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Bobby Gillespie And Jehnny Beth - Utopian ashes

Bobby Gillespie And Jehnny Beth- Utopian ashes

Sony
VÖ: 02.07.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Lebensende mit drei Buchstaben

Kinder, wie die Zeit vergeht. War es wirklich schon 1990, als Bobby Gillespie uns als Frontmann von Primal Scream breit und, nun ja, breit vom "Spex"-Cover entgegengrinste? Und immerhin 2013, Savages hatten soeben ihr markerschütterndes Debüt "Silence yourself" veröffentlicht, belferte Sängerin Jehnny Beth auf dem Berlin Festival so bedrohlich gegen "fuckers", dass man nur hoffen konnte, die Ordner vor der Bühne würden die aufgebrachte Französin im Falle eines Falles schon zurückhalten. Ganz so (fuchsteufels-)wild liegen die Dinge inzwischen nicht mehr, dennoch sind die Beteiligten stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Zusammen kam das Duo anlässlich einer spontanen Live-Performance von Suicides "Dream baby dream" – die gemeinsame Platte ist allerdings eine über das Auseinandergehen, nachdem alle Träume längst erloschen sind.

Eine höchst interessante Versuchsanordnung, wenn man berücksichtigt, dass Gillespie mit seiner Band von Rave-Psychedelia über Dub- und Krautrock bis zum Rolling-Stones-Surrogat so gut wie alles durch hat und Beth bei Savages ihren Post-Punk am liebsten mit Haaren auf den angespitzten Zähnen mag und auch solo mit Sperrigkeit nicht gerade geizt. Doch die Zeiten sind nachdenklicher geworden – erst recht auf "Utopian ashes", einem Konzeptalbum über die bevorstehende Trennung eines verheirateten Paares, musikalisch maßvoll mit bluesigem Brit-Folk, schiefliegenden Indie-Schleichern und Northern-Soul-Moritaten ausgekleidet. Womöglich erst recht eine Herausforderung für das so illustre wie streitbare Doppel, die beide mit Unterstützung von Beths Partner Johnny Hostile und der halben übrigen Primal-Scream-Besetzung jedoch erstaunlich unaufgeregt meistern.

Schöner als mit der von dezentem Wah-Wah und Streichern durchwehten Bankrotterklärung "Chase it down" kann man dieses Album jedenfalls kaum beginnen: Er seufzt "Time slips away, day by day / And I don't even love you", sie antwortet im gleichen Sinne, und wer da im Kreuzworträtsel unter "Lebensende mit drei Buchstaben" nicht "Ehe" einträgt, hat weder Herz noch Humor. Emotional frostig geht's auch in der "English town" zu, während sich die Zweisamkeit zu Piano und gebürsteten Drums vorhersehbar Richtung Abgrund wälzt und von den guten Zeiten nur ein wehmütiges "Remember we were lovers" übrigbleibt. "Stones of silence" bringt die Wurzel des Übels mit delikat glühender Orgel auf den Punkt: "Desire is a hunger that murders the heart." Womit natürlich nicht die Sehnsucht nach der oder dem Angetrauten gemeint ist. Scheiß Spiel, fantastischer Song.

Womöglich ist es dieser vorauseilende Defätismus, der "Utopian ashes" zuweilen ernüchternd wirken lässt. Zu ausgiebig nimmt Gillespie bei "Your heart will always be broken" ein Vollbad im fast liebgewonnenen Leiden, zu eindimensional gibt Beth den unversöhnlichen Widerpart. Die finale Erkenntnis folgt in "Living a lie" ausgerechnet nach einem wallenden Harfen-Glissando, wo die Sängerin tief verletzt das letzte Twang-Zwiegespräch flüstert – der Verlassene muss sich fortan mit dem leeren Party-Hedonismus des hämischen "Sunk in reverie" begnügen. Was aber fehlt diesem Album nun? Ein bisschen Hoffnung? Ein hasserfülltes Liebeslied wie "The ballad of Tom Jones" von Space und Cerys Matthews, das die Macht hat, das Ende jeder Beziehung zu beenden? Am besten, wir reden morgen darüber. Und mach das Licht aus, wenn Du wieder ins Bett kommst. Schatz.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Chase it down
  • Stones of silence
  • Living a lie

Tracklist

  1. Chase it down
  2. English town
  3. Remember we were lovers
  4. Your heart will always be broken
  5. Stones of silence
  6. You don't know what love is
  7. You can trust me now
  8. Living a lie
  9. Sunk in reverie

Gesamtspielzeit: 39:39 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 25784

Registriert seit 07.06.2013

2021-07-15 12:21:12 Uhr
Geht mir genauso wie fuzzy. Der Opener gefällt aber direkt sehr...

fuzzmyass

Postings: 5950

Registriert seit 21.08.2019

2021-07-14 19:19:51 Uhr
Ich finds gut... nicht spektakulär weltbewegend, aber einfach sehr solide gut... muss aber noch etwas hören für ein richtiges Urteil

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20640

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-14 18:56:27 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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