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P!nk - All I know so far: Setlist

P!nk- All I know so far: Setlist

RCA / Sony
VÖ: 21.05.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Organisiertes Chaos

Wer P!nk schon einmal live gesehen hat, weiß: Es wartet ein groß aufgebrezeltes Spektakel mit einer Performerin, der das sonst so übliche Perfektionsstreben abgeht. Nicht, dass Alecia Moores Shows in irgendeiner Weise reduziert daherkommen. Backgroundsänger, Tänzer, Video-Interludes, Trapeze? Alles da. Aber Fehler werden zugelassen, gar gewünscht, schnippisch kommentiert und belacht. Der Dokumentarfilm "All I know so far", welcher im Juli 2021 erscheint und auf der "Beautiful trauma"-Welttour 2018 und 2019 aufgenommen wurde, weitet dieses Chaos-Prinzip noch auf P!nks weiteres Leben aus: Mutter, Ehefrau und Chefin eines ganzen Tour-Ensembles – sie bringt alles unter einen Hut. Schon zwei Monate früher erscheint "All I know so far: Setlist" als Audiobegleitung, irgendwo zwischen Livealbum und Mixtape unterwegs. Ähnlich wie die Konzerte der 41-Jährigen präsentiert es sich unaufgeräumt, mit Kanten, Fehlern und Kuriositäten.

Gleich zwei Songs, nämlich "Just give me a reason" und – hoppla – "Fuckin' perfect", warten mit Fehlstarts auf. Die hätte man natürlich auch von der Platte entfernen können, aber das hätte P!nks Verständnis einer Show eben nicht komplett abgebildet. Ebenso sind schnöde ins Setting übernommene Tracks aus dem bisherigen Œuvre in der Unterzahl – immerhin findet sich mit "Who knew" unter diesen der vielleicht beste Song der Dame. Stattdessen mengt das quietschfidele "Funhouse" mittendrin noch No Doubts "Just a girl" unter, und am Abschluss raspelt "So what" allein der Ehrensache halber noch ausreichend Gitarrenkäse drüber. So wie überhaupt die Stücke sehr rockig und organisch dargeboten werden. Manche Songauswahl, wie beispielsweise das etwas überkandidelte "I am here", bleibt derweil fragwürdig.

Ein paar Coverversionen, die sich stets in der Tour-Setlist wiederfanden, schmücken auch hier den Weg. Fantastisch ist dabei vor allem das überraschend eckig dargebotene "River", das dem beatgetriebenen Original von Bishop Briggs ein paar saftige sechssaitige Breitseiten spendiert und zu P!nk unglaublich gut passt. Auch Cyndi Lauper dürfte entzückt sein, wie Moore ihr "Time after time" in ein akustisches Gewand bettet und dann galant in eine ebenso reduzierte Fassung des eigenen "Walk me home" leitet. Mehr Kopfkratzen induzieren dagegen die beiden Queen-Cover Richtung Ende der Platte. Bestimmt hat ein originalgetreu nachgespieltes "Bohemian rhapsody" im Stadion für Stimmung gesorgt, aber in der Konserve verströmt das nur ein etwas besseres Karaoke-Aroma. Aber so ist P!nk eben: Macht Bock? Mach' ich!

Was sie ebenfalls macht: inspirativ dahersalbadern. Die fünf Minuten in der Albummitte, in denen sich die Dankesrede zum "MTV Video Vanguard Award" und im gleichen Duktus Moores Sprachsamples im langen Intro zu "What about us" drängen, sind der einzige wirklich zähe Part – sicher mit guten Absichten in Hinblick auf gesellschaftlich Benachteiligte, aber auch ein wenig selbstgerecht. Kurz später folgen die kürzlich veröffentlichen zwei Singles in ihrer reinen Studioform. Der Titeltrack ist eine nette Nummer, die mit "Let them drag you through hell / They can't change who you are" ein weiteres Mal Außenseitern Mut zuspricht. Regelrecht verblüffend hingegen ist zuvor "Cover me in sunshine". Songs über den Nachwuchs beäugt man gemeinhin bereits kritisch, aber Songs mit dem Nachwuchs? Doch die kurze Nummer mit Willow Sage Hart ist viel, viel besser als alles, was man von einem Mutter-Tochter-Duett erwarten kann und bleibt über Tage angenehm im Ohr. Auch das passt auf "All I know so far: Setlist" rein – wie seine Schöpferin gefällt es sich in seinem sympathischen, fehlerbehafteten Chaos.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Who knew (Live)
  • River (Live)
  • Time after time (Live)
  • Cover me in sunshine (with Willow Sage Hart)

Tracklist

  1. Just like a pill (Live)
  2. Who knew (Live)
  3. Funhouse / Just a girl (Live)
  4. River (Live)
  5. Just give me a reason (Live) (feat. Nate Ruess)
  6. Time after time (Live)
  7. Walk me home (Live)
  8. I am here (Live)
  9. Fuckin' perfect (Live)
  10. MTV Video Vanguard Award speech
  11. Cash Cash remix intro / What about us (Live)
  12. Cover me in sunshine (with Willow Sage Hart)
  13. All I know so far
  14. Bohemian rhapsody (Live)
  15. We are the champions (Live)
  16. So what (Live)

Gesamtspielzeit: 69:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Kojiro

Postings: 793

Registriert seit 26.12.2018

2021-05-29 09:58:27 Uhr
Hätte mal lieber Liäm anstelle ihres nervigen Kindes hinzuziehen sollen.

"Cover me in suuunshiiiiiine!"

jo

Postings: 2919

Registriert seit 13.06.2013

2021-05-28 21:32:25 Uhr
Ganz vergessen: Aber vielen Dank für die Aufklärung :) - dann hatte ich es immerhin korrekt verstanden. Manchmal reicht es eben nicht, Germanist zu sein.

jo

Postings: 2919

Registriert seit 13.06.2013

2021-05-28 21:31:04 Uhr
Aber warum dann "Perfektionsstreben abgeht", zusammen mit "Nicht, dass... irgendeiner Weise reduziert...".

Wenn es ja ein Spektakel ist - wie sollte die Show dann "reduziert" sein können?

Oder sollte einfach das "groß aufgebrezeltes Spektakel", "aber nicht perfekt" zusammen mit "überhaupt nicht reduziert", "aber eben nicht perfekt" in ähnlichen Worten doppelt betont werden?

Ein echter "Hirnverdreher", Felix ;).

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 7113

Registriert seit 26.02.2016

2021-05-28 19:07:13 Uhr
Ja, das war so gemeint, wie es auch Autotomate wiedergegeben hat. Die Show ist schon ein Stadion-Spektakel, aber mit vielen "sloppy" Momenten.

Autotomate

Postings: 3290

Registriert seit 25.10.2014

2021-05-28 17:11:49 Uhr
Nö, das passt schon. Es wartet ein großes Spektakel, aber ohne Perfektionismus.
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