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Royal Blood - Typhoons

Royal Blood- Typhoons

Warner
VÖ: 30.04.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die neue Nüchternheit

Ein Drink mit Josh Homme gefällig? Hält einem der Mastermind von Queens Of The Stone Age einen Tequila unter die Nase, dürfte die Menge derer, die nein sagen, die Zahl Null nicht wesentlich überschreiten. Nur Mike Kerr lehnte diese Offerte dankend ab: Der Royal-Blood-Frontmann war nach den jahrelangen, Party-intensiven Ochsentouren des Duos nämlich nicht nur mit sich und der Welt, sondern auch mit Alkohol und Drogen fertig und nahm lediglich Hommes Mischpult-Expertise in Anspruch. Wie nahe die Einschläge schon gekommen waren, verdeutlichte "Trouble's coming" als Vorbote zum dritten Longplayer der Briten: "I let my demons take hold and choke on me / Can't fill these holes that I'm digging / In my reflection I see signs of psychosis." Da hilft nur dieser tödlich kompakte Knallgas-Song, der auch "Typhoons" eröffnet und in dem ein paar wie beiläufig gesetzte Synthie-Spritzer inmitten von mächtig blökendem Bass und discoidem Drum-Pattern für ungeheure Dynamik sorgen. Darauf eine grob verzerrte Orangeade.

"Been there, done that", denkt sich nun der garagige Indie-Punkrock – schließlich stellten etwa The Black Keys schon elektrifizierte Arschwackel-Qualitäten unter Beweis, ehe Kerr und Drummer Ben Thatcher ihre Vorliebe für Daft Punk, Justice und andere Dance-Koryphäen entdeckten. Doch halb so schlimm, denn davon, wie gut an sich genrefremdes Bums-Klatsch mit nach vorne gemischtem Brachial-Riffing und der rauen Herzlichkeit des Blues zusammenkommt, erzählt "Typhoons" praktisch in einer Tour. Selbst Schmitz' Katze sträubt das Fell: So rasant wie weite Teile dieses Albums würde wohl auch sie gerne mal abzischen. Das Titelstück schraubt das Tempo anschließend merklich höher, die Saiten knarzen und schmoren genauso breitbeinig im Stroboskop-Gewitter des nächsten Tanzschuppens wie beim explosiven "Million and one", wo eine spitzfindige Sequenz zusätzlichen Druck aufbaut. Als würden Death From Above 1979 die Finger nicht mehr aus der MSTRKRFT-Steckdose bekommen. Hier geht's Stromschlag auf Stromschlag.

Dass Royal Blood diese dicht gedrängten Songs hauptsächlich in Eigenregie produziert haben, fällt ihnen dabei kaum einmal auf die Füße. Und wenn Kerr und Thatcher nach einem Piano-House-Break mit den letzten eineinhalb Minuten des ansonsten famos um sich tretenden "Limbo" wenig mehr anzufangen wissen, als den Track unnötigerweise in seine Einzelteile zu zerlegen, zahlen sie das mühelos aus der gleichen Portokasse, in der früher die Kohle für Hochprozentiges lagerte. Folgerichtig, dass ausgerechnet Homme sich des Stücks über den Biercocktail "Boilermaker" annimmt – mit ruppigem Charme und einer ratternden Vehemenz, bei der auch "Figure it out" vom Debüt oder "I only lie when I love you" aus "How did we get so dark?" die Rübe einziehen. Erst mit der Piano-Träumerei "All we have is now", einem kleinen "Imagine" für die verhuschten Momente im Leben, kehrt Ruhe ein auf einem vermutlich gut durchkalkulierten Album, das aber auch kantig genug bleibt, um zu begeistern. Man muss ja nicht alles nüchtern betrachten.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Trouble's coming
  • Typhoons
  • Million and one
  • Boilermaker

Tracklist

  1. Trouble's coming
  2. Oblivion
  3. Typhoons
  4. Who needs friends
  5. Million and one
  6. Limbo
  7. Either you got it
  8. Boilermaker
  9. Mad visions
  10. Hold on
  11. All we have is now

Gesamtspielzeit: 38:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

NochEinTobi

Postings: 85

Registriert seit 30.08.2019

2021-05-06 16:18:44 Uhr
"Touch" trifft es. Ich hätte die Soundänderung gar nicht so extrem wahrgenommen wenn nicht alle drüber schreiben würden. Das passt auf jeden Fall zu denen, ich fand die Richtung schon beim Vorgänger überzeugend.

flow79

Postings: 235

Registriert seit 09.09.2020

2021-05-05 07:49:29 Uhr
Starkes Album, besonders der dezente "french touch" gefällt mir ausgesprochen gut.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 25325

Registriert seit 07.06.2013

2021-05-03 12:22:45 Uhr
Hmm, guter Punkt.

edegeiler

Postings: 2289

Registriert seit 02.04.2014

2021-05-03 10:46:18 Uhr
Was wollte "Villains" denn sein? Ein langweiliges Album ohne Pfeffer? :D

Verzahnung von Rockattitüde mit Disco. Hat halt nur absolut nicht geklappt.

8hor0

Postings: 413

Registriert seit 14.06.2013

2021-05-03 09:43:59 Uhr
warum gerade dieses album typhoons heißt? die songs, die einen weggeblasen haben, waren doch eher auf den vorgängern vertreten.
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