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Deathchant - Waste

Deathchant- Waste

Riding Easy
VÖ: 25.06.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Von der Eleganz, im Dreck zu spielen

In über 50 Jahren schwerer Gitarrenmusik gab und gibt es so manche spektakuläre Ausprägung. Von episch und pathetisch bis hin zu noisigem Schmutz wurden da alle Register gezogen. Deathchant aus Kalifornien scheinen Historiker und Archäologen zu sein, graben vieles aus, benutzen davon einiges und setzen es, dies ist die hohe kreative Leistung, eigenwillig neu zusammen. Der Sludge der Melvins, Thin-Lizzy-Harmonien, Doomiges im Stile von Black Sabbath, all dies findet Eingang in "Waste", das zweite Album des Quartetts. Dabei hat Improvisation eine große Rolle gespielt, vieles wurde spontan ausprobiert. Doch führt dies nicht dazu, dass die sieben Stücke haltlos ausufern, die einzelnen Elemente und Ideen werden präzise festgenagelt und auf den Punkt gebracht.

Da gibt es dann einen Monster-Brecher wie "Holy roller", der stampfend durch den Schlamm marschiert, mit bestialischen Drums und gewaltigen Riffs. Hier sind Deathchant sehr nah am Dreck, am Schweiß, und doch wirken melodische Ausgestaltung und Rhythmik paradoxerweise elegant. Der Opener "Rails" ist zwar ebenfalls heavy, besitzt aber eine schillernde Hochglanz-Haptik, lässt sich rhythmisch zunächst auf Fusion ein, gipfelt aber dann in einer wuchtigen Abfahrt. Die Riffs, die Drums, alles wird mit Überzeugung und Druck dargeboten, Gesang und Gitarren-Melodien machen aus ihrer auf Eingängigkeit schielenden Mentalität keinen Hehl.

"Black dirt" ist ebenfalls eine dieser Nummern, die über Gniedeln und Pumpen energetisch an die Tür hämmern, mit einfachen Worten: Das rockt höllisch! Dies heißt jedoch nicht, dass kein Platz für Feinheiten wäre. Neben druckvollem Voranschreiten setzt es auch mal eine epische, weitschweifige Gitarren-Passage oder einen atmosphärischen Ruhe-Part. "Gallows" vereint mit seiner Rumpel-Rhythmik und den luftigen Riffs die Siebziger und die Achtziger, jüngere Semester denken dabei an Wolfmother. Der Titelsong gönnt sich darauf folgend ein droneiges Noise-Intro, während die Gitarren bereits die Klingen kreuzen. Auch dieses Stück mündet wieder in eines dieser rasanten Energie-Wunder, peitscht und drückt. Wären die einzelnen Riffs, aber auch der zwischen Rotz und hallender Transparenz vermittelnde Gesang von T. J. Lemieux nicht so passgenau und raffiniert, man könnte meinen, Deathchant machten es sich leicht.

Doch der grundsätzliche Vorwärtsdrang ist eben nur die Schablone, neben der sich das gewitzte Spiel des Vierers entfaltet. Die Gitarrenfiguren von "Plague" werfen einen funkelnden Regenbogen an den Himmel, während sich die Grooves martialisch in der Erdschlacke herumwälzen. Das abschließende "Maker" ist dann noch einmal ein hervorragendes Beispiel für Druck, bei gleichzeitiger Filigranität der Gitarrenarbeit. Der unmittelbare Punch und die harmonieverliebte Eleganz widersprechen sich auf Deathchants zweitem Album nicht, sie tragen beide zu einem vielseitigen, energetischen Rock-Erlebnis bei.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Black dirt
  • Holy roller
  • Plague

Tracklist

  1. Rails
  2. Black dirt
  3. Holy roller
  4. Gallows
  5. Waste
  6. Plague
  7. Maker

Gesamtspielzeit: 30:08 min.

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Armin

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2021-07-14 18:55:11 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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