Banner, 120 x 600, mit Claim

London Grammar - Californian soil

London Grammar- Californian soil

Island / Universal
VÖ: 16.04.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Drei ist ne Party

Konstanz ist eine gute Sache. Also zumindest dort, wo sie dem längst überfälligen Fortschritt nicht im Wege steht und eigentlich nur ein hübscheres Wort für völligen Stillstand oder schlimmstenfalls Rückschritt ist. Und mit Konstanz kennen sich London Grammar ziemlich gut aus. Schließlich braucht es – so viel sei an dieser Stelle gerne verraten – nur eine Handvoll Sekunden, bis man "Californian soil", die dritte Platte der Band um Hannah Reid, zweifelsfrei als London-Grammar-Album identifiziert hat. Wer noch immer nach dem Grund sucht, warum diese Band mit dem Debüt "If you wait" schon auf beängstigend hohem Niveau agierte: Sie hat ihren Stil vom ersten Moment an gefunden. Ein dringendes Bedürfnis, an selbigem großartige Experimente zu vollführen, hat sich in der Zwischenzeit zudem auch nicht ergeben.

Schließlich haben London Grammar die Versprechen des Erstlings mit dem zweiten Album "Truth is a beautiful thing" weitgehend gehalten, wenn auch vielleicht in nicht mehr ganz so euphorisierender Form. Was nicht verwundert, wenn eine Band den Überraschungseffekt nicht mehr auf ihrer Seite hat. Man ist folgerichtig geneigt, nach dem Genuss von "Californian soil" kurzerhand "Alles wie immer" zu fazitieren. Das klitzekleine mediale Blätterrascheln, Reid habe sich gegenüber ihren Bandkollegen per Mail zur Bandleaderin – die sie qua Stimme ohne jeden Zweifel sowieso schon immer war – erklärt, rüttelt daran auch nicht. Weil Reid & Co. einfach da weitermachen, wo sie zuletzt aufgehört haben. Mit beeindruckender Stimme, noch immer reduzierten Strukturen und ziemlich guten Songs. Man kann das ziemlich langweilig finden, man kann der Band das ewige Lamento der mangelnden Weiterentwickling vor die Füße werfen. Man kann dagegen auch den Blick in ganz andere Genres werfen, in denen sich Bands seit Jahrzehnten im Prinzip nicht bewegen. Oder sich einfach freuen, dass London Grammar – ganz im Gegensatz zu manch anderem Act – auch acht Jahre nach ihrem Debüt immer noch die Qualität halten, mit der sie mal angefangen haben.

Und dann "Californian soil" genießen. Konkret etwa "All my love", das in aufreizender Langsamkeit über viereinhalb Minuten im Prinzip nichts passieren lässt und doch mitsamt all seiner subtilen Atmosphäre alles um sich herum in seinen Bann zieht. Oder den vorab veröffentlichten Titeltrack, der so ziemlich alle Zutaten eines guten London-Grammar-Songs aller Erwartbarkeit zum Trotz zu einem überzeugenden Ergebnis vermengt. Oder das im Vergleich geradezu treibende "Lose your head". Oder das elektronischer angestrichene "How does it feel". Oder den schlichtweg brillant-verwischten Closer "America". Man kann auch obendrein einen Blick ins Booklet werfen und feststellen, dass sich Reid reflektiert zu ihrer Rolle als Frau in der Musikindustrie, zu Feminismus und Misogynie äußert. Um es kurz zu machen: Bei London Grammar ist nicht alles, aber doch vieles wie immer. Der Hattrick in Sachen sehr gute Alben ist perfekt. Konstanz in seiner besten Form.

(Martin Smeets)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Californian soil
  • All my love
  • America

Tracklist

  1. Intro
  2. Californian soil
  3. Missing
  4. Lose your head
  5. Lord it's a feeling
  6. How does it feel
  7. Baby it's you
  8. Call your friends
  9. All my love
  10. Talking
  11. I need the night
  12. America

Gesamtspielzeit: 44:17 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Nummer Neun

Postings: 173

Registriert seit 14.06.2013

2021-06-14 11:03:52 Uhr
Ich habe sie vor einigen Jahren auf dem Lollapalooza live gesehen. Ich kannte sie vorher nicht, aber das war das schon sehr eindrucksvoll.

Dan

Postings: 264

Registriert seit 12.09.2013

2021-06-14 10:59:54 Uhr

Ich hab sie erst 1x live gesehen, vor einigen Jahren inzwischen, und da fand ich sie grandios... Gerne wieder.

El arco

Postings: 90

Registriert seit 02.12.2019

2021-06-11 08:01:43 Uhr
Muss sagen, dass es ordentlich wächst. Würde ich wahnsinnig gerne mal live sehen. Im Bekanntenkreis hieß es dass die Konzerte hypnotisierend wären.

Thanksalot

Postings: 444

Registriert seit 28.06.2013

2021-05-14 14:43:20 Uhr
Habe es mit allen drei Alben mehrmals versucht, aber sie sind leider nicht meins. Die Stimme ist toll, keine Frage, finde sie jedoch stets zu sehr in den Vordergrund gemischt. Die ohnehin schon (leider) spärliche Instrumentierung wird dadurch erst recht in den Hintergrund gerückt und generell fehlt mir da etwas der Pepp. Ich glaube, ich habe etwas in die Richtung The xx etc. erwartet.
Aber: Bei "Sights" bekomme ich Gänsehaut, der ist wirklich umwerfend.

Dan

Postings: 264

Registriert seit 12.09.2013

2021-05-07 22:47:36 Uhr
Hannah scheint sich nicht mehr in den Vordergrund singen zu wollen, was ich verstehen kann nach den ersten 2 Platten. Wer das Album komplett an einem Stück hört, der hört doch auch ganz glasklar, dass darauf nichts von der Stange ist. Unverständlich.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify