Listen


Banner, 120 x 600, mit Claim

At The Gates - The nightmare of being

At The Gates- The nightmare of being

Century Media / Sony
VÖ: 02.07.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aus dem Nichts

Über Tomas Lindberg Redant ist nicht nur bekannt, dass er mit seiner Band At The Gates den Sound eines kompletten Subgenres definiert hat. Ihr wisst schon, Göteborger Schule und so. Doch auch wenn das Dreigestirn aus At The Gates, Dark Tranquillity und In Flames in den frühen Neunzigern jene schwedische Großstadt unwiederbringlich auf die Landkarte des Death Metal geprügelt hat, in einem waren Lindberg und Kollegen immer anders: Sie zogen konsequent ihre Überzeugungen durch, und wenn es sein muss, dann lassen sie die Band nach "Slaughter of the soul" von 1995, dem bis dahin größten Erfolg, eben für mehr als eine Dekade ruhen. Auch das ist letzlich bekannt. Beim letzten Album "To drink from the night itself" aus dem Jahr 2018 war diese Konsequenz allerdings nicht durchgehend von Erfolg gekrönt. Denn Lindbergs durchaus spannendes Konzept ging leider allzu oft im etwas zu kompromisslosen Geballer unter.

Was im Grunde genommen sehr schade ist, denn der 48-jährige Frontmann besitzt nicht nur eine unverwechselbare Stimme, sondern ist auch überaus belesen und findet seine Inspiration immer wieder in mal mehr, mal weniger abseitiger Literatur. Für das siebte Album "The nightmare of being" hat es ihm das Buch "The conspiracy of the human race" angetan, in dem der eigentlich für Horror-Literatur bekannte Amerikaner Thomas Ligotti seine zutiefst düstere Philosphie aus Pessismus und Antinatalismus darlegt. Weitere Erläuterungen liefert das nächste Philosophie-Seminar, doch es dürfte klar sein, dass hier keine aufgekratzten Mitsing-Klänge zu erwarten sind. Denn hey, wir reden immer noch von Death Metal, oder?

Denkste. Der erste Durchlauf hinterlässt zunächst einmal Ratlosigkeit. Denn es gibt Momente, an denen man den guten alten Elchtod mit der Lupe suchen muss, und "Garden of Cyrus" ist die Kulmination davon. Während zuvor der Titeltrack die Pfade des Melodic Death erstmals stellenweise verlässt und dadurch die Düsternis noch verstärkt, schwelgt "Garden of Cyrus" in wunderbarer Prog-Atmosphäre, die immer wieder an King Crimson erinnert, aber durch den Verzicht auf musikalische Brachialität die Lyrics umso brutaler wirken lässt. Eine Atmosphäre, die auch ins folgende "Touched by the white hands of death" hineinwabert, bis sich die Göteborger wieder scheinbar auf vertrautes Terrain bewegen, aber selbst dabei immer wieder durch akustische Passagen in finstere Abgründe mitreißen.

Bei "To drink from the night itself" hatten wir Tomas Lindberg noch Angst vor der eigenen Courage unterstellt, und auch in der Rückschau wirkt die Platte immer noch bisweilen seltsam gehemmt. Als sollten diese Fehler ein für allemal behoben werden, sprühen At The Gates vor Spielfreude, wechseln ein ums andere Mal von Death Metal zu düsterem Prog und verleihen der literatischen Vorlage genau die finstere Würde, die es fürs Verständnis braucht. Doch selbst wenn man sich komplett von den Texten lösen will, überzeugen auch die abschließenden "Cosmic pessimism" und "Eternal winter of reason" durch genreübergreifende Spannung, nähern sich bisweilen den Klangmalern von The Ocean an. Mag sein, dass das Fans des Geknüppels der alten Schule abschreckt. At The Gates dürften diesen Umstand billigend in Kauf nehmen, denn "The nightmare of being" ist mit Abstand das ambitionierteste, das mutigste Album der Göteborger. Möge dieser Mut belohnt werden.

(Markus Bellmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Garden of Cyrus
  • Touched by the white hands of death
  • Eternal winter of reason

Tracklist

  1. Spectre of extinction
  2. The paradox
  3. The nightmare of being
  4. Garden of Cyrus
  5. Touched by the white hands of death
  6. The fall into time
  7. Cult of salvation
  8. The abstract enthroned
  9. Cosmic pessimism
  10. Eternal winter of reason

Gesamtspielzeit: 45:44 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

FiremarshalWilly

Postings: 2

Registriert seit 08.04.2021

2021-07-06 23:31:17 Uhr
Musikalisch is das alles ja echt gelungen und im Vergleich zum Vorgänger auch schön abwechslungsreich.

Aber die Vocals sind so unglaublich monoton und anstrengend dass es das ganze Album runter zieht. Stanne und selbst Fridén machen das um Längen besser

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21511

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-06 10:36:08 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify