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Cleopatrick - Bummer

Cleopatrick- Bummer

Nowhere Special / The Orchard
VÖ: 04.06.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fuzz Dir ein Herz

Alles ist schon einmal da gewesen, oder? Rockmusik neu zu erfinden, könnte sich als dezent überambitioniertes Unterfangen erweisen, also warum sie nicht einfach zertrümmern, wenn eh noch kaum etwas Neues daraus wachsen kann? Luke Gruntz (allein der Name!) und Ian Fraser alias Cleopatrick sind jung genug, ihre Teen- bzw. Twen-Angst noch ungeniert thematisieren zu können – natürlich auf die Weise, wie Instagram & Co. sie heutzutage verstärken. Privat huldigen sie laut eigener Aussage eher Rap-Ikonen wie Kendrick Lamar, produzieren aber trotzdem verwaschenen Two-pals-Krachrock, und das sogar auf eigenem Label, denn was soll man im kanadischen Hinterland samt dessen beschränkten Möglichkeiten auch sonst mit seiner Jugend anfangen? Einen Bassisten hat das Duo nur deshalb nicht, weil sich in der Kleinstadt Cobourg – ähnlich provinziell, aber nicht zu verwechseln mit dem Ort in Bayern – keiner auftreiben ließ. Die Reduktion aufs Wesentliche, Fuzz und Frust also, reicht absolut aus: Wo bei Royal Blood jüngst der Dreck gänzlich wegpoliert wurde, kippen Cleopatrick als eine Art alternative Terrance und Phillip eine ganze Baggerladung Geröll hinein. Ihr Debüt "Bummer" ist ein knapp halbstündiger Schleudergang mit ordentlich Sand im Getriebe.

Kategorien wie Lo-Fi treffen den Kern der Sache dann auch nicht unbedingt, denn anstatt hunderten Vorbildern nachzueifern und sich von diesen beeinflussen zu lassen, poltern Cleopatrick einfach drauf los, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie sie sich im Rock'n'Roll-Kanon eigentlich einsortieren ließen. Gerade die Drums in "Victoria Park" dröhnen so dumpf und verrauscht, als wären sie durch einen riesigen Eierkarton aufgenommen worden. Beat und stimmlicher Vortrag in anderen Songs, man nehme nur "Great lakes", erinnern dann tatsächlich an HipHop. Dazu sitzt auch das Storytelling – vom Schulhof wohlgemerkt, statt von der Straße. Man wähnt sich in einem beinahe "Dear you"-artigen Umfeld, transferiert ins 21. Jahrhundert, wenn Gruntz sich beschwert, sein Feed sei "full of fucking dummies that did high school with me". Jung und dagegen sein lautet die Devise weiterhin in "Family van": "Pushing twenty-three is a real big bummer / When these old motherfuckers try so hard to pull you under." Die Band ist auf Krawall gebürstet, maßgeblich gegenüber ihrer heimischen Einöde, aus der auch Social Media keinen Ausweg verheißt, und den alten und jungen Spießern, die darin wohnen.

Beim Genuss von "Bummer" bekommt man unweigerlich Lust, in einer kleinen, engen Garage gegen fremde Menschen zu springen, während der Schweiß von der Decke tropft und der Boden vom Bier klebt. Verheulte Emo-Lyrics und Grunge-Akkorde in inniger Vereinigung sorgen auch dafür, dass eine Quasi-Ballade wie "2008" hell und intensiv strahlen kann, ohne dass sie scheppernder Drums bedürfte. Nicht nur hier bringt Gruntz das Kunststück fertig, manchmal wie ein junger Chris Cornell zu klingen – mit kanadischem Akzent, versteht sich. "When you give a fuck just let me know." Dabei sind Cleopatrick natürlich der schlechte Umgang, vor dem das wohlerzogene kanadische Mädchen aus Torontos Villenviertel von den Eltern andauernd gewarnt wird – schon diese unflätige Ausdrucksweise! –, aber eben auch eine der neuesten altmodischen Rock-Aufstiegsgeschichten im Digital Age. Wo Japandroids mittlerweile mit eher abgeklärt-erwachsenem, dabei aber auch machomäßigeren Blick den Thron besetzen, sind Gruntz und Fraser eher die Arctic Monkeys der kanadischen Noise-Duo-Landschaft. Will neben jung und ungestüm auch heißen: romantisch genug, nicht nur als juvenile Unruhestifter wahrgenommen zu werden. Dear Canada, your kids are alright.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • The Drake
  • Family van
  • No sweat
  • 2008

Tracklist

  1. Victoria Park
  2. The Drake
  3. Family van
  4. Good grief
  5. No sweat
  6. Why July
  7. Ya
  8. Pepper's ghost
  9. 2008
  10. Great lakes

Gesamtspielzeit: 28:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MasterOfDisaster69

Postings: 671

Registriert seit 19.05.2014

2021-07-05 16:32:59 Uhr
In der Juni-Ausgabe der Visions mit guten 7.4/12 und einseitigem Feature.

MasterOfDisaster69

Postings: 671

Registriert seit 19.05.2014

2021-07-05 15:02:56 Uhr
Eine wirklich schoenes Debuet der beiden. Verzerrte Gitarren, Yeah! Geht doch.
Denke, mit der Platte werde ich gut ueber den Sommer kommen. Danke.

VICTORIA PARK kann auch was:
https://www.youtube.com/watch?v=LyHG8BZyQJM

gute 7/10 bei mir.

Ralph mit F

Postings: 131

Registriert seit 10.03.2021

2021-06-11 08:09:59 Uhr
Ist ja auch eine 7 :)
Für die 8 flacht die zweite Hälfte (minus "2008") verglichen mit der ersten ein bisschen zu sehr ab, finde ich. Aber es wahr sehr knapp!
Bei der Band wäre es jetzt spannend zu sehen, ob sie dem "Konzept" in Zukunft noch neue Facetten abgewinnen können oder sich wiederholen werden. Und bitte ein, zwei winzige Deutschland-Shows nach Corona!

Flooo

Postings: 4

Registriert seit 04.06.2021

2021-06-11 08:00:41 Uhr
Ich finde die Rezension trifft das Ganze schon ganz gut auf den Punkt. Mit der Bewertung 6/10 kann ich allerdings überhaupt nicht mitgehen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20952

Registriert seit 08.01.2012

2021-06-09 21:19:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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