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Gojira - Fortitude

Gojira- Fortitude

Roadrunner / Warner
VÖ: 30.04.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gute Reise

Es ist schon ein erstaunlicher Aufstieg. Über vier Alben galten Gojira zwar als technisch hoch begabte Thrash-Band, gingen aber in der Masse vergleichbarer Gruppen der Nullerjahre weitestgehend unter. Dann aber folgten 2012 mit "L'enfant sauvage" und 2016 mit "Magma" zwei Alben, die aufgrund ihrer genialen Mischung aus Emotion und Virtuosität als bahnbrechend für den extremen Progressive Metal einzuordnen sind. Oder wie auch immer man diese Schublade nennen möchte. Eigentlich schien "aufwärts" die einzige Richtung zu sein, die die Franzosen noch kannten, die Aufnahmen für das neue Album "Fortitude" waren im Kasten und warteten in New York auf den Mix von Andy Wallace, der schon Nirvana produziert hatte. Leider war ein gewisses Virus anderer Ansicht und traf die Metropole mit voller Wucht – die erschreckenden Bilder aus dem Jahr 2020 dürfte jeder noch im Gedächtnis haben.

Also also zunächst zurück auf Null, zumal Mario Duplantier, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Joe so etwas wie der Chefdenker bei Gojira, mit seiner Familie vor der Pandemie zurück ins heimische Südfrankreich flüchtete. Doch schon im August 2020 zeigte sich mit der Single "Another world", dass sich Band und Produzent glänzend mit der ungewohnten Arbeitsweise per Videokonferenz und Dateiaustausch arrangiert haben. Dabei fasziniert der Song weniger durch ausgefeilte musikalische Arrangements, sondern eher durch seine Botschaft, die mit Unterstützung durch das zugehörige Video die Dystopie "Planet der Affen" mit der heutigen Zeit verbindet. Überhaupt lebt der erste Teil von "Fortitude" von seiner Kompaktheit. "Born for one thing" macht beispielsweise das, was ein guter Opener machen muss und geht direkt auf die Zwölf, feuert ein verzwicktes Riff nach dem anderen ab, um dann in einen epischen Refrain zu münden.

"Amazonia" zeigt, und das ist zunächst paradox, ein neues Selbstbewusstsein der Franzosen. Paradox deshalb, weil die Band unumwunden zugibt, dass der Song von ihren großen Vorbildern Sepultura beeinflusst ist. Und das ist noch äußerst zurückhaltend formuliert. Aber vor allem selbstbewusst, weil die Duplantier-Brüder nicht nur in ihren Texten soziale und ökologische Verantwortung predigen, sondern die Einnahmen der Single direkt an eine Stiftung zur Unterstützung von indigenen Völkern im Amazonasgebiet spenden. Das alles fordert natürlich das Hirn, jedoch ohne in übermäßige Kopflastigkeit abzudriften. So verbindet "Hold on" mühelos ruppiges Headbanging mit schwelgerischen Instrumentalpassagen, während "New found" geradezu orgiastisch mit Maschinengewehr-Riffs um sich ballert.

Insgesamt jedoch wirken Gojira oftmals kontrollierter, weniger ungestüm. Das geht auf keinen Fall auf Kosten der Spielfreude, sondern ermöglicht erst solche Wechsel wie den zwischen dem elegischen "The chant" und dem brutalen "Sphinx". Jedes Riff, jeder Growl, jeder schwelgerische Klargesangs-Refrain hat exakt seinen Platz, seinen Sinn im Gesamtkunstwerk "Fortitude". Und genau das zeigt, wie sehr die Franzosen musikalisch gereift sind. "The trails" hätte selbst auf "L'enfant sauvage" noch nicht ins Bild gepasst, denn hier findet die Band neue Facetten im eigenen Spiel, beherrscht die Atmosphäre von Tool ähnlich wie am Schlusstrack "Grind" wüstes Gebretter der Marke Fear Factory. Wer den Fehler macht, "Fortitude" nicht die gebotene Aufmerksamkeit zu widmen, wird im Dickicht der Stimmungen untergehen. Die Platte fordert, verlangt einiges ab, strengt an. Doch die Belohnung ist ein Erlebnis, das derzeit nur wenige vergleichbare Bands bieten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Born for one thing
  • Amazonia
  • The chant
  • The trails

Tracklist

  1. Born for one thing
  2. Amazonia
  3. Another world
  4. Hold on
  5. New found
  6. Fortitude
  7. The chant
  8. Sphinx
  9. Into the storm
  10. The trails
  11. Grind

Gesamtspielzeit: 51:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Autotomate

Postings: 3109

Registriert seit 25.10.2014

2021-05-07 18:48:49 Uhr
Einmal gehört, das reicht aber auch. Da ist nichts, was andeutet "hör das ruhig nochmal, es lohnt sich bestimmt", aber vieles, was sagt, hör in der Zeit lieber "The Link"...

NochEinTobi

Postings: 85

Registriert seit 30.08.2019

2021-05-06 16:54:45 Uhr
The Chant funktioniert im Album so ähnlich wie "Steel that sleeps the eye" auf der blauen Baroness, stört mich daher nicht. Es ist halt die Gojiravariante ohne Harmoniewechsel, kann gut verstehen das das für die einen ne Stilsache und für die anderen Unvermögen ist...

NochEinTobi

Postings: 85

Registriert seit 30.08.2019

2021-05-06 16:16:21 Uhr
Könnte für mich sowas wie Ohms für dich werden MACHINA.

NochEinTobi

Postings: 85

Registriert seit 30.08.2019

2021-05-06 16:09:40 Uhr
Hier auch noch Unentschlossenheit. Läuft schön durch, die Highlights harren noch der Entdeckung...geht aber auch noch nicht so schnell ins Regal!

fakeboy

Postings: 967

Registriert seit 21.08.2019

2021-05-06 15:09:03 Uhr
Lauwarm. Da ich einzelne Songs furchtbar finde (das erwähnte The Chant ist einfach schlimm schlimm schlimm) habe ich wenig Lust verspürt, mich vertieft damit auseinanderzusetzen. Immerhin: der Opener ist stark...
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