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Trace Kotik - Everything has been done by now, so now, everything is possible ...

Trace Kotik- Everything has been done by now, so now, everything is possible ...

IMU
VÖ: 23.04.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fortsetzung folgt

Folk. Indie. Pop. Na, hat schon irgendjemand Angst? Ja, das klingt nach den bei der Indie-Schattenmacht längst in Ungnade gefallenen Mumford & Sons. Oder nach Bastille. Oder Schlimmerem. Dabei vergisst man ob derlei assoziativer Schnellschüsse gerne mal, wie viele großartige Bands diese leidlich innovative Stilrichtung doch schon ausgespuckt hat. Dry The River, Bon Iver, Admiral Fallow, Of Monsters And Men, zumindest das Debüt "Sigh no more" von Mumford & Sons – die Liste ist gar nicht mal so kurz. Es lohnt sich also gegebenenfalls, Trace Kotik mal ein Ohr zu leihen. Trace Kotik, das meint im Detail den israelischen Indie-Folk-Songwriter Jonathan Kotik, der schon mal mit der Band Jon aktiv war und nunmehr sein erstes Album unter dem Namen Trace Kotik veröffentlicht. Mit reichlich Verspätung übrigens, schließlich war das extrem kompakt betitelte "Everything has been done by now, so now, everything is possible ..." schon für 2019 geplant. Kam halt was dazwischen, wie wir alle wissen.

Jetzt, da man das fertige Album endlich vorliegen hat, erwischt man sich beim flüchtigen Reinhören in die zehn Songs beim Gedanken, dass die Vorurteile, die die Genre-Mixtur eben so mit sich bringt, alle ganz gut ins Schwarze treffen. Man kennt die doch zum Teil recht ausgetretenen Melodiepfade zu Genüge, auf denen Kotik oftmals vor sich hin wandelt. Man kennt die fluffig produzierte Gesangsarbeit, die die Songs nur zu gerne in Watte packt. Kurz: Man möchte "Everything has been done by now, so now, everything is possible ..." schon zur Seite legen und konstatieren, dass Bon Iver das Ganze vor Jahren schon sehr viel zwingender in seine Songs gegossen hat. Und dann macht "Enough" aus der Not eine Tugend, packt sich sein Klischeebanjo und fragt mitsamt seiner Lust zum Uptempo wundervoll windschief "What do you seeeeüüüee?". Kleines Detail, große Wirkung. Da bekommt man direkt Lust auf mehr. Und Kotik liefert mit Vergnügen. Das kraftvolle "Slip" etwa, das zwar auf einem Fundament aus Folk und Indie fußt, sich aber doch immer wieder nach vorne wagt und beinahe laut werden darf. Da passt das ausladende Finale mit seinen "Oh-oh"-Chören ausnahmsweise mal sehr gut.

Die Melodie auf seiner Seite weiß das vorab veröffentlichte "Chaos", das eindrücklich zeigt, dass sich Kotiks Stücke bisweilen ganz hervorragend auf subtil unter der lieblichen Oberfläche brodelnde Energie verstehen. Energie, die sich durchaus entladen darf, elektronische Spielereien inklusive. Überhaupt kommt "Everything has been done by now, so now, everything is possible ..." am besten, wenn es mal wieder ein bisschen mehr sein darf: mehr Lautstärke, Distortion, Dramatik, Dynamik. Dass das geradezu entfesselte "Until next time" mit seinen drei Minuten voll ruppiger Folk-Kratzbürstigkeit mitsamt Mut zum Hässlichen dann zum Highlight wird, erscheint vor diesem Hintergrund geradezu unausweichlich. Ein Song, der den anfänglichen Verdacht, hier könnte man es mit allzu braven, generischen Songs zu tun haben, Lügen straft. In der B-Note muss sich Trace Kotik trotzdem Abzüge gefallen lassen. Weil nicht alles wirklich zwingend ist, was hier erzählt wird. Weil der Start ein bisschen zaghaft ist. Trotzdem: Wenn der Closer "Sleep" die besten Momente von "Slip" nochmals in akustischer Form aufnimmt, freut man sich auf mehr.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Chaos
  • Slip
  • Until next time

Tracklist

  1. 100
  2. Snips
  3. Enough
  4. Chaos
  5. Hesitant
  6. Slip
  7. Foreign hands
  8. Bright lights
  9. Until next time
  10. Sleep

Gesamtspielzeit: 43:33 min.

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Armin

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2021-04-14 20:44:31 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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