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Covey - Class of cardinal sin

Covey- Class of cardinal sin

Rise
VÖ: 18.06.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Therapiestunde

Müssen Künstler leiden um Kunst zu schaffen? Diese viel verbreitete Theorie bekommt auch mit dieser Veröffentlichung neues Futter, denn Tom Freeman lädt auf dem drittem Album "Class of cardinal sin" zur Psychoanalyse ein und erörtert die Wirkungsweise seiner Kindheit auf sein heutiges Leben. Der britische Musiker wohnt in Brooklyn und veröffentlichte als Covey bereits zwei Platten und ein Livealbum wunderbaren Folk-Rock. Vor allem mit dem grandiosen letzten Werk "Some cats live, some cats die" konnte er überzeugen. Hier verarbeitete er seine Trennung, während er in einem alten, leerstehenden und scheinbar gruseligen Haus auf Staten Island lebt. Musikalisch werden dabei vor allem Erinnerungen an Frightened Rabbit wach. Freeman selbst nennt unter anderem Neutral Milk Hotel als Einfluss auf seinen Sound und auch das kann man hören. Besonders machen Covey jedoch vor allem seltsame Lyrics, sein morbider Humor und seine Horrorgeschichten.

Nun arbeitet sich der Multiinstrumentalist an seinem Leben und seiner Kindheit ab und bettet das Ganze in rockigen Indie-Folk. Die Depression und Probleme der Kindheit über sich hassende Eltern sind schwer zu ertragende Themen, die sich mit nihilistischen Sinnesfragen oder Menschen die er hasst abwechseln. Die Therapiestunde ist textlich zwar fast schwer auszuhalten, während man dem Künstler sehr nah kommt. Irgendwie schafft Covey jedoch die Balance zu halten, dass es weder selbstmitleidig noch unerträglich wird und schafft durch den Sound eine doch hoffnungsfrohe Stimmung, so dass nicht nur Sigmund Freud sich an dem Werk erfreuen kann.

"Class of cardinal sin" startet direkt mit seinen stärksten Songs. "Cut on the crease" und "1991" beginnen mit der Erforschung der Vergangenheit und der Künstler besingt zerstrittene Eltern, samt Ursache und Wirkung auf sein Leben bis heute. Der Titel "1991" ist dabei inhaltlich der zentale Song des Albums und ist neben "Four dollar sandwich" auch der größte Ohrwurm und Hit – trotz der Themen: Was macht man, wenn man sich eine dringend benötigte Therapie nicht leisten kann und wie um Himmels Willen bepreist man eigentlich überhaupt mentale Gesundheit? Freeman fragt direkt. Das Album fragt nach dem Lebenssinn, Covey zeigt sich nihilistisch. Die zweite Hälfte baut ein wenig ab, aber auf hohem Niveau. Schwache Songs sind dennoch Mangelware und es gibt auch schöne Titel, wie "Crooked spine", die seine heutigen Erinnerungen an die Kindheit thematisieren, mal in ruhigerem und mal schnellerem Indie-Folk-Rock.

Nach intensivem Hören jedoch darf man auch einmal kräftig durchatmen, denn hier wird Einiges ver- und aufgearbeitet anhand der eigenen Biographie. Doch am Ende bleibt ein schönes und persönliches Album, dass trotz der Schwere der Lyrics sogar Spaß machen kann, eben wegen des wunderbarer intensiven Einblicks in die Psyche des Künstlers.

(Marian Krüger)

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Highlights

  • Cut on the crease
  • 1991
  • Four dollar sandwich
  • Crooked spine

Tracklist

  1. Cut on the crease
  2. 1991
  3. Why am I alive
  4. Four dollar sandwich
  5. Sam jam
  6. Point mutation
  7. Crooked spine
  8. Local anesthesia
  9. Sound of a gun
  10. Marzipan pills

Gesamtspielzeit: 40:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Beefy

Postings: 377

Registriert seit 16.03.2015

2021-07-07 15:47:43 Uhr
Hübsches Album. So hätte gerne auch die neue Manchester Orchestra klingen dürfen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21516

Registriert seit 08.01.2012

2021-06-18 22:02:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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