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Fiddlehead - Between the richness

Fiddlehead- Between the richness

Run For Cover / Cargo
VÖ: 21.05.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

What is love?

Warum haben die Neunziger in der Wahrnehmung der breiten Masse eigentlich einen so schlechten musikalischen Ruf? Ja klar, da fanden Sachen wie Culture Beat, Captain Jack oder K2 statt. Aber hey: Man muss nun wirklich nicht zum vierten Mal wieder aus dem Grab geholt worden sein, um schon mal was von Soundgarden gehört zu haben. Oder Pearl Jam. Oder Nirvana. Oder Oasis. Oder Green Day. Nur um wahllos ein paar Namen zu nennen. Warum also um alles in der Welt muss man sich auf so ziemlich jeder 90er-Party der Welt von Haddaway, Aqua oder Snap! belästigen lassen? Und warum glauben tennisbesockte Menschen im stilechten Elesse-Onesie und gefühlt auch alle anderen eigentlich, es wäre irgendwie ironisch und cool, abzugehen wie die Rugrats auf einem schlechten Speed-Trip, wenn irgendwer, irgendwie, irgendwo, irgendwann – jaja, der ist aus den 80ern – einen Song der Backstreet Boys auflegt? Und was hat der ganze Quatsch eigentlich hier zu suchen?

Nun, zum einen kann man nicht oft genug sagen, dass "Everybody (Backstreet's back)" und so ziemlich alle anderen Artverwandten einfach richtig beschissene Songs sind. Ach, und natürlich könnten Fiddlehead locker einer 90er-Party entspringen. Ganze ohne Take That oder E-Rotic oder Blümchen, dafür aber mit Quicksand, Braid, Samiam oder Sunny Day Real Estate. Ist ja auch irgendwie geil, wenn man nicht einmal erwähnen muss, dass bei einer Band Leute von unter anderem Have Heart und Basement mitzocken, um den Sound halbwegs zu umschreiben. Aber ja: Nach Basement klingen Fiddlehead auch. Oder viel mehr nach dem Versprechen, das die niemals einzulösen vermochten. Dabei war das alles laut Sänger Patrick Flynn so gar nicht geplant. Vielmehr werkelte er in den frühen 10ern mit Gitarrist Alex Dow an ein paar Songs, als unter anderem Alex Henery von den damals gerade aufgelösten Basement dazukam und das ganze zu einer Band wurde, die wiederum auf eine Resonanz stieß, mit der man niemals gerechnet hätte. Eine Supergroup wider Willen, wenn man so will.

Die ursprünglich nicht einmal ein Album veröffentlichen sollte, jetzt mit "Between the richness" aber sogar ihren Zweitling vorlegt. Die Sache mit der Resonanz versteht man dabei sehr schnell. Man heißt Flynns Stimme auf Anhieb willkommen, auch wenn er nicht mehr so viel herumbrüllt wie seinerzeit bei Have Heart. Man ist sofort drin in diesen gleichsam dringlichen wie fast beiläufig natürlich wirkenden Songaufbauten, im mächtig produzierten und doch noch immer angenehm spröden Klangbild. Im Gitarrenspiel, das nur vordergründig die Kratzbürste schwingt und vielmehr von einer feinen Melancholie und überraschender Zugänglichkeit geprägt ist. Vor allem aber in den Songs. Und wie! Wenn "Life notice" sich trotz seiner kurzen Spielzeit eine ganze Menge Zeit nimmt, um Spannung aufzubauen und dann doch zur Halbzeit zum Tanz zu bitten, sagt man einfach unmöglich nein. Und wenn "Joyboy" danach mal die Regler nach links dreht, damit alle wieder ein wenig runterkommen, ist man auch jederzeit gerne dabei. Auf derlei Allgemeinplätzen kann man im Prinzip zu jedem Song, den "Between the richness" auffährt, herumhüpfen. Spannender sind aber am Ende des Tages doch die Kleinigkeiten.

Die Tatsache etwa, dass der Albumtitel auf Flynns Position zwischen seinem verstorbenen Vater Richard und seinem kurz vor den Aufnahmen zum Album geborenen Sohn Richard abzielt, ohne oberflächlich die Namensgleichheit zu meinen: Es geht vielmehr um den Reichtum von Tod und neuem Leben. Oder die Texte, in denen Flynn wie schon auf dem Vorgänger seinen schmerzvollen Verlust verarbeitet und gleichsam – wie etwa im fulminanten Closer "Heart to heart" – direkte Worte an seinen Sohn richtet. Oder eben die musikalischen Details: die Art und Weise, wie "Grief motif" den Vorhang aufmacht, das Fundament legt und wirklich perfekt an "The years" übergibt. Oder wie sich "Down university" passenderweise kurzzeitig fast schon in Richtung College-Rock lehnt und doch zum wundervollen Stampfer gedengelt wird. Oder, und damit ist es dann auch genug der Aufzählung, wie "Loverman" erst mal sicherheitshalber den Bass vorausschickt, bevor sich die ganze Bande mitsamt traumwandlerischem Midtempo nach vorne wagt. Da macht man gerne seinen Frieden mit den 90ern. Ja sogar mit Haddaway. Baby don't hurt me!

(Martin Smeets)

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Highlights

  • The years
  • Loverman
  • Down university
  • Heart to heart

Tracklist

  1. Grief motif
  2. The years
  3. Million times
  4. Eternal you
  5. Loverman
  6. Down university
  7. Get my mind right
  8. Life notice
  9. Joyboy
  10. Heart to heart

Gesamtspielzeit: 25:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

SammyJankis

Postings: 88

Registriert seit 03.02.2020

2021-06-17 14:50:33 Uhr
Jo ich weiß, aber die Shows sind von Donnerstags bis Sonntags. Denke, dass das nur UK is. Haben aber zumindest Andeutungen bzgl Festland gemacht. Der Sänger ist Lehrer, die sind also sowieso recht unflexibel was Termine angeht.

sizeofanocean

Postings: 769

Registriert seit 27.01.2020

2021-06-17 11:36:24 Uhr
sie kommen zumindest in Februar 2022 nach UK, vielleicht ja dann auch für Dates in Deutschland.

SammyJankis

Postings: 88

Registriert seit 03.02.2020

2021-06-16 23:00:45 Uhr
In den Staaten mit Ekulu unterwegs. Würde eine meiner Nierenür die Kombo in Europa geben.

sizeofanocean

Postings: 769

Registriert seit 27.01.2020

2021-06-16 16:45:01 Uhr
neues Video zu "Down University":

https://youtu.be/B1RuqI14mK8

sizeofanocean

Postings: 769

Registriert seit 27.01.2020

2021-06-08 16:32:55 Uhr
#1:
https://www.stereogum.com/2149054/best-albums-of-2021-so-far/
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