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Laura Mvula - Pink noise

Laura Mvula- Pink noise

Warner
VÖ: 02.07.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Neues altes Sakko

Eigentlich war Laura Mvula immer anders als die anderen. Ihr gefeiertes und ausgezeichnetes Debüt "Sing to the moon" stellte Anfang der 2010er-Jahre dem Retro-Hype um Amy Winehouse und Adele eine eigenständige und vorwärtsgerichtete Interpretation von Soul gegenüber. Doch nun, fünf Jahre nach dem ähnlich geschnitzten Nachfolger "The dreaming room", trägt die Britin plötzlich neben ihrem wie immer extravaganten Kopfschmuck ein weißes Sakko mit auffälligen Schulterpolstern und weist damit in die Richtung von Platte Nummer drei: Es geht zurück in die Achtziger. Die erste Single "Safe passage" eröffnet mit Gated Drums, Synth-Schimmer und Glitzer-Gitarre und macht ob dieses krassen Stilwechsels erst einmal baff. Die Neuausrichtung ist natürlich grundsätzlich nicht schlimm und Mvula auch zu gönnen, schließlich sei "Pink noise" das Album, das sie nach eigener Aussage schon immer machen wollte. Doch leider hat jener Opener unter seinem synthetischen Zuckerguss das Songwriting vergessen und weiß nicht so recht, was er mit sich anfangen soll: ähnlich verwaschen wie das purpurn vernebelte Cover, aber weitaus weniger ästhetisch. Vintage killed the creativity star? Nicht so ganz.

Der Rest des Albums kommt nämlich merklich inspirierter daher. Vor allem die anderen zwei vorab veröffentlichten Tracks machen viel Laune. "How can you dance with the devil on your back?", singt Mvula in "Church girl", nur um die Frage in diesem eleganten Lebensfreude-Konzentrat gleich selbst zu beantworten. Mit zwingendem Beat, Nile-Rodgers-Gitarre und Synth-Fanfaren drängelt "Got me" auf die Tanzfläche und lässt sich auch von einem unerwarteten melodischen Break nicht stören. Was die 35-Jährige aus ihren früheren Werken, die ihre orchestralen Arrangements nie überstrapazierten, durchaus konservieren konnte, ist eine gewisse Subtilität. Die Songs auf "Pink noise" sind zwar laut und gelenkig, doch suchen sie nicht nach den ganz großen Refrains und beißen sich gerade dadurch nach ein paar Durchgängen im Ohr fest. Es fehlt höchstens etwas an instrumentaler Dynamik sowie Nuance in dieser eigentlich so charakterstarken Stimme, die Mvula immer so kunstvoll einzusetzen vermochte. Auch wenn es seinen eigenen Reiz hat, mit was für einem harten Schnitt das trocken groovende "Conditional" zwischen coolem Sprechgesang in den Strophen und einem ungehemmt geschmetterten Soul-Refrain wechselt.

Am ehesten an die Vorgänger-Platten erinnert "Golden ashes". Gesamplete Chöre und andere Vocal-Schichten winden sich um einen pulsierenden Rhythmus, Streicher fallen ein, und am Ende bleibt nur noch das Mantra "Don't let me drown". Es liegt – abgesehen vom Opener und "What matters", einer ziemlich schlimmen Schmalzballade mit Biffy Clyros Simon Neil als Duettpartner – nicht an der reinen Songqualität, dass "Pink noise" enttäuscht. Wenn man noch den bläsergestützten Bierdeckel-Funk von "Remedy" hinzuzieht, ist die Dichte unaufdringlicher Hits durchaus passabel. Man bedauert eher den Profilverlust, der mit dem neuen Sound bei Mvula einhergeht – dabei hat etwa eine Janelle Monáe schon gezeigt, dass man nach Genre-sprengenden Kunst-Werken die innere Janet Jackson ausleben kann, ohne gleich jede Ambition zu verlieren. Doch Mvula macht früh im Album klar, dass sie gar niemand anderem als sich selbst gefallen will und sich wenig um die Raster schert, in die sie nach ständiger musikalischer Hochklasse gierende Kritiker*innen pressen wollen: "I'm everything I need." Manchmal ist der ungezwungene Spaß einfach mehr wert als die präzise geschliffene künstlerische Kontur.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Church girl
  • Remedy
  • Got me

Tracklist

  1. Safe passage
  2. Conditional
  3. Church girl
  4. Remedy
  5. Magical
  6. Pink noise
  7. Golden ashes
  8. What matters
  9. Got me
  10. Before the dawn

Gesamtspielzeit: 37:33 min.

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User Beitrag

kingbritt

Postings: 4295

Registriert seit 31.08.2016

2021-06-27 20:52:18 Uhr

. . . ist ja noch nicht draußen das Album, habe die Laura mal live erlebt, zu der "Sing to the Moon" Zeit 2013. Schwer zu sagen, gut der Hit Green Garden gefällt recht gut, der Rest des Album war und ist mir zu viel des Guten an Stimmverfremdungen und das auch nicht gerade gefällig.
Werde mir das Album aber unbedingt anhören, die reine native Stimme hat schon was.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21236

Registriert seit 08.01.2012

2021-06-27 19:25:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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