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Origami Angel - Gami gang

Origami Angel- Gami gang

Counter Intuitive
VÖ: 30.04.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Feiern der Anderen

Machmal kann man sich nur wundern. Was alles abgefeiert wird, wenn der Tag mal wieder entschieden zu lang wird, wie oft man verloren in der Gegend steht und mal wieder den Hit einfach nicht hört, ehrlicherweise auch ab und an nicht hören will. Das nervt. Kolossal sogar. Umso schöner, dass die Chose auch in die andere Richtung funktioniert. Dann fragt man sich, wie zur Hölle es möglich ist, dass zum Beispiel die großartigen Oso Oso hierzulande so ein Nischendasein fristen müssen. Oder eben, dass die Suche nach Origami Angel bei Plattentests.de eine einzige läppische Referenz und einen quasi nicht frequentierten Thread hervorbringt. Wobei man fairerweise auch sagen muss, dass der Rezensent ohne die Blogperle Crossed Letters vermutlich auch noch nie von dem Duo aus Washington D.C. gehört hätte. Ist man aber erst einmal über diverse Abfeiereien der Emo-Pop-Alles-Core-Band im Internet gestolpert und hat man versehentlich großartigen Songs wie "The air up here" sein Ohr geschenkt, will man unbedingt wissen, was da noch so kommt.

Und weil Ryland Heagy und Pat Doherty nunmal nicht irgendeine Band gegründet haben, kommt nach dem fulminanten Debüt "Somewhere city" eben – der überschaubar ästhetische Titel ist übrigens die Bezeichnung für die Fans der Band – "Gami gang". Das meint konkret: Ein Doppelalbum, voll bis oben hin mit ganzen 21 Songs und möglicherweise 210.000 Ideen, die so ziemlich auf alles Bock haben, außer Genregrenzen und Vorhersehbarkeit. Da mahnt der innere Schlechte-Laune-Bär schon mal an, dass hier alle Zutaten vorhanden sind, um sich mal so richtig nach allen Regeln der Kunst zu verheben. Nun, vorneweg: Ja, "Gami gang" ist dieses typische zweite Album, das ohne den Überraschungseffekt auskommen muss und im Wesentlichen den den Weg des Debüts ein bisschen weniger rumpelig fortführt. Das Album hat mit der Masse an Songs an der ein oder anderen nicht perfekt ausgeleuchteten Ecke durchaus zu kämpfen, und vielleicht wäre ein wenig mehr Fokus an der ein oder anderen Stelle der Sache dienlich gewesen. Umso beeindruckender ist die Tatsache, dass die Band trotzdem qualitativ in etwa auf Höhe des Debüts unterwegs ist und man hier auf in bisweilen schwindelerregenden Niveauhöhen meckert.

Das beginnt, wenn das Einstiegsdoppel aus "#GAMIGANG" und "Self-destruct" mit größtem Vergnügen Holzwege verlegt und von einem Hip-Hop-Beat über eine kurze Metal-Schieflage zu astreinem Pop-Punk überleitet. In unter einer Minute. Weil das ja klar ist. Wie viel Melodie "Self-destruct" dann gleich zum Start in die Waagschale wirft, sorgt in weiterer Folge für die ein oder andere Verabredung von Tischkante und Unterkiefer. Dabei wärmt sich das Duo gerade erst auf und schaltet im folgenden "Möbius chicken strip" noch einen Gang nach oben. Das klingt dann in etwa wie sehr melodische Tiny Moving Parts in Bestform. Wenn man unbedingt Vergleiche ziehen will – so richtig leicht lassen sich Origami Angel nämlich kaum festnageln. Man höre nur, wie sich "Neutrogena spektor" vom explodierten Sack Melodie und Schönklang nach zwei Minuten in eine ordentliche Krach-Abfahrt verwandelt. Oder wie "Bossa Nova corps" sich erst mit den Hüften hören lässt und dann doch – wie auch immer – zwischendurch die Kurve zum Emocore bekommt.

Und immer genau dann, wenn man doch einmal spürbar Gefahr läuft, ein bisschen zu viel von der Sprunghaftigkeit und Aufgedrehtheit von "Gami gang" gehört zu haben, bittet die Band zur Atempause. Mit "Greenbelt station" etwa, dass für knapp zwei Minuten einfach keine Lust auf Krach hat und sich nicht nur als dringend benötigter Akustikgitarren-Ruhepol präsentiert, sondern auch außerhalb des Albumskontextes ausgezeichnet funktioniert. Oder kurz vor Schluss mit "Footloose cannonball brothers", das sich mit reduzierter Geschwindigkeit aufmacht, ein astreiner Hit zu werden. Weltumspannender Refrain inklusive, versteht sich. Wenn am Ende das einigermaßen bescheuert betitelte "gg" mit seinem ausladendem "So this is goodbye" das Licht ausmacht, weiß man schon längst, dass "Gami gang" trotz ein bisschen zu viel Schmuck am Nachthemd nur eine Reaktion verdient hat: Man muss das Album feiern. Feiern!

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Möbius chicken strip
  • Mach bike
  • Greenbelt station
  • Footlose cannonball brothers
  • gg

Tracklist

  1. #GAMIGANG
  2. Self-destruct
  3. Möbius chicken strip
  4. Noah fence
  5. Mach bike
  6. Isopropyl alchemy
  7. You won't.
  8. Neutrogena spektor
  9. Greenbelt station
  10. Bossa Nova corps
  11. Kno u
  12. /trust
  13. [spoons rattling]
  14. Tom Holland Oates
  15. Caught in the moment
  16. Dr. Fondoom
  17. Bed bath & Batman beyond
  18. Footloose cannonball brothers
  19. Blanket statement
  20. gg

Gesamtspielzeit: 51:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Peacetrail

Postings: 2471

Registriert seit 21.07.2019

2021-05-19 23:07:54 Uhr
Klingt gut.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20307

Registriert seit 08.01.2012

2021-05-19 21:29:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Yndi

Postings: 44

Registriert seit 23.01.2017

2021-04-16 12:13:45 Uhr
Ja, Bock. die und Hot Mulligan geben mir aktuell alles, was ich im Emo-Poppunk brauche.

Logarythms

Postings: 107

Registriert seit 13.06.2013

2021-04-15 22:33:41 Uhr
Der Vorgänger 'Somewhere City' war damals mein Album des Jahres. Bin sehr gespannt

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1034

Registriert seit 31.10.2013

2021-04-15 22:10:28 Uhr - Newsbeitrag
Wie, garnix im Forum zu Origami Angel?
Sehr gute Emo-Pop-Punk-Band, wenn man sie denn unbedingt auf ein Genre festnageln muss. Neues Album kommt am 30.04.
Erster Vorgeschmack:


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