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Inhaler - It won't always be like this

Inhaler- It won't always be like this

Urban / Universal
VÖ: 09.07.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die eigene Stimme

Elijah Hewson dürfte die Verweise inzwischen gewohnt sein. Es ist verlockend und unfair, gleich im ersten Absatz zum Debütalbum seiner Band den überlebensgroßen Namen seines Vaters zu nennen, der sich dann unweigerlich in die Wahrnehmung ihrer Musik einschreibt. Beginnen wir also zunächst im Dubliner St Andrew's College, wo sich vor einigen Jahren vier Teenager zusammenfanden, um gemeinsam Musik zu machen: so weit, so Schülerband. Zahlreiche Singleveröffentlichungen mit dem Gespür für starke Rockmelodien und gewaltige Konzerte als Vorgruppe von Noel Gallagher später legen Inhaler mit "It won't always be like this" ihre erste Langspielplatte vor. Der Titel ist doppelt klug gewählt: Vom raschen Verfliegen der hochgehypten Erwartungen kündet er genauso wie vom erhoffen Ende des pandemiebedingten Ausnahmezustands, der nicht zuletzt auch die Studiosessions des Quartetts verzögerte und erschwerte. Nun ist der Moment gekommen – und bald schon wieder vorbei.

Mit dem Titeltrack, der seinem Gegenwartsbezug zum Trotz schon seit zwei Jahren zirkuliert, öffnen die inzwischen Anfang zwanzigjährigen Iren entsprechend fulminant. Eingängige Synthies und funkelnde Gitarren, die langsam an Wucht gewinnen, bereiten den Weg zu einer Rockhymne allererster Güte. "Play me like a record, baby!", fordert Hewson und spielt mit einer Sicherheit auf der Klaviatur großer Rockgesten, dass man gerne glaubt, sie wären ihm in die Wiege gelegt worden. Das anschließende "My honest face" harrt ebenso der Indie-Diskos und Festivalbühnen. Ein polterndes Schlagzeug unterbricht die Strophen, der Bass stampft verschwitzt, während die Gitarren wie grüne Ampeln über mitternächtlichen Kreuzungen schweben. Hewson treibt nach dem obligatorischen Break die Ekstase noch ein Stück weiter und schraubt sich zu einem vokalen Ausbruch hoch. Als Amalgam aus dem Britpop- und Post-Punk-Revival der 00er-Jahre fräst sich "When it breaks" in die Gehörgänge. Das ist zwar alles wenig innovativ, aber in seiner Kompetenz umso zeitloser.

Ihre andere Seite offenbaren Inhaler in Stücken wie "Slide out the window". Auf einem lässig-synkopierten Groove glitzern überall kleine Melodiefetzen, bis der Song sich vorübergehend in psychedelische Harmonien stürzt. Es verwundert da nicht, dass Inhaler während ihrer Gigs öfter mal The Stone Roses covern, die ihren überschwänglichen Rock einst mit Einflüssen halluzinogener Elektronik garnierten. Auf "A night on the floor" lassen Josh Jenkinson und Hewson ihre Gitarrenspuren gar in shoegazige Gefilde driften, und letzterer lamentiert wie einst Richard Ashcroft auf der "Urban hymns". Nicht jeder Song zündet, und textlich bewegen sich Inhaler noch etwas zu häufig in einer nichtssagenden Vagheit, aber das beeindruckende Potenzial der Band steht zu keinem Zeitpunkt zur Disposition.

"Who's your money on (Plastic house)", das über sechsminütige Herzstück des Albums, knüpft dann noch einmal die unterschiedlichen Stränge zusammen: In der ersten Hälfte präsentiert es sich als vielschichtiger Breitwand-Indie, bevor Hewson nur von der Gitarre begleitet in eine elegische Vokalakrobatik verfällt, die beeindruckend nah an Jeff Buckley herankommt. Ein Moment, der Einblicke hinter die Fassade gewährt und zugleich den Eindruck unterstreicht, es bei Hewson mit einem hervorragenden Sänger zu tun zu haben. In den sich ausbreitenden, weitschweifenden Refrains klingt immer auch ein wenig der ikonische Tenor von Bono auf, was – um das Geheimnis endlich zu lüften – kein Zufall ist. In Interviews gibt Hewson differenziert zu Protokoll, der prominente Vater von U2 bedeute manche Privilegien und offene Türen – ein Kredit, der jedoch auch schnell verspielt werden könne. Mit "It won't always be like this" gehen Inhaler jedenfalls den nächsten Schritt aus dem Schatten und zur eigenen Stimme. Und so sagt der Titel vielleicht noch etwas anderes: Bald werden auch die Vergleiche leiser werden.

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • It won't always be like this
  • My honest face
  • When it breaks
  • Who's your money on? (Plastic house)

Tracklist

  1. It won't always be like this
  2. My honest face
  3. Slide out the window
  4. Cheer up baby
  5. A night on the floor
  6. My king will be kind
  7. When it breaks
  8. Who's your money on? (Plastic house)
  9. Totally
  10. Strange time to be alive
  11. In my sleep

Gesamtspielzeit: 45:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Hoschi

Postings: 635

Registriert seit 16.01.2017

2021-07-13 13:12:36 Uhr
Habs jetzt auch ein paar mal gehört und schließ mich meinen Vorpostern an.
"Nett" ist wohl die beste Beschreibung der Platte.
Alles nix bahnbrechendes(was es aber auch nicht sein muss), schön arrangiert und nirgends aneckend.
Besonders spannend ist es aber auch nicht.
Hier ein bbschen Foals, dort ein wenig Killers oder die späteren The Verve zu Forth Zeiten.
Man hat alles einfach schon irgendwo interessanter gehört.

6/10 max. an dieser Stelle von mir aus.

Grizzly Adams

Postings: 1231

Registriert seit 22.08.2019

2021-07-12 18:02:03 Uhr
Das Album ist Ok. Der Sänger klingt tatsächlich wie ein Hybrid aus seinem Vater und Brandon Flowers.

Gomes21

Postings: 3534

Registriert seit 20.06.2013

2021-07-10 17:21:50 Uhr
Schneidet bei mir "nett" ab. ganz gut aber mir klingt das zu sehr nach Potpourri aus sehr sehr bekannten Zutaten. Dazu noch sehr sauber produziert. gutwillige 6/10 momentan.

Blanket_Skies

Postings: 64

Registriert seit 21.09.2013

2021-07-10 16:58:12 Uhr
Ich hab ein bisschen mehr erwartet. Bin aber trotzdem froh etwas von Inhaler über die Anlage laufen zu lassen. Vorabsongs wie We have to move on oder Ice Cream Sundae hätten sie trotzdem noch auf die CD packen können. Ne solide 7/10 ist es in jedem Fall. A Night on the Floor ist mein Favorit von den Neuen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20640

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-06 10:38:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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