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Kings Of Convenience - Peace or love

Kings Of Convenience- Peace or love

Source / Virgin / EMI
VÖ: 18.06.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Langsam ist das neue Schnell

Nach langem Warten haben sich die vermutlich sympathischsten Norweger Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe endlich dazu durchringen können, eine neue Platte zu veröffentlichen. Die große Fangemeinde der beiden musste ganze zwölf Jahre auf den Nachfolger von "Declaration of dependence" warten. Eine Pause oder Trennung gab es offiziell nicht, aber wer würde sich schon König der Bequemlichkeit nennen und dann Jahr um Jahr neues Material veröffentlichen? Also lernen wir die zweite Lektion der Bequemlichkeit: Langsam ist das neue Schnell. Vor 20 Jahren riefen die beiden Revolutionäre die erste Lektion aus: "Quiet is the new loud". Der spannendste Part von Songs passiert normalerweise oft dann, wenn richtig aufgedreht wird. Das sollte sich zumindest bei der Musik der beiden ändern, und die Betonung sollte auf dem Ruhigen und dem genauen Hinhören liegen. Diesem Motto bleibt das Duo auch auf seinem vierten Album "Peace or love" treu.

Untätig waren die beiden Norweger in den zwölf Jahren nicht. Der stets aktive Erlend Øye suchte neue Einflüsse, zog nach Sizilien, veröffentlichte Musik mit Italo-Einschlag und nutzte auch die Corona-Zeit für Innovation. Gestrandet in einem Hotel in Mexiko zu Beginn der Pandemie, nahm er in der Hotel-Quarantäne kurzerhand mit Sebastian Maschat und dem Hotelpersonal ein Album auf. Kürzlich sprach er vielen mit seinem Lockdown-Blues aus dem Herzen. Bei Eirik Glambek Bøe war der Output etwas verhaltener in den letzten Jahren, er veröffentlichte 2017 mit seinem Projekt Kommode die schöne Platte mit dem starken Titel "Analog dance music". Gemeinsam streuten die beiden hier und da mal eine Tour ein in große Konzerthäuser oder traten anlässlich des "Quiet is the new loud"-Jubiläums auf. Nun folgt endlich wieder neuer Output, und die Geduld hat sich natürlich gelohnt.

Nach dem zurückhaltenden Opener knüpft die Single "Rocky trail" direkt an alte Zeiten an. Mit Gitarre und Gesang, unterstützt durch melodische Streicher, strahlt sie eine Menge Hoffnung, gute Laune und trotz der Ruhe etwas Tanzbares aus. In eine ähnliche Kerbe schlägt das bezaubernde "Fever", vieles auf dem Album ist jedoch noch zurückhaltender und das Grundtempo langsamer – keineswegs jedoch schlechter. Die charmant unaufdringlichen Songs wie "Comb my hair" entfachen ihre volle Wirkung erst bei genauem und wiederholtem Hinhören, aber es gibt auch genug Convenience-Musik, die sofort Freude bereitet und sich gleich im Ohr festsetzt, wie der letzte Titel "Washing machine". Auf einem Album mit vielen Highlights ist jedoch eines besonders hervorzuheben: "Love is a lonely thing" mit der bezaubernden Feist. Das Ergebnis ist eines ihrer gefühlvollsten Stücke überhaupt. Es handelt von der Einsamkeit und dem Schmerz – beides gehört zur Liebe, und doch kann man nicht ohne sie.

Unlängst erklärte Øye, dass er sich nicht sicher sei, ob Künstler nicht einfach die Musik machen, die zu ihnen und ihrer Stimme passt. Er selbst könnte, selbst wenn er wollte, keinen Punk oder Heavy-Metal machen. Das klingt einleuchtend und natürlich bequemer, sich nicht verstellen zu müssen. Darum musste wohl ein bequemer Umgang hiermit gefunden werden, und "Quiet is the new loud" war vor allem ein authentisches Ziel. Ob es nun eine ebenso gute Begründung für die lange Wartezeit auf das zweite Album gibt? Es sei innerhalb von fünf Jahren in fünf Städten entstanden. Der Blick auf das Plattencover mag Aufschluss darüber geben, ob bequeme Mußestunden oder konzentrierte Arbeit im Vordergrund standen. Vielleicht ist es aber auch nur mit diesem Schaffensprozess möglich, solch entspannte Musik zu machen. Die sich zurückhält, dabei so viel Schönheit zeigt und die Fans, wenn sie genau hinhören, entführt in das Königreich der Bequemlichkeit.

(Marian Krüger)

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Highlights

  • Rocky trail
  • Love is a lonely thing (feat. Feist)
  • Fever
  • Washing machine

Tracklist

  1. Rumours
  2. Rocky trail
  3. Comb my hair
  4. Angel
  5. Love is a lonely thing (feat. Feist)
  6. Fever
  7. Killers
  8. Ask for help
  9. Catholic country (feat. Feist)
  10. Song about it
  11. Washing machine

Gesamtspielzeit: 37:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

VelvetCell

Postings: 4099

Registriert seit 14.06.2013

2021-06-29 01:32:35 Uhr
Richtig schönes Album ohne große Hits, dafür grundentspannt und positiv unambitioniert. Und Feist passt wunderbar zu den beiden Jungs.

dreckskerl

Postings: 6582

Registriert seit 09.12.2014

2021-06-28 16:28:15 Uhr
@Gomes21
Exakt.
Tut gut, das Album.

Gomes21

Postings: 3717

Registriert seit 20.06.2013

2021-06-28 16:15:26 Uhr
Wie immer. Fand es anfangs fast dreist selbstzitiert, mittlerweise gefällt mir das Album aber überraschend gut. Hätte ich nicht mit gerechnet, schöne Platte, die Featurings mit Feist stechen für mich heraus.

Ituri

Postings: 205

Registriert seit 13.06.2013

2021-06-28 16:11:11 Uhr
Ich bin interessiert, aber mich haute nie was um von Ihnen. Lediglich "Misread". In welche Richtung geht es? Wie immer?

Hoschi

Postings: 750

Registriert seit 16.01.2017

2021-06-19 17:02:56 Uhr
So, Albumdurchgang No. 3 hinter mir:
Ich geh (fast) komplett mit dem Rezensenten mit.
Fast alle Nummern sind so dermaßen unaufdringlich.
Wären es nicht die Kings of Convenience würde ich die Platte sogar als etwas "langweilig" abstempeln.
Bei den beiden Jungs passt das aber ganz gut.
Mir fehlen leider aber ein paar Ausreißer Songs mit dem Schlag eines Boat behind, i'd rather dance with you oder build up.
Manchmal dürfte es schon etwas abwechslungsreicher sein oder zumindest hier und da ein paar Piano oder Streicher Tupfer.
Love is a lonely Thing ist aber ziemlich stark, dank Feist.
Ab und an ne schöne Scheibe aber für die Dauerrotation reicht's dann leider doch nicht.
Insgesamt ist ne gute 7/10 drin.
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