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Lisa Gerrard & Jules Maxwell - Burn

Lisa Gerrard & Jules Maxwell- Burn

Atlantic Curve / Schubert / Membran
VÖ: 07.05.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Stilvoll abgehoben

Es wirkt vordergründig wie eine kleine Revolution: Lisa Gerrard, die stilprägende Stimme von Dead Can Dance, veröffentlicht eine Platte mit niemand anderem als dem Tour-Keyboarder der australisch-britischen Kollaboration zwischen Gerrard und Brendan Perry. Erst recht, wenn man bedenkt, dass Dead Can Dance im Prinzip seit Mitte der Neunziger so eine Art Musik gewordene On-Off-Beziehung geworden sind und immer wieder von unüberbrückbaren musikalischen und persönlichen Differenzen zwischen Gerrard und Perry die Rede war. Eine Platte also als Mittelfinger für Perry? So weit geht's nun doch nicht. Die Wahrheit ist: 2012, auf der Tour zum Reunion-Album "Anastasis", wurde als Zugabe ein Song des Keyboarders und Theaterkomponisten Jules Maxwell gespielt. Dieser Song namens "Rising of the moon" inspirierte Gerrard und Maxwell, doch irgendwann einmal eine gemeinsame Platte aufzunehmen. 2015 entstanden dabei vier Songs, doch erst mit dem Engagement von James Chapman – bekannt durch sein Soloprojekt Maps – nahm "Burn" endlich Gestalt an.

Jetzt könnte sich der Eindruck aufdrängen, "Burn" klänge wie Dead Can Dance mit anderen Begleitmusikern. Und bei beiläufigem Hören stimmt das auch, denn natürlich ist das große Markenzeichen auch dieser Platte Gerrards körperloser, vor orientalischen Einflüssen nur so strotzender Gesang, der üblicherweise ohne Lyrics auskommt, sondern von der Australierin eher lautmalerisch performt wird. Nur dass statt des kreativen Duells mit Brendan Perry Maxwells sanfte, minimalistische elektronische Sounds den Boden bereiten, über den Gerrard mit ihrer Stimme hinwegschweben kann. Der Opener "Heleali (The sun will rise)" wirkt so über weite Strecken wie ein überlanges Intro, indem eine kurze Gesangssequenz immer wieder dezent moduliert, verfremdet wird und dabei auf immer neue instrumentale Stimmungen treffen darf. Wobei der etwas billig wirkende, zum Glück nur dezente Beat gegen Ende am wenigsten inspiriert wirkt.

Ganz anders sieht es bei "Noyalain (Burn)" aus. Mit kräftigem Weltmusik-Touch spielt der Song mit Chant-artigen Gesangssequenzen und verbindet diese schrittweise mit elektronischen Soundscapes. Ein bisschen schleicht sich ein Vergleich zu Vangelis zu der Phase ein, bevor er dem Mainstream zum Opfer fiel. Und diese positive Energie setzt sich fort, bis sie in "Aldavyeem (A time to dance)" ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Leise, vielleicht nur für ein paar Akkorde, drängt sich im Intro gar eine kleine Reminiszenz an den Klassiker "Saltarello" auf – was Lisa Gerrard vermutlich vehement abstreiten dürfte. Dennoch wirkt "Aldayeem (A time to dance)" im Vergleich zu den übrigen Songs der Platte auf geradezu ekstatische Weise tanzbar, während Maxwell zeigt, dass auch aus vermeintlich reduzierten Sounds klangliche Opulenz wachsen kann.

An die verschwenderische Üppigkeit von Alben wie "Within the realms of a dying sun" oder "The serpent's egg" kann "Burn" damit nicht heranreichen, will es auch nicht. Und doch ist die Platte weit davon entfernt, zu einem reinen Soloalbum von Lisa Gerrard mit hoch begabten Begleitmusikern zu werden. Denn auch Maxwell gelingt es, seinen Stempel aufzudrücken, beispielsweise im opernhaften "Orion (The weary huntsman)", das große Gesten auf großer Bühne vermittelt. Und die leichte Erinnerung an Jean-Michel Jarre bei "Keson (Until my strength returns)" ist sicherlich auch nicht vollkommen zufällig. Doch natürlich ist die zurückhaltende Begleitung des Iren das perfekte Vehikel für die Australierin, welches mit "Do so yol (Gather the wind)" noch einmal einen würdigen Abschluss findet. In Summe allerdings ist "Burn" nicht etwa fluffiger Ethno-Pop, sondern auch nach mehreren Durchläufen schwer zugänglich, gerade weil eben dieser Minimalismus entschlüsselt werden will, um nicht im instrumentalen Grundrauschen unterzugehen. Dass einige Melodielinien in Gerrards Gesang etwas arg repetitiv sind und den möglicherweise geplanten Zweck einer verbindenden Klammer knapp verfehlen, macht die Sache nicht einfacher. Manchmal ist weniger nicht unbedingt mehr.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Noyalain (Burn)
  • Aldavyeem (A time to dance)
  • Do so yol (Gather the wind)

Tracklist

  1. Heleali (The sun will rise)
  2. Noyalain (Burn)
  3. Deshta (Forever)
  4. Aldavyeem (A time to dance)
  5. Orion (The weary huntsman)
  6. Keson (Until my strength returns)
  7. Do so yol (Gather the wind)

Gesamtspielzeit: 35:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-05-12 21:57:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Mann 50 Wampe

Postings: 1438

Registriert seit 28.08.2019

2021-01-14 18:49:42 Uhr
Ja, Perrys Album war eine echte Enttäuschung.

Talibunny

Postings: 722

Registriert seit 14.01.2020

2021-01-14 18:47:13 Uhr
Bin gespannt. Hoffentlich interessnter als Brendan Perrys aktuelles Soloalbum.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-01-14 18:45:01 Uhr - Newsbeitrag
+++ LISA GERRARD & JULES MAXWELL – von den legendären Dead Can Dance

+++ Neues Signing beim Atlantic Curve-Label

+++ Neues Album „Burn“ erscheint am 07.05.2021 – produziert von James Chapman (MAPS)



Atlantic Curve, das in London ansässige Alternative-Label, das Teil der Schubert Music Europe-Gruppe ist, gibt bekannt, dass Lisa Gerrard und Jules Maxwell, die vor allem für ihre Arbeit als Mitglieder der legendären Band Dead Can Dance bekannt sind, das gemeinsame Album „Burn“ am 07.05.2021 veröffentlichen werden. „Burn“ wurde von James Chapman (MAPS) produziert.



Gerrard und Maxwell begannen 2015 in Australien mit der Arbeit an dem neuen Longplayer, während sie gemeinsam Songs für The Mystery Of The Bulgarian Voices (Le Mystère des Voix Bulgares) schrieben. Später wurden sie Chapman vorgestellt und baten ihn kurze Zeit später, das Album zu produzieren.



Atlantic Curve wurde wiederum im Rahmen einer neuen internationalen Struktur mit zehn Plattenlabels gegründet, die 2020 von der Schubert Music Europe GmbH gegründet wurden und von The Orchard, dem weltweit größten Independent-Distributor, international vertrieben werden. In einem beachtlichen Start hat das Label anno 2020 bereits das Top 40-UK-Alternative Charts-Album „Kompromat“ von I LIKE TRAINS sowie das von der Kritik gepriesene „Live at Rockpalast“ des deutschen Underground-Darlings Laura Carbone veröffentlicht.

















Lisa Gerrard: „Es ist mir eine große Freude, diese Kollaboration mit Jules Maxwell endlich mit unserer Hörerschaft zu teilen. Jules und ich begannen unsere gemeinsame kreative Reise mit Dead Can Dance. Wir haben schon früh erkannt, dass wir uns durch Improvisation verbunden fühlen und dass sich diese beidseitige musikalische Forschungsreise mit ‚Burn‘ wieder einen großen Schritt weiterentwickelt hat.“



Jules Maxwell: „Ich kann nicht glauben, dass Lisa und ich vor fast sechs Jahren in ihrem Studio in Australien mit der Arbeit an diesem Album begonnen haben. Für mich war es eine inspirierende Reise. Ohne Daryl Bamontes Ermutigung und kreativen Antrieb hätte sich ‚Burn‘ nie so entwickelt, wie es nun klingt, und ich bin begeistert, dass es endlich auf Atlantic Curve veröffentlicht werden wird.“



Daryl Bamonte (Atlantic Curve, Labelchef / Schubert Music Publishing UK, Managing Director): „Lisa und Jules bei Atlantic Curve unter Vertrag nehmen zu können, ist für mich wie ein Traum, und es erfüllt mich mit Freude, dass sie sich für die Zusammenarbeit mit James als Produzenten entschieden haben. Die Kombination all dieser einzigartigen Talente hat zu einem wirklich herausragenden Album geführt.“



Thomas Thyssen (Schubert Music Europe, Managing Director / Head of Recorded Music): „Es ist eine absolute Ehre und ein Privileg, mit Lisa und Jules an ihrem kommenden Album arbeiten zu dürfen, und wir sind mehr als stolz, diese beiden Ausnahmekünstler*innen bei Atlantic Curve sowie als Teil der Schubert Music Europe-Familie willkommen zu heißen.“
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