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Babe Rainbow - Changing colours

Babe Rainbow- Changing colours

Eureka
VÖ: 14.05.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Apocalypse dreams

Schwieriges Unterfangen: Eine Rezension zum Psychedelic-Pop-Album einer australischen Band schreiben, ohne Begrifflichkeiten wie "Voll verstrahlt" und "Surfer-Dudes" zu verwenden. Das haben Tame Impala auch gar nicht verdient! Ach, Moment – um die gehts gar nicht? Wie schnell schwierige Unterfangen plötzlich noch schwieriger werden können. Warum also nicht mit einer privaten Anekdote darüber starten, wie man auf die zu besprechende Band aufmerksam wurde?

April 2020: Die Welt dreht sich etwas anders als früher. Um im Home-Office nicht die Nerven zu verlieren, geht es in jeder Mittagspause ein Stündchen nach draußen, wo man sich mit anderen Neu-Spaziergängern stets wortlos zunickt, als wäre man durch eine Art Code miteinander verschworen. Über die Kopfhörer dröhnen auf dem Streaming-Dienst des Vertrauens wechselnde Künstler-Radios, um zwar nicht immer wieder den gleichen Kram zu hören, aber doch irgendwie immer wieder zumindest ähnlichen Kram zu hören. Die Playlist vom Unknown-Mortal-Orchestra-Radio spuckt eines Tages den Song "Planet junior" von Babe Rainbow aus. Nie gehört. Tönt in den ersten Momenten aber ganz nett. Und plötzlich ist da diese eine kleine Stelle, die alles verändert: "Ooooh lalalala." Und bumm. Zum Glück hat niemand behauptet, dass es für diese Anekdote Pulitzer-Preise wegen lyrischer Großtaten gäbe.

Babe Rainbow also, von denen danach selbstverständlich alle Alben angehört und mindestens für gut befunden wurden. Deren neues Werk "Changing colours" hat zwar keinen Aha-Moment wie damals "Planet junior" parat, aber dafür zwölf schöne neue Songs, die hier und da mit Tame Impala flirten, aber auch Richtung The Flaming Lips, Foxygen und The Beach Boys liebäugeln. Same same but different halt, und dank des hohen psychedelischen Anteils auch ein wirklich schöner Zeitvertreib für den immer noch nicht ganz normal laufenden Alltag. Und mag man beim Opener "Zeitgeist" noch denken, dass die vier überaus blonden Australier etwas arg lang brauchen, um aus dem Quark zu kommen, so lasse man sich bitte gleich beruhigen. Denn hier dürfte das alles durchaus so beabsichtigt sein. In diesem Kaleidoskop kommt es auf die Feinheiten an.

So passiert es, dass "Your imagination" für sorgenfreie Entspannung sorgt, ohne wirklich viel zu machen: Auf die Stimmung kommt es eben an, und das hier fühlt sich nach Sommer an, nach Strand, nach Mittagsschlaf im Sand ohne anschließenden Sonnenstich. Mit "California" geht es – na, drei Mal dürfen Sie raten! – an die Westküste der USA, mit Mac DeMarco auf der Rückbank und dem einen oder anderen Sandwich im Gepäck. Derweil schütteln "Rainbow rock" und "Ready for tomorrow" endlich mal die Beine und Arme durch, die vom vielen Entspannen und Rumlümmeln schon ganz schlaff geworden sind, und zaubert das liebliche "Smile" ein ebensolches ins Gesicht seiner Hörer.

Mit diesem Album lässt es sich in der Apokalypse immerhin vernünftig träumen, das versprechen auch das Geplätscher am Anfang sowie die Möwen am Ende vom Weltuntergangs-Verschlafer "Curl free". Ist ja auch wichtig, dass man sich immer schön ausruht. Zum Schluss, wenn "Different stages of life" sich doch noch mal die Sandwich-Krümel vom Bauch wegwischt und ein frisches Shirt anzieht, um keinen schlechten Eindruck bei den apokalyptischen Reitern zu hinterlassen und man merkt, dass das alles doch nur ein verrückter Traum war, darf die Reise gleich direkt weitergehen. Man muss eben nur wissen, wie man aus etwas Negativem etwas Positives macht, wie einst bei der Neuentdeckung des Mittags-Spaziergangs. Und bei diesen voll verstrahlten Surfer-Dudes drückt man doch eh gern wieder auf die Play-Taste.

Ach, Mist.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Your imagination
  • Ready for tomorrow
  • Smile
  • Different stages of life

Tracklist

  1. Zeitgeist
  2. The wind
  3. Your imagination
  4. Ready for tomorrow
  5. California
  6. Rainbow rock
  7. New Zealand spinach
  8. Thinking like a river
  9. Curl free
  10. Smile
  11. Changing colours
  12. Different stages of life

Gesamtspielzeit: 40:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

dreckskerl

Postings: 6584

Registriert seit 09.12.2014

2021-05-28 12:21:19 Uhr
Ich freue mich auch sehr über die Rezension. Ich habe die Band über die grandiose Seite www.backseatmafia.com letztes Jahr kennengelernt und als absolut hörenswert abgespeichert.
Das neue Album gefällt mir auch sehr gut, ein paar Songs gehen in Richtung 9, insgesamt finde ich die 7 aber genau richtig.

Down Under wird eine Menge toller Musik produziert, die oft keine breite Rezension erfahren.

Dieses Jahr die für meine Ohren bislag beste ist: "Flyying Colours - Fantasy Country" Shoegaze, Dreampop und Feedback kurz aber sehr gut.

Absolute Entdeckung sind die "Underground lovers", deren Alben zwischen 91 und 96 sind absolut grandios. Vor allem "Leaves me Blind" von 1992.

Und dann gibts auch noch die "Gang of Youths" deren neues Album (fast) ganz Australien entgegenfiebert.

Telecaster

Postings: 1108

Registriert seit 14.06.2013

2021-05-28 11:07:05 Uhr
Danke, endlich wird hier mal wieder ein Album einer noch halbwegs unbekannten Band, die mich tatsächlich anspricht, rezensiert.
Schade, dass man die Alben von denen nur schwierig und teuer auf Platte bekommt.

javra

Postings: 101

Registriert seit 29.07.2014

2021-05-27 17:47:24 Uhr
Habe den Namen nur aus dem Augenwinkel gelesen und habe glatt "Bodo Ramelow" gelesen

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21516

Registriert seit 08.01.2012

2021-05-26 21:04:57 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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