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Evanescence - The bitter truth

Evanescence- The bitter truth

Columbia / Sony
VÖ: 26.03.2021

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Comeback oder weg?

Die Pandemie hat in so manchem Ex-Kunstschaffenden wieder die längst verschollen geglaubte Muse aktiviert, und häusliche Isolation sowie viel zu viel Zeit dienten als Anlass, doch einmal wieder die Gitarre in die Hand zu nehmen, zu malen oder andere vergangene Hobbys aufleben zu lassen. Müsste die Comeback-Dichte in die Jahre gekommener Acts nicht eigentlich sogar wesentlich höher ausfallen? Vermisst hat Evanescence außer ihren Die-Hard-Fans niemand so richtig, aber mitten in die gähnende Leere geschlossener Konzerthallen schwebt deren erstes Album mit gänzlich neuem Material seit einer Dekade zur Tür herein. Hatte "Synthesis" großteils alte Songs aufgewärmt und durch Orchester und Beats ergänzt, gibt es mit "The bitter truth" nun originalen Nachschub. Einmal nachgezählt: Die Geschichte der Band ergibt einen Backkatalog von nicht einmal fünfzig Songs aus 20 Jahren. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Aber kann man Galionsfigur Amy Lee Vorwürfe machen? Die Frontrau war schon immer eher interessiert an Walküren wie Björk oder Kate Bush – von ihrer Begeisterung für Klassik und Danny-Elfman-Soundtracks ganz zu schweigen – als an dem Hartwurst-Korsett, in das sie gesteckt wurde. Nu Metal jedoch war damals salonfähig und milde Rockmusik mit haargenau ausgearbeitetem Düster-Image das Ding der Stunde. Dazu eine adrette junge Dame zurechtgemacht als Goth-Britney aus der Walmart-Halloween-Abteilung, und die Dollardruckmaschine lief auf Hochtouren. Auch mit "The open door", dem vollgestopften zweiten Album nach Abgang von Ben Moody, gelang es ihr nicht, sich als anspruchsvolle Songwriterin zu etablieren. Über das herzlose Industrieprodukt "Evanescence" fiel zurecht der Mantel des Schweigens. Dann aber ließ das Fleetwood-Mac-Cover "The chain" immerhin aufhorchen und Musikgeschmack vermuten, und die Single "Wasted on you" brachte beinahe so etwas wie Soul und punktete durch zarte Elektronik statt Reißbrett-Riffs. Die bittere, aber nicht überraschende Wahrheit ist: Natürlich reicht das nicht, um aus Evanescence nun ernstzunehmende Künstler zu machen. Ein viertes "Fallen" haben sie allerdings auch nicht aufgenommen.

Die Band versucht sich zunehmend an strammeren Arrangements, die nicht mehr in meterdicken Streicherteppichen und omnipräsentem Piano-Geklimper ersaufen, dafür aber eine gute Schippe Härte zugelegt haben. Der Ansatz ist löblich, aus dem Pop-Rocker "Yeah right" oder "Better without you" mit seinem kuriosen Spieluhr-Intro werden jedoch nur austauschbare Standardnummern. Zusätzlich zur altbekannten Theatralik gibt es diesmal vermehrt elektronisches Störfeuer zu hören, mit dem Korn schon anno dazumal Kinderspielplätze in Angst und Schrecken versetzt haben. Manches auf "The bitter truth" bekommt dadurch beinahe Industrial- oder Synth-Rock-Charakter, so zum Beispiel "Take cover" oder der als eine Art Prolog fungierende Opener. Für den Chor auf "Use my voice" hat die Band gar einige Prominenz aus der weiblichen Rockszene versammelt, um ihr Bestreben rund um weibliches Aufbegehren voranzutreiben. Lindsey Stirling, Taylor Momsen oder gar Hollands Chefsirene Sharon den Adel hört man dummerweise einzeln kaum raus. Und sowieso: Mit klarer Positionierung zu Feminismus haben Evanescence sich bisher zurückgehalten, das Politische wirkt aufgesetzt und wie eine Fahrt auf dem Trittbrett. Schade, der Song selbst ist nämlich erfrischend geradlinig.

Und sonst so? Lees Sopran geistert feengleich wie eh und je durch den Äther, während die Band darunter pflichtbewusst rumpelt. Überzeugende Melodien sind diesmal leider weitestgehend Mangelware. "Far from heaven" ist die Quotenballade von der "Synthesis"-Resterampe, tatsächlich aber derer einzige, und allein das ist eine kleine Sensation inmitten einer zwar nicht gänzlich misslungenen, aber größtenteils sensationsarmen Platte. Nu Metal bleibt eben die miefige künstlerische Bankrotterklärung, als die es ins Kollektivgedächtnis eingegangen ist, und auch wenn Genre-Überlebende wie Evanescence heutzutage mehr knüppeln als früher, zieht das den Karren nicht aus dem Dreck. Die neuen Impulse aber kann man ihnen durchaus zu Gute halten, und, wer weiß, vielleicht klappt es ja auch bald mit spannendem Songwriting, wenn Lee nur weiter fleißig Stevie Nicks zuhört. Dann sähe das zukünftige Licht am Ende des Tunnels vielleicht nach Coverband aus, vielleicht aber auch nach einem anständigen, immer mit einem Bein in den 2000er-Jahren verwurzelten Rock-Act, dessen Fanschar mitaltert und auch radikalere Änderungen mitgeht. Sofern die Band sich selbige denn traut. Es wäre ja auch verdächtig gewesen, wenn sich in zehn Jahren so gar nichts geändert hätte.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Wasted on you
  • Use my voice

Tracklist

  1. Artifact/The turn
  2. Broken pieces shine
  3. The game is over
  4. Yeah right
  5. Feeding the dark
  6. Wasted on you
  7. Better without you
  8. Use my voice
  9. Take cover
  10. Far from heaven
  11. Part of me
  12. Blind belief

Gesamtspielzeit: 47:19 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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2021-03-24 22:02:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2021-03-05 19:30:25 Uhr - Newsbeitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19691

Registriert seit 08.01.2012

2020-12-04 20:04:41 Uhr - Newsbeitrag
THE BITTER TRUTH ERSCHEINT AM 26. MÄRZ 2021





Die Livestream Performance ‘Evanescence: A Live Session From Rock
Falcon Studio’startet morgen um 22h hier: https://evanescencelive.com/
Das neue Evanescence Album ‘The Bitter Truth’, das die erste neue Musik der Band seit fast einem Jahrzehnt enthält, erscheint am 26. März via Columbia/Sony Music und kann ab sofort HIER vorbestellt werden.

Fans können das Album als digitale Version, CD, Vinyl (2xLP 180g Gatefold) und als Limited Edition Deluxe Fan Box inklusive einer Bonus CD mit der Live Session aus dem Rock Falcon Studio, einem Journal-Buch mit einem Vorwort und exklusivem Material von Amy Lee, einem Kunstdruck und einer Kassette mit einem Making-Of von ‚The Bitter Truth’ bestellen.

Bereits vorab veröffentlicht wurden bisher folgende Songs: 'Wasted On You', 'The Game Is Over', and 'Use My Voice' sowie ‘Yeah Right’, der heute erschienen ist und den man sich HIER anhören kann.

Der harte, aber auch verspielte Song verbindet einen Industrial Groove mit Amys bissigen Lyrics, mit denen sie einen zynischen Blick auf die bisherigen Erfahrungen der Band mit der Musikindustrie wirft.

Morgen um 22h deutscher Zeit startet der Evanescence Livestream ‘Evanescence: A Live Session From Rock Falcon Studio’, in dem die Band die neuen Singles von ‘The Bitter Truth’ zum ersten Mal live spielen wird. Tickets gibt es HIER. Der Stream wird bis zum 9. Dezember um 6h online sein.

‘The Bitter Truth’ ist eine epische, von Gitarren angetriebene Sammlung von Songs, inspiriert von den Realitäten des 21. Jahrhunderts und dem Zustand unserer Welt. Mit ihrer ersten neuen Platte in zehn Jahren, besinnt sich die Band auf alte Stärken und liefert ein kraftvolles Rockalbum ab. Die bereits veröffentlichten Songs haben der Band frühes Lob eingebracht, die New York Times nannte den Sound ‘wild und hymnisch’, der US Rolling Stone bezeichnete Amy Lee als ‘eine der prägnantesten Stimmen im Rock’.

Schwarznick

Postings: 857

Registriert seit 08.07.2016

2020-08-28 23:17:00 Uhr
endlich wieder meddl

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19691

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-28 18:59:51 Uhr - Newsbeitrag
Evanescence veröffentlichen das Video zu ihrer neuen Single "Use My Voice"

Videopremiere heute Abend um 18h HIER





Heute Abend um 18h deutscher Zeit feiert das neue Video der aktuellen Evanescence Single “Use My Voice” Premiere auf Youtube. Das Video folgt Frontfrau Amy Lee, ihren Bandkollegen und einer Gruppe von Bürgern, die sich vereinen im Kampf für Wandel und Gerechtigkeit. Amy Lee wird pünktlich zur Premiere vor ihrem Computer sitzen und die Fragen der Fans beantworten.



Regie des Videos führte der gefeierte Filmemacher Eric Howell, den Lee 2015 kennenlernte, als er sie bat, den Titelsong für seinen Film Voice From The Stone zu schreiben, in dem Emilia Clarke von Game of Thrones die Hauptrolle spielte.



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