The Fiery Furnaces - Gallowsbird's bark

The Fiery Furnaces- Gallowsbird's bark

Rough Trade / Sanctuary / Zomba
VÖ: 29.09.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Frisch aus dem Ofen

Machen wir uns nichts vor. Wer heute auf der Retro-Erfolgswelle mitsurfen möchte, muß maximal darüber Bescheid wissen, wie man einen Stecker in eine Steckdose steckt. Virtuose Gitarrengötter sind ebenso wenig gefragt wie grüblerische Soundtüftler, und wer Noten lesen kann, ist eh uncool. Tatsachen, die so alt sind wie das Equipment der White Stripes. Was man bisher allerdings nicht kannte, ist der offensive Umgang des ein oder anderen Newcomers mit der eigenen Unfähigkeit. Nehmen wir das Geschwisterpaar The Fiery Furnaces. Deren Plattenfirma verschwendet nämlich pro Rezensent ein ganzes Blatt Papier, um klarzumachen, daß es nur einen Musiker auf der ganzen Welt gibt, der noch weniger kann als Eleanor Friedberger. Ihr Bruder Matthew nämlich.

Und trotzdem fühlt man sich bei Rough Trade mit diesen beiden Quatschköpfen pudelwohl. Dort stört es niemanden, daß die Fiery Furnaces auf ihrem Debütalbum schon mal einen Song zweimal beginnen müssen, bis er richtig klappt. Daß hier in Taktmaßen gespielt wird, die eben gerade erst von den Protagonisten erfunden wurden. Und daß die Geschwister ihr Nicht-Können freimütig an jedem Instrument zur Schau stellen, daß ihnen im Studio in die Finger geraten ist. "Gallowsbird's bark" ist musikalisches Fünfe-gerade-sein-lassen. Und - Sie ahnen es! - das Ganze macht einen Heidenspaß.

Erzählen wir aber zunächst noch wegen des besseren Verständnis einen Schwank aus dem Alltag der Friedbergers. Früher hat er sie immer verprügelt, wenn sie eine ihrer Lieblingsplatten aufgelegt hat. Als er dann später für ein Jahr nach Deutschland ging und dort nicht ein Wort unserer schönen Sprache lernte, geriet sie zu Hause auf die schiefe Bahn und verrichtete Parteiarbeit für die Republikaner in Texas. Irgendwann rauften die beiden sich aber doch noch zusammen und begannen daheim im Keller ihre Fiery Furnaces-Karriere. Und daß der Soundtrack zu dieser bewegten Lebensgeschichte stets noch ein lockeres Schippchen Schrägheit nachlegen kann, möchte sich bitte von selbst verstanden wissen.

Es geht schon mit dem ersten Song los. Der heißt "South is only a home" und täuscht für zehn Sekunden einen handelsüblichen Garagenstampfer an, bevor ihm ein Klavier auf die Füße geschmissen wird. "A rummage sale you barely find" meint Eleanor noch so trefflich dazu. Danach geht es weiter mit Gitarren, die Handstand machen, Elektroeffekten, die den Gitarren die Hände wegziehen und einem Schlagzeug, das nicht nur im "Leaky tunnel" die Fassung verliert. Nehmen wir noch das schuldlos schöne Kinderlied "Inca rag / name game", den verkappten Club-Hit "Don't dance her down" und die atemanhaltende Ballade "Rub-alcohol blues" hinzu, haben wir etwa ein Zehntel der Absonderlichkeiten dieser Platte abgehandelt. Weitermachen also! Aber Vorsicht bitte: Vögel, die bellen, beißen bisweilen auch.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • South is only a home
  • Crystal clear
  • Two fat feet
  • Rub-alcohol blues

Tracklist

  1. South is only a home
  2. I'm gonna run
  3. Leaky tunnel
  4. Up in the north
  5. Inca rag / name game
  6. Asthma attack
  7. Don't dance her down
  8. Crystal clear
  9. Two fat feet
  10. Bow wow
  11. Gale blow
  12. Worry worry
  13. Bright blue tie
  14. Tropical ice-land
  15. Rub-alcohol blues
  16. We got back the plague

Gesamtspielzeit: 46:46 min.

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