Tim Burgess - I believe

Tim Burgess- I believe

PIAS / Zomba
VÖ: 15.09.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Keine Charlatanerie

Ein Tambourin beginnt einen flockigen Groove, das einsetzende Schlagzeug und das stark nach Achtzigern klingende Saxophon verraten die amerikanische Produktion auf Anhieb. Ebenso schnell aber gibt der Sänger schon mit der ersten Zeile seine britische Herkunft preis, eine Note, die auf der kompletten Albumdistanz deutlich überwiegt. Ganz klar, Tim Burgess ist ein "Englishman in L.A."

Diejenigen, denen der Name Burgess ein Glöckchen im Kopf läutet, müssen vermutlich tief im Gedächtnis wühlen, um die richtige Verbindung aus längst vergangenen Tagen ans Licht der Erinnerung zurückzubringen: Tim Burgess ist Sänger der dereinst mal ziemlich erfolgsverwöhnten Charlatans und hat dementsprechend die Dreißiger-Altersgrenze schon überschritten. Dementsprechend abgeklärt und entspannt klingen seine Songs. Er muß mit diesem Solo-Debüt nichts beweisen. Und genau deshalb zeigt er so viel Brillanz.

Mit dem treibenden Rave seiner auf ewigem Eis liegenden Band hat "I believe" nur wenig zu tun. Herr Burgess läßt jetzt treiben. Sich nämlich. In einem lässig dahinplätschernden Popflüßchen, daß sich aus recht unterschiedlichen Quellen speist. "Held in straps" klingt ein wenig nach den frühen Cockney Rebel, "Be my baby" versprüht einen Hauch von Crosby, Stills, Nash & Young, und "Say yes" könnte auch auf einem Supergrass-Album glänzen. Zusammengehalten wird dieser bunte Strauß von Burgess' Stimme, die prägnanter und direkter klingt als je zuvor. Liegt vielleicht an der schlanken Home-Produktion. Oder daran, daß LSD keine so große Rolle mehr in Tims Leben spielt.

"I believe" ist die Platte, die perfekt zum ausklingenden Supersommer paßt. Wer gemütlich in die noch wärmende Abendsonne fährt und den Resturlaub spontan verbrät, um den Beginn eines golden Herbstes zu feiern, sollte Tim Burgess als Soundtrack dabei haben. "We all need love" unterstreicht die warme Brise, die bei offenem Fenster das Gesicht streichelt, "Love to spend the night" drückt die milde Melancholie aus, die der verschwindende Sommer hinterläßt. Ohne eine Spur von Traurigkeit. "Danke, daß Du da warst" statt "Dumm, daß Du jetzt gehst".

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Held in straps
  • Oh my corazon
  • Say yes
  • Po\' boy soul

Tracklist

  1. I believe in the spirit
  2. Held in straps
  3. Only a boy
  4. We all need love
  5. Oh my corazon
  6. Be my baby
  7. Years ago
  8. Say yes
  9. Love to spend the night
  10. Po' boy soul
  11. All I ever do

Gesamtspielzeit: 36:37 min.

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