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81355 - This time I'll be of use

81355- This time I'll be of use

37d03d / Cargo
VÖ: 28.05.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kunst ohne Seidenschal

Die Rezension ist halb geschrieben, noch bevor man sich das Album "This time I‘ll be of use" überhaupt angehört hat. Ein HipHop-Act auf dem gemeinsamen Label von Bon-Iver-Kopf Justin Vernon und den The-National-Brüdern Aaron und Bryce Dessner? Die Band heißt 81355, will aber "Bless" ausgesprochen werden? Kunst halt, was wird das schon sein? Intellektuelles Gequatsche, holpernde Beats und alles ein bisschen anstrengend. Aber nein. Schon der Opener "Capstone" ist ein absoluter Hit, der locker und leicht antänzelt und einen sofort in seinen Bann zieht. Das Video dazu ist mystisch, die drei Protagonisten werden darin lebendig begraben. Die Lyrics erzählen von Selbstzweifeln und dem Leben als Schwarzer in Zeiten der Pandemie: "I was wrong and I was right / I was purging all my demons / It was certainly a fight". Wie es zu den absolut unterirdischen 9000 YouTube-Klicks nach eineinhalb Monaten kommt, ist ein einziges Rätsel – da dürfte selbst Vanessa Peters Mitleid haben.

Hinter 81355 verbergen sich die beiden Rapper mit den fantastischen Superheldennamen Sirius Blvck (Grüße nach Hogwarts) und Oreo Jones sowie der Produzent David "Moose" Adamson. Die drei haben einen sehr diversen Background: Blvck und Jones wurden mit Punk und Hardcore sozialisiert, Moose produziert als Sedcairn Archives elektronische Musik. Trotzdem bleiben 81355 bester alternativer Conscious Rap. Nur, dass es wie in "Anointed" auch mal zu einem überraschenden Schlagzeug-Part kommen kann und mit "Purple" ein rein elektronisch pumpender Track vertreten ist – und es in "Hard 2 find" sogar eine textliche Metallica-Referenz gibt, was im HipHop-Kosmos noch nicht so oft vorgekommen sein dürfte. Die Refrains sind oft hypnotisch, Synthie-Sounds der Siebziger werden angezapft. Künstlerisch und experimentell ist das schon – aber eben nicht prätentiös und abgehoben. 81355 machen es einem leicht, ohne auch nur eine Spur simpel zu sein.

Eingelullt vom entspannten Flow der beiden Rapper und dem mehrstimmigen Chor entgehen einem bei "Maroon" fast die sozialkritischen Inhalte: "Some of us richer than life / And most of us minimum wage / Jump off the edge of the cliff / Dive into the end of the days." Das großartig flirrende "The void" kann sich Nicolas Winding Refn für den nächsten Soundtrack notieren, "Thumbs up" startet wie Euer neuer Lieblingsklingelton und mündet in eine trockene Boom-Bap-Nummer. Das abschließende "Through a portal" beginnt mit einem schleppenden HipHop-Beat und endet als astreiner Indie-Folksong – Förderer und Labelchef Vernon wird daran sicher seine Freude haben. Diese hatte er angeblich ohnehin schon am ersten Demo im letzten Sommer – und signte 81355 vom Fleck weg. In der Musikszene ihrer Heimatstadt Indianapolis ist das Trio bereits eine feste Größe, diesmal soll es auch was mit dem Erfolg über die Stadtgrenzen hinaus werden. Mehr Klicks auf YouTube würden helfen. Also folgt dem Albumtitel und macht Euch nützlich.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Capstone
  • Hard 2 find
  • The void

Tracklist

  1. Capstone
  2. Maroon
  3. Hard 2 find
  4. Anointed
  5. The void
  6. Thumbs up
  7. Purple
  8. Through a portal

Gesamtspielzeit: 27:12 min.

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Armin

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2021-05-19 21:27:10 Uhr - Newsbeitrag
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