Listen


Banner, 120 x 600, mit Claim

First Aid Kit - Who by fire

First Aid Kit- Who by fire

Columbia / Sony
VÖ: 26.03.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Herzensangelegenheit

Wer seine musikalischen Vorbilder im eigenen Schaffen sehr ausführlich zelebriert, bewegt sich oft unbewusst auf einem schmalen Grat – wo wird die eigene Grenze gezogen und wo enden Erwartungen der Fans? Das schwedische Schwesternpaar First Aid Kit schert sich darum nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Im März 2017 konzipierten Klara und Johanna Söderberg im Stockholmer "Dramaten Theater" zwei emotionale Konzertabende, die dem damals kürzlich verstorbenen Leonard Cohen gewidmet waren. Vier Jahre später erblickt nun der offizielle Release des außerhalb der schwedischen Heimat nur spärlich wahrgenommenen "Who by fire"-Tributes das Licht der Welt.

Wer nun einen halbgaren Live-Release zum Hinhalten der eigenen Fans erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Denn "Who by fire" macht in jeder Minute klar, dass First Aid Kit verdammt viel Herzblut an den Tag legen, um ihr musikalisches Idol angemessen zu würdigen. Die Setlist beispielsweise ist nicht nur mit Songs aus sämtlichen Schaffensphasen gespickt, sondern auch immer wieder gezielt durch gesprochene Geschichten und lyrische Werke Cohens erzählerisch äußerst geschickt untermalt – beispielsweise im eindringlichen "Tired", das die Show einleitet: "We're not going to be white and we're not going to be black anymore / We're going to be voices now." Musikalisch steht bereits nach kurzer Zeit fest, dass sich die Cohen-Klassiker hervorragend ins First-Aid-Kit-Soundgewand übersetzen – wenn "Suzanne" als zweiter Song des Abends von Klara Söderbergs heller Stimme und sanftem Gitarrenspiel getragen oder "Sisters of mercy" im weiteren Verlauf die beiden Schwestern im Duett harmonisieren lässt, scheint sich hier ein äußerst hochwertiger Selbstläufer anzudeuten. Ein Selbstläufer, dem sich alle Beteiligten – unter anderem ein zwanzigköpfiger Chor und mehrere Gastsängerinnen und -sänger – aber dankenswerterweise zu keinem Zeitpunkt hingeben, sondern stattdessen mit Mut, Kreativität und Klasse neue Interpretationen wagen.

"You want it darker" vom gleichnamigen 2016er-Album wird um ein intensives Laut-Leise-Spiel, dramatische Einsätze des Chors und gezielt gestreuten Pathos ergänzt – ein Arrangement, das dem Original mit fein nuancierten Ideen begegnet, ohne dabei jedoch die schummrige und düstere Atmosphäre zu ignorieren, die das Spätwerk Leonard Cohens auszeichnet. "So long, Marianne" wird auf epische sieben Minuten ausgedehnt und vereint als vorletzter Song des Konzerts sämtliche Eindrücke und Emotionen aller Beteiligten in einem ausladenden, frenetischen Finale. Ohnehin ziehen sich die Söderberg-Schwestern an einigen Stellen in den Hintergrund zurück und lassen die eingeladenen Gastmusikerinnen und Gastmusiker im Mittelpunkt stehen: "Chelsea Hotel #2" verwandelt sich so in ein ruhiges und dennoch brodelndes Duett mit Jesper Lindell, das Paar aus "Famous blue raincoat". Und "Anthem" wird neben behutsam eingesetzten Synths auch durch die Stimmen von Maja Francis und Nina Zanjani ergänzt.

Im titelgebenden "Who by fire" verlässt man die Kammer-Atmosphäre des Originals und treibt mit Stakkato-Beats eine ungeahnte Dringlichkeit nach vorne – mittendrin wird zudem geschickt die berührende Spoken-Word-Story "As the mist leaves no scar" eingeflochten. Es sind diese Momente, in denen sich der ungeahnte Zauber und die musikalische Klasse dieser beiden beschaulichen Abende im dunklen, winterlichen Stockholm entfaltet. Ein emotionales, wunderschönes Zeitdokument und ein berührendes Beispiel für stilvolle Heldenverehrung. "You'd sing too."

(Hendrik Müller)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Suzanne
  • Who by fire / As the mist leaves no scar
  • You want it darker
  • So long, Marianne

Tracklist

  1. Tired
  2. Suzanne
  3. Sisters of mercy
  4. Who by fire / As the mist leaves no scar
  5. Twelve o'clock chant
  6. Everybody knows
  7. Avalanche
  8. The future
  9. Chelsea Hotel #2
  10. You want it darker
  11. If it be your will
  12. The asthmatic
  13. Famous blue raincoat / Anthem
  14. Show me the place
  15. Hallelujah
  16. Prayer for messiah
  17. Bird on the wire
  18. Who by fire (reprise) / Letter to Marianne
  19. So long, Marianne
  20. You'd sing too

Gesamtspielzeit: 76:41 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 1418

Registriert seit 22.08.2019

2021-04-06 19:53:14 Uhr
Ich denke, enttäuscht wäre LC von diesem Vortrag nicht gewesen. Das ist schon ziemlich gelungen aufs erste Ohr. Die Frage, warum diese „Heldenverehrung“ gerade bei Cohen so häufig gewählt wird, ist für mich nicht zu beantworten. Vielleicht, weil alle Künstler, die ihm zugewandt sind, besser singen können?! Die Aura seiner Performance einzufangen gelingt allerdings den wenigsten. Diese spezielle Atmosphäre, seinem Sprechsingsang atemlos zu lauschen, macht ihn in meinen Ohren besonders. Die beiden First Aid Kits sind bei diesem Tribute-Album klug genug, die Band so einzusetzen und Gastvocalists dabeizuhaben, dass dieser Vergleich nicht zu ihren Ungunsten ausfällt. Und die richtig gut singbaren Songs werden stark interpretiert. Insgesamt ist das eine schöne Hommage. Daumen hoch

Mann 50 Wampe

Postings: 1326

Registriert seit 28.08.2019

2021-04-01 20:19:09 Uhr
Ist ja auch im Orginal einer seiner allerbesten Songs.

Michael

Warer Magot

Postings: 407

Registriert seit 13.06.2013

2021-03-31 22:44:39 Uhr
Ganz, ganz großartiges Album - die ganze Show findet man auf Youtube und ich habe lange gehofft, dass sie diese tolle Show eines Tages mal veröffentlichen. "Halleluja" von Annika Norlin (aka Hello Saferide) kann ich als zusätzliches Highlight auch noch wärmstens empfehlen, ansonsten ist "So Long, Marianne" ganz klar mein Favorit.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21004

Registriert seit 08.01.2012

2021-03-31 21:07:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21004

Registriert seit 08.01.2012

2021-02-26 18:54:58 Uhr - Newsbeitrag
First Aid Kit veröffentlichen ihre Tribute-Show zu Ehren von Leonard Cohen! "Who By Fire" erscheint am 26.03.2021.

Liebe Freund*innen, liebe Medienpartner*innen,

es gibt Neuigkeiten vom schwedischen Schwestern-Duo First Aid Kit: Heute kündigen Johanna und Klara Söderberg die Veröffentlichung von "Who By Fire" an, einem Live-Tribute-Album an Leonard Cohen, das am 26.03.2021 erscheint. Aufgeführt an zwei Abenden im „Dramaten“ Theater in Stockholm im März 2017, ist die 20-Track-Aufnahme eine Bühnen-Inszenierung von Leonard Cohens Songs, Gedichten und Briefen. Das Programm wurde von den beiden Musikerinnen konzipiert und auf der Bühne von einer Reihe von anderen schwedischen Gastkünstlern, einer 8-köpfigen Band und Streichern, zwei Schauspielern sowie bei zwei der Songs von einem über 20-köpfigen Chor unterstützt.

Einen ersten Eindruck von der Aufnahme kann man hier gewinnen.

Klara und Johanna, langjährige Fans und sehr inspiriert von Leonard Cohen, waren von seinem Tod im November 2016 zutiefst erschüttert. Zu dieser Zeit teilten First Aid Kit üner ihre Kanäle mit: "... Wenn man uns jemals eine Gitarre in die Hand gibt und uns bittet zu singen, werden wir immer 'Suzanne' spielen. Als wir es zum ersten Mal hörten, waren wir wie gebannt. 'Wie macht man das?', dachten wir. 'Wie kann man so schreiben?' Man tut es nicht, vermuten wir, nur Leonard Cohen tut es... Inmitten dieser tiefen Traurigkeit sind wir so intensiv dankbar... [Seine Kunst] war für uns in den letzten zehn Jahren, seit wir angefangen haben, Musik zu machen, ein führendes Licht, sowohl ein Trost als auch ein Pfeil, der uns zeigt, wohin wir streben sollen..."

Wenn sie heute über "Who By Fire" sprechen, sagen die Söderberg-Schwestern: "Wir haben uns dieses Konzert kürzlich noch einmal angehört und festgestellt, dass es für uns etwas Ungewöhnliches war. Es war eine Herausforderung, eine Performance zu kreieren, die sich nicht um First Aid Kit-Songs drehte. Es war etwas, das wir noch nie zuvor gemacht hatten, aber alles kam so gut zusammen. Es war ein Vergnügen, tief in Cohens Welt einzutauchen, er war sowohl als Dichter als auch als Songwriter so produktiv, und alles, was er je veröffentlicht hat, hatte einen sehr hohen Standard. Er kümmerte sich immens um seine Arbeit. Die Band, die Gastkünstler, die Atmosphäre auf der Bühne... jeder hatte eine große Leidenschaft und es fühlte sich magisch an. Dies ist definitiv eine Platte, die man am besten hintereinander hört, ohne Unterbrechungen. Erlaubt Euch, einfach für eine Weile in Cohens Welt zu verschwinden. Wir haben uns entschieden, keinen der Auftritte zu bearbeiten. Die Fehler sind Teil des Live-Erlebnisses. In einer Zeit, in der man leider nicht mehr zu einer physischen Live-Show gehen kann, kann man sich dies anhören und sich vorstellen, dass man dort war..."



Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify