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King Gizzard & The Lizard Wizard - L.W.

King Gizzard & The Lizard Wizard- L.W.

Caroline / Universal
VÖ: 26.02.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Immer wieder jetzt

Wenn es die Künstler selbst am Besten ausdrücken: Auf dem neuesten Album der notorischen Vielveröffentlicher King Gizzard & The Lizard Wizard mit dem Namen "L.W" heißt der erste Song "If not now, then when?". Das hat jetzt nichts mit den Höhnern und Handball zu tun, zeigt aber, was das Credo der Kombo um Stu Mackenzie ist. Immer gerade das raushauen, was ganz aktuell die musikalischen Vorlieben der Musiker abbildet, nicht lange warten, sondern ganz nah am Jetzt unterwegs sein. Da wundert es auch nicht, dass nur einige Monate nach dem maximal inspirierten "K.G." eben nun das Gegenstück folgt. Das Mikrotonale spielt auch hier eine gehobene Rolle, sorgt für lässige Beweglichkeit und jede Menge Schwung. Und wieder hat man das Gefühl, Mackenzie habe der ganzen Welt ihre musikalischen Eigenheiten abgehört und diese zu einem aberwitzigen Energie-Schaustück zusammengestellt.

Dass The Gizz absolut keine Genre-Grenzen akzeptieren, ist nicht neu. Doch schaffen sie es immer wieder, den Eindruck zu erwecken, hinter jedem Song stehe ein ganzer Back-Katalog aus genau dieser Stilrichtung, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Und so wendet sich "If not now, then when?" zwar dem Funk zu, aber nicht als Hochglanz-Abklatsch des Genres, sondern mit vielen Abstufungen und ganz speziellen Zwischentönen. Da orientiert sich der Gesang an einer sympathischen Verletzlichkeit und die Instrumentierung ist weich und differenziert, eben kein marktschreierisches "Voll auf die Zwölf". Auch "O.N.E." besitzt genügend Eigenständigkeit. Klar, die im orientalischen Stil aufgebauten Gitarrenriffs sind sehr typisch für die Band, aber über die Rhythmik schleicht sich eben auch ein Hauch karibischer Lockerheit ein.

"Pleura" kommt ebenfalls in arabischem Klanggewand daher, zapft jedoch sehr viel Energie aus den Bereichen Noise und Punk ab. Dazu kommt ein Wechsel aus martialischem und sanftem Gesang. Dies alles wirkt geschlossen und durchdacht, verblüfft aber durch die schiere Vielfalt der Stimmungen und Stile. Es sind Kunststücke wie in "Supreme ascendancy", die zum Staunen bringen. Da werden meditative, ins Fernöstliche spielende Klangfolgen, die in anderem Kontext als Ambient durchgehen könnten, an einen treibenden Rhythmus angeheftet, eine Mischung aus körniger Rockhaftigkeit und Wellness-Entspannung entsteht, ganz natürlich, völlig unverkrampft.

King Gizzard & The Lizard Wizard lassen ganz spektakuläre Verknüpfungen leicht erscheinen, alles eingebaut in einen intuitiven Fluss. "Static electricity" platziert sich dabei zwischen schwerelosem Schweben und klar gerichtetem Vorwärtsdrang, und "East west link" fängt das Gefühl einer konzentrierten Tanzaufführung in einem arabischen Innenhof ein. Nie entsteht dabei der Eindruck des Konstruierten, der Künstlichkeit. Und so findet auch das mächtig walzende "Ataraxia" viele Möglichkeiten, lockere Zwischentöne einzuflechten. Zum Abschluss findet man mit dem Stück "K.G.L.W." einen alten Bekannten. Auf dem Vorgänger noch als knappes Intro verwendet, entfaltet der Song sich hier zu einem Monster-Epilog, der Doom, Prog und Metal durch glühende Wüsten-Landschaften führt. Dies ist dann erneut so eine spannende Verbindung, Black Sabbath trifft auf den Orient, ein ungezwungener Plausch unter Freunden.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • If not now, then when?
  • Pleura
  • K.G.L.W.

Tracklist

  1. If not now, then when?
  2. O.N.E.
  3. Pleura
  4. Supreme ascendancy
  5. Static electricity
  6. East west link
  7. Ataraxia
  8. See me
  9. K.G.L.W.

Gesamtspielzeit: 42:10 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

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Registriert seit 07.06.2013

2021-03-26 21:45:57 Uhr


Gugg ich grad mit Freunden auf Lautstärke 11. Geile Band.

u.x.o.

Postings: 248

Registriert seit 29.08.2019

2021-03-04 21:21:02 Uhr
@testplatte Yeah, da werde ich am Wochenende mal stöbern. Danke für den Hinweis!

Nonagon Infinity ist wahrscheinlich die "wichtigste" Platte der Band. Viele Songs der LP sind zu Recht Live-Klassiker, die Grundfeiler des abstrusen "Gizzverse" stützen sich auf diesen neun Songs. Ich mag die Platte auch sehr gerne, allerdings finde ich "Mr. Beat" immer wieder (extrem) störend. Murder und Banana finde ich hingegen durchgängig großartig, daher sind dies meine Lieblings-Gizz-Platten.

L.W. hat mir in der ersten Woche nach Release schon viel Spaß gemacht, allerdings finde ich das Album insgesamt nicht ganz so überzeugend wie K.G. Liegt wahrscheinlich fast ausschließlich an "Ataraxia", das ich für mich irgendwie ein Totalausfall. Selten habe ich einen King Gizzard Song gehört, der (auf mich) so uninspiriert wirkt.

Auch "Surpreme Ascendancy" will mir nicht so ganz gefallen, obwohl ich Ambrose's Songs meistens gerne mag. Bei Surpreme Ascendancy finde ich allerdings, dass der Textfluss nicht hundertprozentig zur Musik passt. Irgendwie sind, v.a. in der ersten Strophe, gefühlt 1-2 Silben zu viel pro Zeile. Sehe nur ich das so? Den Rest vom Album mag ich aber wieder sehr gerne. O.N.E., East West Link und See Me sind meine Favoriten. Das hier schon beschriebene Auswalzen der KGLW-Intro-Idee ist natürlich auch total gut.

Bei mir liegt L.W. dank Fanbonus aktuell bei einer soliden 7.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26090

Registriert seit 07.06.2013

2021-03-04 14:43:33 Uhr
Nonagon Infinity (für mich die beste der "alten" Platten) hat hier weder eine Rezension noch einen Thread...

Ist wohl mein Liebling der Band.

fakeboy

Postings: 1249

Registriert seit 21.08.2019

2021-03-04 14:27:42 Uhr
Nonagon Infinity (für mich die beste der "alten" Platten) hat hier weder eine Rezension noch einen Thread...

fakeboy

Postings: 1249

Registriert seit 21.08.2019

2021-03-04 14:25:07 Uhr
KG&TLW waren bei Plattentests viel zu lange nicht auf dem Radar, deshalb erst jetzt Album der Woche... Ihr bestes der letzten Jahre ist für mich übrigens Infest the Rats' Nest, auch wenn das eher untypisch für die Band ist.
Zum kompletten Thread

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