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Jan Delay - Earth, Wind & Feiern

Jan Delay- Earth, Wind & Feiern

Vertigo / Universal
VÖ: 21.05.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Hamburg, seine Perle

Gibt es eigentlich MTV Cribs noch? Manch einer wird sich an die beliebte Sendereihe des damaligen Musikkanals Anfang dieses Jahrtausends erinnern, in der Musiker und sonstige Celebrities Einblicke in ihre Häuser und Anwesen gewährten. Vom Swimming Pool über das Heimkino bis hin zum PS-starken Fuhrpark und so weiter. Ob es bei Jan Delay zu Hause wohl auch so aussieht? Es wäre zumindest interessant zu erfahren. "Ich will noch nich' nach Hause / Ist doch noch gar nicht so spät / Ich will noch nich' nach Hause / Da wartet die Realität", trällert er im Rausschmeißer "Nich' nach Hause" und wird damit zum Wiederholungstäter. Vor rund acht Jahren wollte der gute Mann schließlich auch nicht nach Hause, weil auf St. Pauli bekanntlich noch Licht brennt und noch lange nicht Schicht ist. Spricht also eher gegen eine Nonplusultra-Bude, in die man auf schnellstem Wege wieder zurückkehren möchte.

Oder aber – und das scheint wahrscheinlicher zu sein – für die Liebe zur Nacht, zur Bewegung und Freiheit. Jan Delay ist ein bekennender Nachtmensch. Er fühlt sich frei und unbeobachtet. Man kann so sein, wie man will und machen, was man will. So erklärt sich auch "Eule", eine äußerst beschwingte, funkige und somit hervorragend tanzbare Singleauskopplung, bei der sich der gebürtige Hamburger hanseatische Unterstützung aus Rostock in Person von Marteria mit an Bord geholt hat. "Und immer, wenn der Mond scheint / Dann ist Showtime, dann ist Showtime / Dann komm'n wir zum Vorschein / Und dann ist Tageslicht, das mag sie nicht." Geht ins Ohr und in die Beine, was auch von Beginn an Delays Bestreben ist, wie er im formidablen "Intro" inklusive kleinem Seitenhieb auf das eigene Vorgängeralbum zum Besten gibt: "Nach der Rockplatte, auf die keiner Bock hatte / Komm' ich mit neuem dicken Sound für die Menschen / Die's lieben zu dancen zu tiefen Frequenzen."

Getanzt wird auf "Earth, Wind & Feiern" neben den üblichen Rap- und HipHop-Komponenten vor allem zu Funk- und Reggae-Klängen und allem, was sich in der Gemengelage so tummelt. Jan Delay selbst sprach mal augenzwinkernd von "funkyreggaeafroboogielatinskatrap" und vereint in der großen Schublade treffenderweise alles, womit er seine "positiven Vibes" in schwierigen Zeiten transportieren kann. Neben eingangs erwähntem Marteria sind als weitere Gäste Summer Cem im trappigen "Kinginmeimding", Lary in der chilligen Beziehungsnummer "Tür'n knall'n" sowie die alten Weggefährten Denyo und DJ Mad mit am Start. Mit deren Unterstützung wird "Spass" (sic!) zur funkigen Hymne gegen Rechtsruck und die besorgte Bürgerschaft. Das sitzt. Etwas entspannter und mit karibischem Flair kommen "Zurück" und "Gestern" daher, während sich Zeilen wie "Tut mir leid, liebe Brüder und Schwestern / Nichts ist so kalt wie der heiße Scheiß von gestern" schnurstracks für längere Zeit in den Gehörgängen einnisten. Letzteres gilt auch für "Mach Dir keinen Kopp, mein Sohn / Wir ha'm zwar keine Einbauküche / Doch Papa hat 'n Saxophon" aus "Saxophon", mit dem der Hamburger die Öko-Bourgeoisie aufs (Voll)korn nimmt und seine Hamburger Kindheit zwischen Bonzenvierteln, Reformhaus, Demos und Hausbesetzern liebevoll Revue passieren lässt. Das wäre übrigens ebenfalls eine spannende Homestory geworden.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Eule (feat. Marteria)
  • Spass (feat. Denyo)
  • Zurück

Tracklist

  1. Intro
  2. Eule (feat. Marteria)
  3. Kinginmeimding (feat. Summer Cem)
  4. Alexa
  5. Spass (feat. Denyo)
  6. Zurück
  7. Gestern
  8. Tür'n knall'n (feat. Lary)
  9. Lächeln
  10. Saxophon
  11. Wassermann
  12. Nich' nach Hause

Gesamtspielzeit: 43:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 1010

Registriert seit 22.08.2019

2021-06-03 19:00:42 Uhr
Ein völlig okayes Album von Herrn Eisfeldt. Reicht sicher nicht für die Jahresbestenliste, aber für die Sommer-Playlist ist ganz sicher der eine oder andere Song dabei.

jo

Postings: 2911

Registriert seit 13.06.2013

2021-06-03 07:34:29 Uhr
Klar - ich wollte hier auch keine Meinung infrage stellen.

Ich denke nur, dass es sich (auch bei den hier im Review genannten Highlights) bei mir wohl auch eher in der Region einfinden würde. Und da ist dann tatsächlich schon etwas Bonus für die Zeiten Ende der 90er drin.

Pascal

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 633

Registriert seit 13.02.2013

2021-06-03 02:09:55 Uhr
Für die 8/10 bei "Advanced Chemistry" hab ich ja hoffentlich bald mal genug Abbitte geleistet. ;) Wenn ich da im entsprechenden Thread nachlese, ist das schon bisschen peinlich. Aber ganz offensichtlich fand ich das damals in aller Ehrlichkeit gut. Das mal noch als Absolution für mein Vergangenheits-Ich. ;)

Was ich der Platte hier gegeben hätte? 3-5/10 wohl, je nach Tagesform. Aber ich will meinem Kollegen hier auch keinen Irrsinn unterstellen. Wenn Jochen 7/10 hört, ist das absolut legitim.

Michael

Warer Magot

Postings: 401

Registriert seit 13.06.2013

2021-06-02 23:37:10 Uhr
Puh... 7/10 hätte ich nach den mauen Singles jetzt echt nicht erwartet. Die Wertung erinnert vom WTF-Faktor jetzt erstmal so ein bisschen an die die 8/10 von "Advanced chemistry". :D

Autotomate

Postings: 3280

Registriert seit 25.10.2014

2021-06-02 22:44:56 Uhr
Die Ausweisung von "Spass" als Highlight sagt für mich mehr als tausend Worte: Finger weg!
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