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Ian Sweet - Show me how you disappear

Ian Sweet- Show me how you disappear

Polyvinyl / Rough Trade
VÖ: 05.03.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Im Wasser

Jilian Medford kennt das Rauf und Runter. Als sie uns als Ian Sweet das letzte Mal mit dem Album "Crush crusher" beehrte, befreite sie sich gerade von der in ihren Augen toxischen Beziehung zu ihrem ehemaligen Schlagzeuger Tim Cheney. Abgeklärt wirkte sie da schon, strahlte mit ihrer Mischung aus Indie-Pop und Shoegaze eine gewisse Erhabenheit und distanzierte Schläue aus. Doch die Psyche dreht manchmal noch ein paar zerstörerische Extra-Runden. Medford rutschte in eine schwere Depression hinein, Panik-Attacken inklusive. Neben einer intensiven Therapie war da das Musik-Schreiben und -Aufnehmen die Rettung. Ihr neues Album "Show me how you disappear" zeugt davon, wie man lernt, Gedanken, die einen kontrollieren, zu händeln, wie man sich mit ihnen konstruktiv auseinander setzt. Und so kündet diese Platte vom Abstandnehmen, Sichdistanzieren, ohne die zwischenmenschliche Nähe aufzugeben.

Es überrascht nicht, dass Medford das Element Wasser für einige ihrer Betrachtungen verwendet. Die gleichzeitige Aufhebung der Schwere mit der möglichen Bewegung in alle Richtungen trifft auf die klare, repetitive Gleichmäßigkeit des Wellengangs, ein schönes Gleichnis für das Leben. So heißt es in "Drink the lake": "Thought I could swim / But I thought wrong." Und auch die Begegnung mit einem wichtigen Menschen wird eingewässert, so in "Dirt": "I was underwater / I swear that's where I saw you." Die Klänge dazu sind weich und wabernd, wobei der Rhythmus mit relativer Gleichmäßigkeit die Richtung hält. In dieses Wabern kann aber gerne mal ein markantes Gitarren-Solo einbrechen. Auch "Sing till I cry" bedient sich des Saiteninstruments, dessen Melodie gibt sich gleichzeitig rustikal und verletzlich. In die Weicheit der klanglichen Anmutung dringen immer wieder schroffe Elemente ein, die auch wunderbar die Wandelbarkeit zwischen verwaschener Distanz und leidenschaftlicher Dringlichkeit im Gesang untermauern.

Das nicht klar Festzumachende ergänzt sich mit sehr konkreten Momenten, wie ein verschwommenes Bild, das auf einmal für ganz kurz völlig klar wird. So entwächst aus einem stimmlichen Räkeln in "Dumb driver" ein fast schon dem Grunge zuzurechnendes Rock-Stück, welches das knorrig-Analoge mit verträumter Schwebe kombinert. Auch "Get better" gleitet auf crispen Gitarren dahin, und "Power" gefällt bei aller Zartheit ein kräftiger Drum-Beat, der über ein feingliedriges Gitarrenschrubben in einen wuchtigen Refrain überführt. Die Transformation von Konkretem zu Ungefährem und zurück, darin liegt die stlistische Kompetenz dieser Platte. Auch die anfängliche Einsamkeit vom Titelsong wird durch grelle Synthies und eine zeternde Gitarre aufgeschreckt, aber eben auch bereichert. Es entsteht ein komplettes Bild, welches in seiner Ambivalenz eben auch authentisch ist. Ziemlich große Leistung.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Drink the lake
  • Dirt
  • Dumb driver

Tracklist

  1. My favorite cloud
  2. Drink the lake
  3. Sword
  4. Dirt
  5. Sing till I cry
  6. Dumb driver
  7. Get better
  8. Power
  9. Show me how you disappear
  10. I see everything

Gesamtspielzeit: 33:27 min.

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User Beitrag

saihttam

Postings: 1700

Registriert seit 15.06.2013

2021-03-26 13:36:31 Uhr
Ich bin echt positiv überrascht. Hab die Band vor Jahren mal als Opening Act bei einem Konzert gesehen und sie als wenig aussagekräftigen Indie-Rock abgetan, aber das neue Album gefällt mir echt gut. Da stecken sehr viele Emotionen drin. Viel Sehnsucht und Verlangen. Ich mag auch diesen verwaschenen, dronigen Sound, der das perfekt unterstützt.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21187

Registriert seit 08.01.2012

2021-03-24 22:03:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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