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Jesse Markin - Noir

Jesse Markin- Noir

VILD / Popup / Soulfood
VÖ: 11.06.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der andere Süden

Nicht immer lässt der erste Blick bereits das große Ganze erkennen – oder es steht gar bei genauerer Betrachtung eine dicke Überraschung ins Haus. "Noir", das zweite Album des Rappers Jesse Markin, ist so ein Fall. Ein schwülheißer, von treibenden Beats, Folk und Soul durchtränkter Trip durch beschwerliche Zeiten. Klingt erstmal nach Themen und musikalischen Motiven, die vor allem jenseits des Atlantiks immer wieder in den Mittelpunkt rücken. In diesem Fall allerdings weit gefehlt – die Geschichten auf "Noir" spielen sich nicht etwa im "Deep South" der USA, sondern im kleinen Kaff Viljakkala in Südwestfinnland ab. Dort, wo sich Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des in Liberia geborenen Finnen weitestgehend sozial isoliert vom Rest der (nicht gerade zahlreichen) kauzigen Dorfeinwohner abspielten. Jesse Markin wuchs nicht von kleinauf in die Rap-Szene hinein – sondern entdeckte sie als Realitätsflucht vom grauen Alltag nach und nach ohne Schubladendenken für sich. Ein Umstand, der für ein ehrliches, vor allem aber auch ein musikalisches ungemein vielseitiges Erlebnis sorgt.

Vor allem, weil der 36-Jährige sich auf "Noir" einen ziemlich feuchten Dreck um etwaige Genregrenzen schert und sehr prägnante Indie-, R'n'B- und Soul-Einflüsse einfließen lässt. Besonders herausragend ist dabei das Doppelpack aus "Vildhjarta" und "Stars in your eyes". Ersteres begrüßt seine Hörerinnen und Hörer mit einem düsteren Beat, um dann einen Klangteppich aus melancholisch-sommerlichen Gitarrenlicks und einer verträumten Stimmung auszurollen. Letzteres bildet – nach einem Vogelgezwitscher-Intermezzo – die entsprechende Antithese und packt, ohne mit der Wimper zu zucken, einen hymnischen Folk-Refrain aus, der auch Portugal. The Man durchaus gut zu Gesicht stehen würde. Mit ausgestreckten Armen und großen Träumen wird hier in den Sonnenuntergang hinein und durch die kurzen Sommernächte des hohen Nordens getanzt. "I know that you feel what I feel / I can see the stars in your eyes." In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das konsumkritische "Counting money on a sunday", das mit seinen heulenden Stimmen im Intro und einem lässig-sehnsüchtigen Arrangement aus gar nicht mal so vielen Mitteln einen schnörkellosen Hit bastelt. Immer wieder ertappt man sich beim Warten auf den Moment, an dem dieses überbordende Konzept unter der Last seiner Einzelteile zusammenbricht – es ist Jesse Markin hoch anzurechnen, dass dieser Moment auf "Noir" nie eintritt.

Auch hinter den leisen Tönen verstecken sich viele Einblicke in die isolierte Existenz Markins in der finnischen Provinz. Das aufwühlende "It was August" blickt zu zarten Pianoklängen und sanft vor sich hingroovenden Beats auf Selbstzweifel und Abschottung zurück. "Never felt like I belonged / I just got along regardless / But see myself become more distant / Making me heartless / When I don't even want it, you can see I'm starvin'." An anderer Stelle drängt allerdings auch eine gewisse Wut an die Oberfläche: "Sidney Poitier" ist ein waschechter Hip-Hop-Stampfer, dessen Instrumental an Tame Impalas "Elephant" erinnert und dementsprechend stark nach vorne prescht, während Markin mit subtilem Alltagsrassismus abrechnet. "I feel like your papa don't like me." Ein Song, der außerdem unmissverständlich klarmacht, dass es sich hier immer noch um das Werk eines versierten Rappers handelt. Nur eben um eines, das sich inmitten der nordischen Pampa zahlreiche Blicke über den weitläufigen Horizont hinaus erlaubt. "I'm just like you, tryin' to find something real."

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • This is (a) testament
  • Vildhjarta
  • Stars in your eyes
  • It was August

Tracklist

  1. This is (a) testament
  2. Vildhjarta
  3. Stars in your eyes
  4. Sidney Poitier
  5. Smokestack
  6. On the side of the road
  7. Counting money on a Sunday
  8. Hemostasis (feat. Terrell Hines)
  9. Exodus (feat. Akua Naru)
  10. Mothers
  11. It was August
  12. Pushing daisies

Gesamtspielzeit: 45:26 min.

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User Beitrag

Yndi

Postings: 57

Registriert seit 23.01.2017

2021-06-10 10:22:16 Uhr
Rezi klingt gut, Singles klingen gut, da höre ich auf jeden Fall morgen mal rein.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21020

Registriert seit 08.01.2012

2021-06-09 21:21:56 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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