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Kauan - Ice fleet

Kauan- Ice fleet

Artoffact / Cargo
VÖ: 09.04.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ausflug ins Ungewisse

Ein besonderes Faible für übernatürlich wirkende Ereignisse scheint Anton Belov zu haben, kreativer Kopf hinter Kauan. So befasste er sich 2015 auf "Sorni nai" mit der gruseligen Geschichte rund um das Unglück am Djatlow-Pass, bei dem neun Skiwanderer unter bis heute mysteriösen Umständen ums Leben kamen. Dieses Mal dreht sich das passenderweise "Ice fleet" betitelte Werk um eine Begebenheit aus den 1930er-Jahren, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen kann. Eine Expedition findet mitten im Nirgendwo an der Polarmeerküste eine ganze eingefrorene Flotte, deren Herkunft, Ziel und Schicksal nicht geklärt werden kann – außer dass das Ganze für alle Beteiligten tragisch endete. Neben der musikalischen Verarbeitung dieser Story liegt der physischen Ausgabe auch ein 40-seitiges Rollenspiel-Buch bei, um mit der Geschichte interagieren zu können.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Geschichte von Kauan selbst. Gegründet wurde die Band im russischen Tscheljabinsk, zog dann erst in die Ukraine und schließlich nach Tallinn in Estland. Der Gesang jedoch ist finnisch, was die Entschlüsselung dessen, was Kauan genau beschreiben, zusätzlich erschwert. Musikalisch begann alles vor über 15 Jahren als Doom- und Folk-Projekt, doch auf respektablen acht Longplayern in 10 Jahren änderte sich der Stil im Laufe der Zeit massiv. Die letzten Veröffentlichungen bespielen vor allem den Raum des Ambient-Postrocks mit breiter Klavier- und Streicherunterstützung. Ähnliche Entwicklungen also, wie man sie von Anathema, Alcest oder Ulver kennt.

"Ice fleet" wagt nun musikalisch einen kleinen Schritt zurück. Sphärische Ambient-Passagen mögen hier den Boden bereiten, stellenweise türmt sich der Sound jedoch zu mächtigen Wänden beziehungsweise Eisbergen auf. Das genretypische Laut-leise-Wechselspiel sorgt etwa in "Maanpako" für Anwandlungen in Richtung Blackgaze. Stand auf dem Vorgänger "Kaiho" vor allem der Schönklang im Vordergrund, ist "Ice fleet“ nun streckenweise so angenehm wie das Wissen darum, in arktischer See ohne Aussicht auf Rettung festzustecken. Mit der Hintergrundstory erschließt sich Stück für Stück auch die zweite Ebene dieser Platte. Sei es Signal eines Sonars in "Taistelu" oder das verhängnisolle Ende der Reise in "Hauta". Das übersetzt "Grab" benannte Stück erscheint zunächst denkbar ruhig, bis eine elegisch sirenenhafte weibliche Stimme in Lautsprache vom nahenden Unheil kündet. Jener Gesang schwebt später über den krachend splitternden Tönen, ehe ein letztes hölzernes Knarzen der Schiffe für ewige Ruhe sorgt.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Raivo
  • Hauta

Tracklist

  1. Enne
  2. Taistelu
  3. Maanpako
  4. Kutsu
  5. Raivo
  6. Ote
  7. Hauta

Gesamtspielzeit: 41:30 min.

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User Beitrag

Speedy

Postings: 60

Registriert seit 10.02.2021

2021-04-15 12:13:11 Uhr
Ich habe in drei Songs des Albums schonmal reingehört und es ist schon ein sehr kraftvolles Stück Musik geworden. Die CD hatte ich vorbestellt. Nun kam die Mail, dass sich die Auslieferung verzögert bis Ende April. Streamen werde ich aber nicht, da lasse ich die Vorfreude noch wachsen.
Wenn das Niveau und der Fluss der drei Vorabstücke nicht auf Albumlänge signifikant absacken, ist hier ein echter Geheimtipp für Fans des Genres zu haben.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21187

Registriert seit 08.01.2012

2021-03-31 21:07:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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