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Unkle - Rōnin I

Unkle- Rōnin I

Spinnup
VÖ: 26.03.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In Samurai und Glied

Aus irgendeinem Grund macht James Lavelle alias Unkle nur noch Musik für einen kleinen Zirkel. Setzt man zumindest die Bewertungs-Community Rate Your Music als Maßstab an, bewegte er sich mit seinem eklektischen und gastreichen Projekt von mehr als 3.000 Votes für das Debüt "Psyence fiction" zu gerade mal knapp 200 Stimmen für das tolle "The road: Part II / Lost highway". Ein kurioser Weg vom Szene-Phänomen zum Geheimtipp. Dementsprechend wenig Staub wirbelt das Mixtape "Rōnin I" auf – was abermals außerordentlich schade ist. Lavelle besinnt sich auf seine Zeit als DJ und formt diese gute Stunde als Trip auf die Tanzfläche. Halb Remix-Album, halb Fortführung, enthält die Tracklist fünf Neufassungen von "The road: Part II / Lost highway", zwei Interludes und vier bisher unveröffentlichte Stücke.

Den thematischen Rahmen stellt die Geschichte der namensgebenden Rōnin, Samurai ohne Lehnsherrn, die sich dem Seppuku als Ehrentod verweigerten. Das ist nicht weiter wichtig für den Genuss des Albums, erklärt aber das Coverartwork und die Titel der Überleitungen, welche sich grob als "erste Eröffnung" und "Zwischenspiel im ersten Akt" übersetzen lassen. "Ar.mour" eröffnet das Werk auf einer dubbigen Note. Das auch im Original schon pathetische "The other side" sorgt mit der Stimme von Tom Smith (Editors) für einen fremdelnden Moment, passt er doch nicht recht in diese clubbige Atmosphäre hinein. Viel erfolgreicher fügen sich in der zweiten Hälfte die rhythmisierten Versionen von "Find an outsider", "Days and nights" und "Feel more / With less" ein. Ersteres klingt beinahe wie eine modernisierte Version von Fatboy Slims "Sunset (Bird of prey)".

Die Remixes stellen den Rahmen für die echten Stars – die neuen Perlen, die Lavelle in die Tracklist gestreut hat. Für den ersten Gänsehaut-Moment sorgt Michael Kiwanukas Auftritt im dramatischen "On my knees", das gleich ein ganzes Orchester ankarrt. "On my knees, I can't breathe", schmettert Kiwanuka, während ihn die Musik emporhebt. In der Folge hört man für Unkle völlig ungewohnte Töne. Denn einen schmissigen Track auf Basis des relativ obskuren Soul-Songs "If we don't make it, nobody can" von Tom Brock aus dem Jahr 1974 zu zaubern, war bisher nichts, wofür Lavelle bekannt war. Dabei bleibt es nicht, denn das ungemein stimmungsvolle "Do yourself some good" setzt in der Folge noch einen drauf. Der Vibe stimmt und erstmalig verspürt man bei Unkle einen durchdringenden Optimismus.

So ist es letztlich nur konsequent, dass "Rōnin I" auf ein großes, offenes Finale zustürmt. Die Beats werden zum Ende hin tanzbarer, bereiten auf die elf Minuten vor, die sich das großartige "Catch me when I fall" nimmt. Die entrückten Vocals von Callum Finn – der bisher nur im Umfeld von Lavelle in Erscheinung getreten ist – treffen auf einen einnehmenden Trancebeat und Synths, die scheinbar den ganzen Raum ausfüllen. Ein fantastischer Schluss für ein interessantes Mixtape, das es eigentlich gar nicht verdient hat, außerhalb der Reihe zu laufen. Denn als geplanter Auftakt zu weiteren Teilen kann es sich definitiv mit den regulären Unkle-Veröffentlichungen messen – und teilt das Schicksal, dass Lavelle wieder mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • On my knees (Rōnin def mix) (feat. Michael Kiwanuka)
  • Do yourself some good (Rōnin throwdown)
  • Catch me when I fall (Rōnin vocal mix) (feat. Callum Finn)

Tracklist

  1. 初登場
  2. Ar.mour (Rōnin dub) (feat. Mïnk)
  3. The other side (Rōnin def mix) (feat. Tom Smith)
  4. On my knees (Rōnin def mix) (feat. Michael Kiwanuka)
  5. If we don't make it (Rōnin throwdown)
  6. Do yourself some good (Rōnin throwdown)
  7. 初幕間
  8. Find an outsider (Rōnin reconstruction) (feat. The Big Pink)
  9. Days and nights / Reprise (Rōnin re-edit) (feat. Dhani Harrison)
  10. Feel more / With less (Rōnin reconstruction) (feat. Liela Moss)
  11. Catch me when I fall (Rōnin vocal mix) (feat. Callum Finn)

Gesamtspielzeit: 65:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

hideout

Postings: 1245

Registriert seit 07.06.2019

2021-04-22 21:38:56 Uhr
Tolles Album, da kommt schon ein wenig Sommerabendfeeling auf. "The other side" war anfangs vom Gesang her ein wenig befremdlich, gefällt aber mittlerweile ganz gut.
Stärkste Phase der Platte sind für mich die beiden letzten Tracks, bei "Catch me when I fall" ist der Name aber mal so richtig Programm, das hypntisierende "Feel more" kann garnicht laut genug gehört werden.
Momentan eine 7,5/10, wächst aber im Dezimalbereich mit jedem Durchlauf.

Thanksalot

Postings: 428

Registriert seit 28.06.2013

2021-04-16 18:05:16 Uhr
Tatsächlich. So nach dem ersten Hören scheint es sich um ein super Ding zu handeln.
Die beiden Teile von The Road fand ich eher durchwachsen, Rōnin I klingt einfach befreiter und macht jetzt schon mehr Laune. Und ja, die letzten beiden Tracks heben das Ganze nochmal deutlich an. Schön, schön.
Kann man angesichts des Titels auch auf ein zweites Mixtape hoffen?

peter73

Postings: 81

Registriert seit 14.09.2020

2021-04-15 12:45:58 Uhr
"Aus irgendeinem Grund macht James Lavelle alias Unkle nur noch Musik für einen kleinen Zirkel."

gut, ich BIN in diesem kreis.
dieses mixtape - mal wieder sehr geil. wie eigentlich alles von unkle. zehn starke stücke, und DANN dieser letzte track. love.

Klaus

Postings: 2956

Registriert seit 22.08.2019

2021-04-14 20:53:57 Uhr
8/10 mittlerweile. So gut!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19895

Registriert seit 08.01.2012

2021-04-14 20:45:31 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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