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Olivia Rodrigo - Sour

Olivia Rodrigo- Sour

Interscope / Universal
VÖ: 21.05.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fearless (Olivia's version)

Wer kennt noch Elastica? Dass man sich an deren New-Wave-Punk ausgerechnet auf dem Debüt eines Disney-Stars erinnert fühlt, zeigt nur, wie weird 2021 immer noch ist. Olivia Rodrigos erstes Album "Sour" kracht nach kurzem Fake-Intro in eine Breitseite rein, der eigentlich nur noch das sirenige Keyboard aus "Connection" fehlt, um ebenjene Verbindung perfekt zu machen. Aber auch so funktioniert der Opener "Brutal" bestens, wie er zwischen trockenen Strophen und dem überdrehten Refrain wechselt, der selbst für P!nk schon lärmig wäre. Rodrigo presst über einen Verzerrer mit "All I did was try my best / This the kinda thanks I get?" ihre Teenage Angst heraus und stellt fest: "God, it's brutal out here." Und man hört sie förmlich dahinter grinsen, denn sie weiß: Das war noch lange nicht alles.

Rodrigo kannte man (oder kannte man nicht) zuerst aus Disneys "High school musical: The musical: The series", welches der Rezensent auch erst mal googlen und sich dann vergewissern musste, dass das wirklich so heißt. Die Musikwelt hat sie aber mit ihrer Debütsingle "Drivers license" durchgeschüttelt, die als sentimentale Breakup-Ballade völlig überraschend zum weltweiten Hit wurde. Dass "You're probably with that blonde girl / [...] / She's everything I'm insecure about" von ihrer ehemaligen Romanze mit Co-Star Joshua Bassett handelt, gilt schon fast als gesichert. "I still fucking love you, baby", ruft Rodrigo in der herrlichen Coda und legt damit den Grundstein für die meisten Stücke auf "Sour". Acht von elf Songs rechnen in gewieften Texten mit dem Ex ab. Moment, das kennen wir doch?

"Ich bin wahrscheinlich der größte Taylor-Swift-Fan der Welt", gab Rodrigo bereits zu Protokoll und "Sour" zeigt das an vielen Ecken und Enden. Das bissige "Deja vu" versprüht ein wenig Gift in die neue Beziehung des Ex: "I made the jokes you tell to her" und die Referenz an Billy Joels "Uptown girl" als Beziehungs-Insider hätte auch Swift problemlos in einem Song verarbeitet. Dazu schnappt sich das Stück im Endteil noch verspulte Noise-Effekte, die Lorde auf "Melodrama" auch nicht von der Bettkante geschubst hätte. Nicht minder bissig ist das folgende "Good 4 u", das in lupenreinen, eingängigen Pop-Punk ausbricht und mit der Phrasierung bei "It's like we never even happened / What. The fuck. Is up. With that." sowieso gewinnt. Groovig wird es bei "Jealousy, jealousy", das sich zur Abwechslung nicht mit der verflossenen Liebschaft, sondern dem allgegenwärtigen Selbstdarstellungdruck für 18-jährige Frauen wie Rodrigo beschäftigt.

"Sour" hängt dann ein wenig, wenn es an die Balladen geht. Bis auf das erwähnte "Drivers license" und den herzerwärmenden Closer "Hope ur OK" sticht keine davon heraus, zudem bremst sich das Album nach dem wilden Opener selbst mit mehreren langsamen Stücken hintereinander direkt aus. "1 step forward, 3 steps back" kommt auch trotz "New year's day"-Zitat der heiligen Taylor Swift nicht über eine Gefälligkeit hinaus. Dennoch ist "Sour" trotz kleiner Schwächen ein bemerkenswertes Debüt, zumal Rodrigo die Songs zum Großteil selbst geschrieben hat und besonders die Texte trotz der Monothematik mit ihren zahlreichen One- und Two-Linern Biss und Humor behalten. Erfrischend, dass Rodrigo auf "Sour" wenig glattbügelt, mit Four-Letter-Words nicht geizt und wenig Interesse daran hat, ihr jugendliches emotionales Chaos zu bändigen. "Somehow the vital connection is made", hieß es bei Elastica. Ist für Olivia Rodrigo gesichert.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Brutal
  • Deja vu
  • Jealousy, jealousy

Tracklist

  1. Brutal
  2. Traitor
  3. Drivers license
  4. 1 step forward, 3 steps back
  5. Deja vu
  6. Good 4 u
  7. Enough for you
  8. Happier
  9. Jealousy, jealousy
  10. Favorite crime
  11. Hope ur OK

Gesamtspielzeit: 34:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Klaus

Postings: 3201

Registriert seit 22.08.2019

2021-05-27 13:43:04 Uhr
"Joa einem Teenager vorzuwerfen Teenager Probleme zu verarbeiten, ist ein bisschen kurz gedacht."

Ne, tue ich nicht. Es ist nur so, dass ich dadurch einfach nicht Zielgruppe bin und daher dem nix abgewinne.

Und: immernoch besser, die "jungen" hören sowas, als Trap.

"Aus welcher Welt sind/waren denn deine Teenage-Probleme, Klaus? "

Eher zweite.

edegeiler

Postings: 2349

Registriert seit 02.04.2014

2021-05-27 13:40:50 Uhr
:D

Joa einem Teenager vorzuwerfen Teenager Probleme zu verarbeiten, ist ein bisschen kurz gedacht. Das hat mit der Qualität der Musik mE nichts zu tun und ist im Übrigen verständlich, wenn man das Alter von Rodrigo bedenkt.

Alice

Postings: 250

Registriert seit 27.10.2019

2021-05-27 12:41:47 Uhr
Aus welcher Welt sind/waren denn deine Teenage-Probleme, Klaus?

Klaus

Postings: 3201

Registriert seit 22.08.2019

2021-05-27 12:26:58 Uhr
Hab es mir gestern mal fast in Gänze gegeben und: Ne, bin ich zu alt für. Das ist first-world-teenage-Problems in Reinform.

Zudem nervt mich ihr Gesangsstil/Betonung in diesem furchtbaren amerikanisch-englisch. Maximal 4/10 für die ansprechenden Instrumentals.

Alice

Postings: 250

Registriert seit 27.10.2019

2021-05-26 22:52:58 Uhr
Finde driver's license großartig und das Album könnte sich wie letztes Jahr Samia zu meinem guilty pop pleasure entwickeln, ich finde sie super, wie kann man in dem Alter solche Songs schreiben (auch wenn es nur um ein Thema geht, aber geschenkt, der erste heartbreak ist eben heftig)... 7/10 ist auf jeden Fall drin finde ich
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