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Baest - Necro sapiens

Baest- Necro sapiens

Century Media / Sony
VÖ: 05.03.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ballerstafetten

Nähern wir uns dem Genre Death Metal doch mal auf eine etwas bösartige Weise. Damit soll jetzt nicht das ewige Klischee des Krümelmonsters am Mikrofon strapaziert werden, das überlassen wir doch gerne anderen. Nein, wenn man dem Genre wirklich Böses wollte, könnte man unterstellen, dass jene Spielart schon seit geraumer Zeit auserzählt ist. Denn die Innovationsbereitschaft vieler Bands, aber auch vieler Fans ist gelinde gesagt einigermaßen überschaubar, und etwaige Veränderungsversuche landen allzu oft bei zu Tode produziertem Geballer namens Deathcore oder Technical Death Metal. Ausnahmen bestätigen die Regel, das nur fürs Protokoll. Das Ergebnis: Die alten Haudegen feiern plötzlich fröhliche Urständ und liefern beispielsweise in Gestalt von Asphyx oder Benediction Platten ab, die nicht nur Nostalgikern die Tränen der Rührung in die Augen treiben.

Tja, und dann sind da noch die jungen Wilden, die die Begeisterung der Gründerzeit Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger bestenfalls von in Ehren ergrauten Alt-Moshern kennen dürften. Wie zum Beispiel Baest aus Århus, die nach der ersten EP 2016 zunächst einmal die dänische Schreibweise "Bæst" ganz selbstbewusst dem natürlich da schon unmittelbar bevorstehenden Durchbruch opferten. Doch da dies das einzige Zugeständnis an internationale Gepflogenheiten bleiben sollte, war es die gekonnte Vermengung von skandinavisch und britisch geprägtem traditionellen Death Metal, die den Fünfer mit zwei Alben zu einer der heißesten Newcomer-Bands des Genres werden ließ. Und angesichts von Songtiteln wie "Meathook massacre" oder dem wunderschön das Kopfkino anregenden "Sea of vomit" ist auch klar, wohin die Reise mit dem dritten Album "Necro sapiens" geht.

Nämlich mitten in die Fresse. 35 Sekunden gibt das Intro "The forge" noch Zeit zur Verbereitung, bis der Opener "Genesis" wie eine Dampfwalze hereinbricht. Deftige Grooves zermalmen jeglichen Anflug von Schöngeistigkeit, technische Finessen geben sich mit finsterem Geballer die Klinke in die Hand, und über all dem röhrt Frontmann Simon Olsen, als sei schon die Muttermilch mit Rasierklingen versetzt gewesen. Und weil das noch nicht alles gewesen sein kann, legt der folgende Titeltrack noch eine Schippe drauf und erhöht zu allem Überfluss noch das Tempo in nackenmordende Dimensionen. Klingt ganz schön klischeehaft, oder? Stimmt. Aber genau das macht den Reiz daran aus, eine Hommage darzustellen und keine Karikatur.

Nun ist Eklektizismus nicht unbedingt ein Begriff, den man gemeinhin mit Death Metal assoziiert, aber die Dänen spielen höchst gekonnt mit zahlreichen Referenzen, ohne als Coverband zu enden. Denn natürlich sind diese tonnenschweren Riffs wie im Titeltrack eine Verbeugung vor Bolt Thrower, immer wieder brechen dezente Melodien aus der Phalanx der Gitarrenwände aus wie bei Bloodbath oder ganz frühen Opeth, und dass die Splatterfanatiker von Carcass oder Cannibal Corpse an diversen Stellen Pate standen, erschließt sich schon anhand des hörbaren Augenzwinkerns beim erwähnten "Meathook massacre". Ein Massaker ist auch "Necro sapiens", wobei die Unterschiede zum Vorgänger "Venenum" gar nicht so fürchterlich groß ausfallen – nur dass vor allem im Zusammenspiel untereinander noch mehr Routine eingekehrt ist. So ist die Platte zwar eine Spur weniger ungestüm, überzeugt aber durch ihre Detailarbeit. Noch einmal: Das ist in keiner Weise innovativ und erst recht nicht revolutionär. Aber die Dänen verbinden einfach höchst gekonnt die Eigenschaften, die im Death Metal so richtig Spaß machen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Necro sapiens
  • Meathook massacre

Tracklist

  1. The forge
  2. Genesis
  3. Necro sapiens
  4. Czar
  5. Abattoir
  6. Goregasm
  7. Towers of suffocation
  8. Purification through mutilation
  9. Meathook massacre
  10. Sea of vomit

Gesamtspielzeit: 44:46 min.

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User Beitrag

kiste

Postings: 123

Registriert seit 26.08.2019

2021-03-13 18:28:36 Uhr
Scheinen ja richtige Partymäuse zu sein. Die Musik transportiert deren Enthusiasmus sehr gut, handwerklich ist die Platte auch tadellos. Mir ist das aber alles zu glatt, da höre ich lieber noch eine Runde Blood Incantation.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21187

Registriert seit 08.01.2012

2021-03-10 20:39:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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