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Crowded House - Dreamers are waiting

Crowded House- Dreamers are waiting

EMI / Universal
VÖ: 04.06.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Traumwandelnder Pop

"Everywhere you go, always take the weather with you." Na, klingelt da was? Oder wie wäre es hiermit: "Hey now, heeey now, dont dreeaam it's over." Wer nun mit den Augen rollt, weil der Ohrwurm den übrigen Tag nicht mehr lockerlassen will: gern geschehen. Ihren weltweiten Hits dürften Crowded House einiges verdanken, zugleich wurden sie im Formatradio doch ein wenig überstrapaziert und verstellen mitunter den Blick auf eine der besten Gitarrenpop-Bands der 80er- und 90er-Jahre. Das famose Songwriting Neil Finns, ein Neuseeländer unter Australiern, betört auf Platten wie "Woodface" oder "Together alone" mit seinen eingängigen und klugen Harmoniefolgen auf einem Niveau, das seit den Beatles selten erreicht wurde. Nach der ersten Auflösung seiner Hauptband 1996 widmete sich Finn einer experimentelleren Solophase, in der der Popglanz ein wenig gegen den Strich gebürstet wurde, aber darum nicht weniger leuchtete. Sporadisch kehrt seitdem auch die Hauptband zurück: Das auch in diesem Sinne treffend betitelte "Dreamers are waiting" markiert das erste Album seit elf Jahren, inzwischen sind gar seine Söhne Liam und Elroy mit an Bord. Er wolle sich Zeit lassen, um nicht formelhaft zu arbeiten, so die umsichtige Begründung Finns.

Mit etwas weniger Rampenlicht hätten Crowded House ebenso gut Kultstatus als Indie-Band gewinnen können, die großen Gesten der Selbstinszenierung lagen ihnen ohnehin stets fern. Da passt es nur zu gut, dass im Video zur ersten Single "Whatever you want" ein gewisser Mac DeMarco mit diversen Gegenständen in seiner Wohnung spricht: ein tragikomischer Kommentar auf Monate sozialer Isolation, die sich als subtiles Motiv durch das gesamte Album zieht. Musikalisch eröffnet "Bad times good" unnachahmlich stilvoll und bereitet die Palette für die weiteren Stücke. Federleichte Akkordfolgen, überlegt gepinselte Leadgitarren, lyrische Bassläufe und Pianoglissandi im Hintergrund schaffen einen Raum, in dem die feinen Texturen der Finn'schen Kompositionen einander meisterhaft durchwirken. Mit seinen flotten Strophen und heiteren Bläserschwaden im Refrain konterkariert das anschließende "Playing with fire" seinen fatalistischen Text, bevor sich die Songs mehr und mehr einer unruhigen Trance hingeben, einem träumerischen und traumwandlerisch sicher durchmessenen Schwebezustand.

Auf "Show me the way" ziehen melancholische Gitarren Schlieren durch eine angespannte Psyche, Unheimliches drängt zur Oberfläche und löst sich wieder auf: "When I see red/ I put a handgun / Under my pillow / When I see blue / I put a blanket / Over my window." In der Folge rauschen die Songs zunehmend ineinander, ohne gänzlich ihre Konturen zu verlieren; eine beinahe resignative Zurückhaltung lagert sich in ihren vielen Schichten und verhallenden Stimmen und Streichern ab. Auf "Real life woman" pointiert Finn treffend: "It's a nice soundtrack / For a late night narrative." Der wunderschöne Sommertaumel von "Love isn't hard at all" wiederum versteckt mittendrin sogar ein spaßiges kleines Osterei, wenn sich kurzzeitig und unverhofft in der Tiefe die Tetris-Melodie abzeichnet: die Liebe, leicht wie das Stapeln virtueller Blöcke.

Es wundert nicht, dass die knappe Dreiviertelstunde auf "Dreamers are waiting" nur so vorbeizufliegen scheint, so dicht komponiert und trotzdem wohlklingend eingängig umgarnen seine zwölf Stücke. Neil Finns Ästhetik wirkt gewohnt dezent, für Neugierige warten aber genug Rätsel und Geheimnisse hinter der Harmonie. Vielleicht zeigt sie sich am besten anhand der Protagonisten des Videos zur zweiten Single "To the Island": Während der Song mysteriös zwischen Vertrauen und Rückzug pendelt, berichtet ein irisches Ehepaar nach sechzig Jahren gemeinsamen Lebens von seinem Blick auf die Welt, vom gegenseitigen Versprechen, von Liebe und Demut. Ihre würdevolle Erscheinung schreibt sich in den Song ein und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, beinahe beiläufig die wichtigen Fragen des Lebens souffliert bekommen zu haben.

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • Bad times good
  • Show me the way
  • Love isn't hard at all

Tracklist

  1. Bad times good
  2. Playing with fire
  3. To the island
  4. Sweet tooth
  5. Whatever you want
  6. Show me the way
  7. Goodnight everyone
  8. Too good for this world
  9. Start of something
  10. Real life woman
  11. Love isn't hard at all
  12. Deeper down

Gesamtspielzeit: 41:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

chillblue

Postings: 7

Registriert seit 22.08.2019

2021-06-20 08:48:46 Uhr
und nächstes Jahr endlich auch mal wieder in Deutschland auf Tour :-)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20640

Registriert seit 08.01.2012

2021-06-18 22:02:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Hogi

Postings: 419

Registriert seit 17.06.2013

2021-06-04 10:54:04 Uhr
bis auf 1,2 Ausnahmen sehr ruhiges, entspanntes Album. Typische CH-Hits ala Distant sun fehlen etwas. Nach 10 Jahren Pause hatte ich etwas mehr erwartet. Wird bei mir aber ziemlich sicher noch wachsen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20640

Registriert seit 08.01.2012

2021-02-19 19:11:52 Uhr
** CROWDED HOUSE RELEASES FIRST NEW ALBUM “DREAMERS ARE WAITING” ON JUNE 4, 2021 **

** NEW SONG “TO THE ISLAND” OUT NOW **



A group of men playing instruments Description automatically generated with low confidence


Iconic band CROWDED HOUSE release first new album in over a decade.

“Dreamers Are Waiting” is set for release June 4, 2021.



An new song “To The Island” is out now with a new video.

“To The Island” was filmed at various locations including New Zealand, Los Angeles and Ireland with Neil Finn and Mark Simon Brown serving as directors.

Watch the video here:





The band also begins their “To The Island” tour in New Zealand March 4th.

The tour and new music feature founding members Neil Finn and Nick Seymour along with producer and keyboardist Mitchell Froom, guitarist and singer Liam Finn and his younger brother, drummer Elroy Finn.



Finn explains,

“I’ve always been afraid of just repeating the same formulas, and somehow this feels like a fresh and authentic way to re-approach Iconic band CROWDED HOUSE today with an awareness of all our history and where, how and why it began in the first place.

The original band mentality and philosophy in still in there, especially with Mitchell now part of it again, working in a different way along with Nick and I.”



At the same time Finn clearly treasures all the new energy and talent brought to the party by Liam and Elroy.

Following Neil Finn’s surprise star turn and an extremely successful world tour with Fleetwood Mac, Neil and Nick Seymour are energised and inspired to begin a new chapter in the CROWDED HOUSE story.

A new generation has grown up and connected with their songs and will now get to experience the band live as they perform legendary anthems from the bands 35-year career, along with fresh new music.



“We were fortunate to be recording in the studio right before lockdown and so began this album with band tracks recorded live in a room, all brimming with character and energy.

We then spent our strangest year, 2020, at distance from each other but connecting daily, swapping files and making those tracks complete.

We’re so excited and grateful to be back in one room together now, rehearsing, first to play live in front of audiences in NZ and soon we hope for the rest of the world,” said Neil Finn.



TRACKLISTING

1. Bad Times Good

2. Playing With Fire

3. To The Island

4. Sweet Tooth

5. Whatever You Want

6. Show Me The Way

7. Goodnight Everyone

8. Start Of Something

9. Too Good For This World

10. Real Life Woman

11. Love Isn’t Hard At All

12. Deeper Down







https://www.crowdedhouse.com/


VelvetCell

Postings: 3756

Registriert seit 14.06.2013

2021-02-18 19:07:48 Uhr
Schöner Song, da gibt´s nix!
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