sleep" versucht sich Tones And I dann auf Biegen und Brechen an einer platten Partyhymne: "I'm not a queen but you know that I'm the kingpin." Öhm, okay. Ein früher Tiefpunkt, der glücklicherweise nicht allzu lange anhält – selbst wenn die großen Höhenflüge auf "Welcome to the madhouse" größtenteils ausbleiben.

Tones And I serviert zumeist glatt produzierten Pop, der besonders in seinen obskur angehauchten Momenten aber auch durchaus charmant sein kann: "Child‘s play" beispielsweise schustert aus einer skurrilen Spieluhr-Melodie und einem simplen Beat in Kombination mit dem Charisma der Sängerin einen äußerst knackigen Song. Nicht wahnsinnig innovativ, aber unterhaltsam. Ähnliches gilt auch für die Vorab-Single "Fly away" mit ihrer reflektierten Rückschau auf den plötzlichen Erfolg und den recht minimalistisch gehaltenen Dance-Pop-Track "Westside lobby", auf dem die in Melbourne lebende Künstlerin mit Zweiflern aufräumt: "But my song went number one in over thirty fucking countries / And I'm sorry if that offends you, my dear." Kann man so stehen lassen.

Es bleibt jedoch bei diesen vereinzelten kreativen Ausbrüchen, denn oftmals herrscht graue Tristesse in der Welt von Tones And I. "Cloudy day" ist Feelgood-Pop-Hausmannskost; "Not going home", "Just a mess" und "Sad songs" wären gerne ergreifende, emotionale Balladen, vermitteln aber nur wenig Gefühle und lassen Tiefgang vermissen. Lediglich "Dark waters" vermag es, mit einfühlsamen Melodien und dumpfen Synth-Klimpereien im Hintergrund ein wenig aus der sehr gleichförmigen Albummitte herauszustechen. Und so verkommt "Welcome to the madhouse" in Gänze eher zu einer latent frustrierenden Angelegenheit: Zwischen verkorkstem Einstieg, einigen wirklich guten Tracks und sehr viel grauem Mittelmaß liegen mehrere qualitative Welten. Nur findet sich dazwischen nirgends ein roter Faden.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Westside lobby
  • Child's play
  • Dark waters

Tracklist

  1. Welcome to the madhouse
  2. Lonely
  3. Won't sleep
  4. Westside lobby
  5. Fly away
  6. Sad songs
  7. Just a mess
  8. Child's play
  9. Not going home
  10. Dark waters
  11. Cloudy day
  12. You don't know my name
  13. Fall apart
  14. Bars (RIP T)

Gesamtspielzeit: 46:35 min.

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Armin

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2021-07-14 18:58:12 Uhr - Newsbeitrag
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