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Mädness - Mäd löve

Mädness- Mäd löve

Mädness / Groove Attack
VÖ: 16.04.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ansichtssachen

"Ich frage mich nicht, warum Du glaubst / Deutscher Rap sei gerad' sowas von runtergekommen / Ich frage mich schlicht, warum Du kein' guten hörst / Es gibt mehr als genug davon." Weise Worte, von deren Gültigkeit sich jede*r geneigte Leser*in unter anderem hier, hier und hier überzeugen kann. Oder, um beim eigentlichen Thema zu bleiben, auf "Mäd löve". Anders als Titel und Artwork vielleicht im ersten Moment denken lassen, ist "Mäd löve" kein Album, das die Welt herzlich umarmt und vorbehaltlos mit Liebe überschüttet. "2 Cent" läutet das fünfte Soloalbum von Mädness mit einer umfangreichen Bestandsaufnahme ein, lässt kurz nochmal das Wichtigste Revue passieren und stellt damit auch den Anschluss zum Vorgänger her. Schon auf "OG" drehte Mädness sich ja vor allem um sich selbst, durchwühlte und reflektierte die eigene Biografie und machte aus den persönlichen Hochs und Tiefs ein auf ganzer Strecke überzeugendes Stück Deutschrap. "Mäd löve" funktioniert im Großen und Ganzen nicht viel anders und dockt trotz all der ernsten und mitunter bedrückenden Themen, die da so verhandelt werden, vor allem auch musikalisch an die positiven, retro-seligen Vibes von "OG" an.

Mit "2 Cent" sind die inhaltlichen Pflöcke eingeschlagen, ist die Agenda gesetzt. Was folgt, ist die Ausführung, die glücklicherweise so gut wie nie völlig frei von Ambivalenzen und Widersprüchen gerät. Die wechselhafte Karriere, das frühere Business, Freunde und Familie, der ganze Beziehungsknatsch – das sind nur einige der Themen, die immer wieder auftauchen, aus unterschiedlichen Perspektiven angegangen und in kleine Geschichten verpackt erzählt werden. In "Endlich" beispielsweise blickt der Nüchterne zurück auf Suff und Sucht, feiert die neu gefundene Klarheit mit souligen Backroundchören, gediegenen Bläsern und einer gehörigen Portion Zuversicht. Wobei auch die nicht ganz ohne Vorbehalt zu haben ist, denn "ich weiß, diese Story bleibt für mich immer ein Thema / Und das Ende schreibt alleine der Erzähler." Die zwangsläufige Katerstimmung verbreitet dann wenig später "Klar", das sich auch musikalisch weniger schwungvoll und warm präsentiert. Im Widerspruch zu "Endlich" fasst die Line "Ich komme nicht klar / Wenn ich klar bin" in wenigen Worten die Ansicht zusammen, dass gewisse Substanzen auch eine Hilfe sein können. Oder zumindest als eine solche empfunden werden.

Tief ins Zwischenmenschliche taucht Mädness erstmals mit dem Track "Was habe ich getan?" ein, der davon erzählt, wie der Fokus auf Karriere das Privatleben in Mitleidenschaft zieht. "Boot" betrachtet dann eine Beziehung nicht nur vom Ende her, sondern dank Sängerin Mine auch aus zwei einander ergänzenden Perspektiven. Die Stimmung ist gedrückt, die Probleme nehmen Überhand, die Zeichen stehen auf Abschied. "Ich mach' Dir Kaffee / Du machst mir Sorgen / Ich seh' wie Nostradamus unseren Weltuntergang kommen." Auch hier folgt mit "Es tut gar nicht weh" aber schon wenig später die Relativierung. Und das hat Methode, ist so gewollt – und steht letztlich im Dienste der Sache. Denn unterm Strich kommt man kaum umhin, "Mäd löve" auch selbsttherapeutische Absichten zu attestieren. "Handbremse" formuliert etwa eine klare Absage ans Schneller, Höher, Weiter und lehnt sich erstmal entspannt zurück. Beinahe schon in Richtung Lifecoaching geht der Track "Mantra", der, nun ja, mantraartig gute Ratschläge aneinander reiht. Obwohl an ein Gegenüber adressiert, stellt sich auch hier bald das Gefühl ein, dass Mädness in Wirklichkeit zu sich selbst spricht.

Die schönsten Pirouetten legt der gebürtige Hesse kurz vor Ende aufs Parkett. "Wir haben recht behalten" – ein Track, der in gewissem Sinne auch wieder eine Antwort darstellt, nämlich auf den Opener "2 Cent" – würde unter anderen Umständen den mustergültigen Abschluss von diesem doch sehr persönlichen, man könnte auch sagen: egozentrischen Album markieren. "Auf die Niederlagen und auf die schlechten Zeiten / Auf das Scheitern, auf das Ständig-auf-die-Fresse-Fallen / Auf die Katastrophen / Doch eins bleibt festzuhalten / Es hat sich alles gelohnt, wir haben recht behalten." Das klingt versöhnlich, ohne zu beschönigen. Zuversichtlich, trotz allem. Dass da aber noch was kommt, hat Gründe. Hat Mädness bis zu dieser Stelle immer wieder Menschenhass in einzelnen Lines eine Absage erteilt, holt er in "Mittelfinger" auf Tracklänge zum Rundumschlag aus. Die Message: Solidarität statt Ausgrenzung. Liebe statt Hass. "An alle Rassisten beide Mittelfinder / An Nationalisten beide Mittelfinger / An alle Sexisten beide Mittelfinger / Für immer, für immer." Und zum ersten und einzigen Mal auf diesem Album folgt – kein "aber".

(Markus Huber)

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Highlights

  • Endlich
  • Boot (feat. Mine)
  • Wir haben recht behalten

Tracklist

  1. 2 Cent
  2. Endlich
  3. Handbremse
  4. Was habe ich getan?
  5. Boot (feat. Mine)
  6. Klar (feat. Knixx)
  7. Mantra
  8. Es tut gar nicht weh
  9. Wir haben recht behalten
  10. Mittelfinger

Gesamtspielzeit: 32:29 min.

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Armin

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2021-04-07 20:19:42 Uhr - Newsbeitrag
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