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The Natvral - Tethers

The Natvral- Tethers

Dirty Bingo
VÖ: 02.04.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Kennen wir vns?

Sommer 2009: Wer erinnert sich? Die Schreiberin dieser Zahlen zumindest nicht so richtig. Man kann sich schließlich nicht alles merken! Von ein paar persönlichen Momenten und Meilensteinen abgesehen, gleicht der nun mehr als ein Jahrzehnt zurückliegende Sommer gedanklich einer vertrockneten Wüste im Nirgendwo. Aber an eines erinnert man sich dann eben doch: an das großartige selbstbetitelte Debütalbum von The Pains Of Being Pure At Heart. Das nämlich war nur ein paar Monate vorher erschienen und entfaltete sich in den Sommermonaten erst so richtig. "Young adult friction" hier, "The tenure itch" da, "Come Saturday" eh immer wieder. This love was fucking right.

So ganz ran an diese Euphorie des Erstlings kamen The Pains Of Being Pure At Heart nie wieder. Es folgten zwar noch drei weitere Alben, allesamt durchaus ausgestattet mit dem einen oder anderen Hit und einer Handvoll toller Perlen. Die Mischung aus verrückter Verliebtheit und hochdramatischer Hoffnungslosigkeit vom Debüt ließ sich jedoch weder steigern noch wiederholen. 2019 löste Mastermind Kip Berman die Formation auf und meldet sich nun mit seinem neuen Projekt The Natvral wieder zurück. "Tethers" klingt null nach The Pains Of Being Pure At Heart – tatsächlich stellte im Plattentests.de-Forum ein User völlig richtig fest, dass Berman hier stellenweise nicht mal wirklich nach sich selbst klingt, sondern vielmehr nach The Walkmens Hamilton Leithauser. Nicht die schlechteste Referenz! Und auch sonst hat die Platte nicht viel von der einstigen Herzensband, fast fühlt man sich gar zu der Behauptung verleitet, dass Berman nun endgültig erwachsen geworden sei. So ganz falsch ist das nicht: "Tethers" ist weniger Sturm, Drang und Drama, dafür nahbarer und im besten Sinne hemdsärmeliger – und hier und da voller Inbrunst.

Die große Geste sucht man auf dem Album vergeblich, große Melodien und Nummern gibt es freilich dennoch und nicht zu knapp. "Stay in the country" etwa fleht und sehnt sich da durch seine viereinhalb Minuten Spielzeit, versucht sein Gegenüber zu überzeugen und zum Bleiben zu überreden, Bermans Intensität steigert sich mehr und mehr – vergebens. Am Ende bleibt er alleine. Derweil leckt sich "Sun blisters" die eigenen Wunden und findet sich in seinem Außenseiter-Dasein zurecht: "In the end maybe I was wrong, laughing where only tears belong / But love to you is just a pretty song / And I'm a sour note." Dabei wirkt das alles so warm und weltoffen und mit sich selbst im Reinen, wie man es dem Erzähler der meisten Songs auf "The Pains Of Being Pure At Heart" nur hätte wünschen können für die Zukunft. Was für ein Glück, dass es ihm offensichtlich gut geht.

"Tethers" ist kein Album voller Überraschungen oder eines, das den Hörer von der ersten bis zur letzten Sekunde mitreißen möchte. Stattdessen ist es wie ein alter Bekannter, der nach einer Weile mal wieder zu Besuch kommt und auf den neuesten Stand der Dinge bringt. Da sind manche Geschichten eben etwas spannender als andere: Das zurückhaltende "New moon" ist für sich genommen eine wunderschöne Lagerfeuer-Ballade, wirkt direkt nach dem ausladenden Opener "Why don't you come out anymore?" aber fehl am Platz und beinahe schon antiklimaktisch. Ganz anders kriegt das der psychedelisch angehauchte Folk von "Tears of gold" hin, der in der Albummitte für genau die richtige Zusammensetzung aus Verschnaufpause und Spannungsbogen sorgt. Mit "Alone in London" gibt es dann den vielleicht nicht gerade besten Song des Albums als Rausschmeißer, aber immerhin einen, der wunderbar geeignet ist für den Final-Job. Der verliert nämlich trotz seiner üppigen Länge von sechseinhalb Minuten nie das Ziel aus den Augen und stachelt den Hörer im besten Fall dazu an, den Geschichten dieses alten Bekannten einfach glatt noch eine Runde zuzuhören. Zum Schluss hat er noch dazu eine gute Nachricht parat: 2009 war sicher ein toller Sommer mit großartiger musikalischer Untermalung – und für genau diese ist auch diesmal gesorgt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Why don't you come out anymore?
  • Tears of gold
  • Stay in the country

Tracklist

  1. Why don't you come out anymore?
  2. New moon
  3. Sun blisters
  4. New Year's night
  5. Tears of gold
  6. Sylvia, the cup of youth
  7. Stay in the country
  8. Runaway Jane
  9. Alone in London

Gesamtspielzeit: 38:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Blanket_Skies

Postings: 110

Registriert seit 21.09.2013

2021-05-24 11:42:34 Uhr
Beim Duett mit Laura Carbone dachte ich schon, Waaas, wie kann der denn auch noch singen? Gefällt mir gut.

Nummer Neun

Postings: 287

Registriert seit 14.06.2013

2021-05-06 13:53:54 Uhr
Gefällt mir beim ersten Anhören bisher ganz gut, die Verbindung zu den Pains wäre mir aber tatsächlich nicht aufgefallen, wenn ich es nicht vorher gelesen hätte.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-05-05 21:12:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Gordon Fraser

Postings: 1991

Registriert seit 14.06.2013

2021-04-19 11:36:10 Uhr
Ich könnte ja teilweise schwören, dass da in Wirklichkeit Hamilton Leithauser singt und nicht Kip Berman, aber ja: ich bin auch ganz angetan, sind ein paar liebenswerte Nummern dabei.

Enrico Palazzo

Postings: 2215

Registriert seit 22.08.2019

2021-04-13 10:23:12 Uhr
Ach, schön! :) Ersteindruck: Sehr gut. Scheint eher klassischer, dylanesker Folk-Rock zu sein. Gefällt mir!
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