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Year Of No Light - Consolamentum

Year Of No Light- Consolamentum

Pelagic / Cargo
VÖ: 02.07.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schichtarbeit

Die bewusste Entscheidung, auf den Gesang zu verzichten, stellt in der Musik eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Die Songs müssen schon einiges zu bieten haben, um von der Tatsache abzulenken, dass niemand seinen Text hinzufügt. Das französische Sextett Year Of No Light hat sich früh in der Karriere dazu entschlossen, der Stimme zu entsagen. Das vierte Studioalbum "Consolamentum" zeigt, dass diese Idee eine famose war: Auf dem bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens zelebrieren die sechs Herrschaften einen instrumentalen Trip besonderer Güte.

Ganze fünf Stücke beinhaltet das Werk, nur eines unterschreitet dabei die Marke von zehn Minuten. Mit dem längsten, aber in keiner Form langatmigen Song "Objuration" tasten sich Year Of No Light an ihr musikalisches Feuerwerk zwischen Post-Metal, Post-Rock und Doom heran. Ein Anschleichen, ein Aufwärmen, ein behutsames Mitnehmen in den Klangkörper ist das, bevor nach gut drei Minuten die ersten Drumsounds Einzug halten und gekonnt Schicht um Schicht darübergelegt wird. Drei Gitarristen gönnt sich die Band, dazu kommen gleich zwei Drummer, und nichts und niemand wirkt hier überflüssig. Dieser Auftakt: ein Leckerbissen und doch nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt. "Aletheia", mit knapp acht Minuten das kürzeste Element des Albums, bietet hernach einen Moment zum Durchatmen, packt dann aber doch wieder entschlossen zu und führt mitten hinein in einen Rausch aus Gitarrenwänden.

Die Intensität nimmt derweil sogar noch zu. "Interdit aux vivants, aux morts et aux chiens" serviert im Anschluss einen doomigen Einstieg, bevor der Spannungsbogen Takt um Takt aufgebaut wird. Inmitten der anwachsenden Soundschichten vergessen Year Of No Light nicht, noch einmal Luft zu holen. Nach fünf Minuten wird alles kurz aufgebrochen, danach nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. Was für ein Finale, was für eine Wucht, was für eine Intensität! Es ist eine pure Freude, den sechs Musikern aus Frankreich bei ihrem Tun zuzuhören, und diese Begeisterung erfährt bis zum Schluss keinen Abbruch. "Réalgar" lässt wieder kurz innehalten, um nur umso wuchtiger fortgeführt zu werden. Der sphärische Mittelteil und das ausgedehnte Ende sind nicht künstlich in die Länge gezogen, sondern im Gesamtgefüge unwiderstehlich stimmig. "Came" setzt dann den atmosphärischen Schlusspunkt und hat Soundtrack-Qualitäten. John Carpenter schaut hier um die Ecke.

Nicht nur aufgrund des fehlenden Gesangs lässt einen das Album sprachlos zurück. Was Year Of No Light auf ihren bisherigen Alben bereits in hoher Qualität geboten haben, bringen sie auf "Consolamentum" auf ein neues Niveau. Spannende Songstrukturen, überwältigende Soundwände und gleichzeitige Liebe zum Detail: ein großer Wurf. Übrigens: Wenngleich keine einzige Silbe gesungen wird, liefert der Titel doch einen inhaltlichen Schwerpunkt. "Consolamentum" war ein zentrales Element der katharischen Kirche im 12. bis 14. Jahrhundert. Untermalt von diesem fantastischen Album lässt es sich diesbezüglich vortrefflich recherchieren, was es damit auf sich hatte.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Aletheia
  • Interdit aux vivants, aux morts et aux chiens

Tracklist

  1. Objuration
  2. Aletheia
  3. Interdit aux vivants, aux morts et aux chiens
  4. Réalgar
  5. Came

Gesamtspielzeit: 55:20 min.

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User Beitrag

boneless

Postings: 3667

Registriert seit 13.05.2014

2021-08-03 15:48:29 Uhr
Solides Album. Begeistert mich jetzt nicht unbedingt, schlecht ist aber was anderes. Ich bin nachwievor der Meinung, dass zumindest ein wenig Gesang mehr Abwechslung reinbringen würde, aber seis drum. Came ist auch für mich das Highlight.
Wer übrigens noch überlegen sollte, die Mnemophobia Box ist immernoch über Pelagic erhältlich und lohnt sich. Sehr schöne Vinylfarben, teilweise sogar individuell innerhalb eines Albums. Lediglich die zweite Platte der Consolamentum und die Mnème hätten etwas einfallsreicher in der Farbgebung seien können. Ansonsten gibts aber nicht viel zu meckern. Die Holzbox ist gut verarbeitet und die 6 Alben sind in hervorragendem Zustand. Durchgehend keine Seamsplits, keine Wellung des Vinyl, dazu Hochglanzcover mit Obi-Strips für jedes Album. Zusätzlich gibts noch YONL Pin, Slipmat, Patch und Screenprintposter. Das braucht man alles bis auf das Poster wohl nicht wirklich, ist aber eine nette Zugabe. Bilder gibts hier.

velvet cacoon

Postings: 286

Registriert seit 31.08.2019

2021-07-11 16:46:15 Uhr
hätte mir sogar noch etwas mehr erwartet, aber ne 8/10 würde ich auch geben, die beiden Vorabtracks sind klar die Highlights, der Opener der "schwächste" Track.
Kommt an AmenRa und Cult of Luna und Panopticon in diesem Jahr nicht heran!
Die grossen magischen Momente werden nicht so oft celebriert wie es die anderen Drei präsentieren.
Aber ich höre das Album durchaus gerne.

Klaus

Postings: 3684

Registriert seit 22.08.2019

2021-07-07 17:24:52 Uhr

22/01/2022 France Biarritz Atabal*
28/01/2022 France Nantes Le Ferrailleur*
29/01/2022 France Tourcoing Grand Mix*
12/02/2022 France Toulouse Rex
13/02/2022 France Lyon Periscope
14/02/2022 France Paris Petit Bain
15/02/2022 Germany Karlsruhe Jubez
16/02/2022 Germany Dortmunt Junkyard
17/02/2022 Germany Hannover Chez Heinz
18/02/2022 Germany Hamburg Headcrash
19/02/2022 Germany Berlin Bi Nuu
20/02/2022 Germany Jena Kulturbahnof
21/02/2022 Germany Munchen Hansa 39
22/02/2022 Czech Republic Praha Strahov007
23/02/2022 Hungary Budapest Durer Kert
24/02/2022 Austria Wien Viper Room
25/02/2022 Germany Regensburg Alte Malzerei
26/02/2022 Switzerland Yverdon Amalgame
18/03/2022 France Bordeaux Krakatoa*
26/06/2022 France Clisson Hellfest*

Mann 50 Wampe

Postings: 1326

Registriert seit 28.08.2019

2021-07-06 17:50:57 Uhr
Gleich den Opener finde enpfinde ich als das schwächste Stück der Platte, recht einfallslos wird hier das gleiche tausendmal gehörte Riff wiederholt. Danach kommt mit Aletheia aber gleich ein Höhepunkt, mit einer schönen Postrockmelodie. Auch der Closer Came hat es in sich, ein echter Heavy Brocken. Insgesamt eine gute Platte und eine 8/10 kann man schon geben. Ob ich mir die Platte bei Pelagic aber bestelle weiss ich noch nicht.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21014

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-06 10:43:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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