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To Kill Achilles - Something to remember me by

To Kill Achilles- Something to remember me by

Arising Empire / Edel
VÖ: 05.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sprecht miteinander

Verfolgt man in diesen Tagen für die Zukunft unserer Gesellschaft essenzielle Themen wie Digitalisierung oder Sozial- und Rentenpolitik, dann drängt sich folgende rhetorische Frage auf: Darf's ein bisschen mehr Konzept sein? Die jungen Schotten von To Kill Achilles setzen zwar nicht unbedingt auf jene Themen – vielmehr kümmern sie sich um das Problem psychisch Leidender und von der Gesellschaft übersehener Menschen. Dennoch bringt der Fünfer jene Tugenden mit, die der deutschen Politik irgendwie abhanden gekommen sind: Mut und Konsequenz. Ihr Album "Something to remember me by" indes könnte mehr Konzept kaum bieten. In 14 Episoden erzählt es die Geschichte eines Mannes, der an seinem 25. Geburtstag aufwacht und von jenem Tag an in einen über zwölf Monate sich zuspitzenden, negativen Sog gerät. Dessen Ereignisse führen schlussendlich dazu, dass er sich das Leben nimmt.

Jedes Stück auf der Platte repräsentiert dabei einen Monat in diesem natürlich tragischen Lebensjahr. Das darf man als too much bezeichnen, und es wäre nicht das erste Mal, dass ein Mammut-Projekt weniger glückt, oder zumindest aus den Fugen gerät. To Kill Achilles aber agieren über die volle Spielzeit geerdet und schaffen eine zu bewegende Atmosphäre, als dass man ihnen ein Ausreiten auf alten Emo-Klischee-Pferden als vorschnelle Kritik überstülpen dürfte. Zumal die Schotten sich musikalisch über Genre-Grenzen stilsicher zu bewegen wissen. Sie pendeln zwischen hymnisch-intensivem Post-Hardcore wie "In vain", Hardcore-Brechern wie "Luna et altum", das seine Twists und Turns so passgenau positioniert, dass es eine wahre Freude über 4:44 Minuten ist. Sie schreiben wutschnaubende Songs wie "Venom", das mit Modern Life Is War in den Nahkampf muss und dabei auch Gallows-Staub in die Lunge zieht, oder sind dem Metalcore nah wie beim tobenden Opener. Zwischendrin jedoch atmen To Kill Achilles auch immer wieder sphärischere Post-Punk-, Emo- und Alterna-Momente. Oder bewegen sich, die Handlung immer im Zentrum, in "Black marble" sprechsingend nach dem Vorbild von La Dispute. Neu tönt das auch in der Kombination gewiss nicht, zumal die Schotten in "Oh God, I never felt this low" der Gitarrenarbeit von Funeral For A Friend huldigen – aber es ist in Kombination mit der kraftvollen Produktion wirklich fein umgesetzt.

Im auf Hall und der Akustischen dahin darbenden Titelstück, zugleich Abschiedsbrief des Protagonisten und im zynisch betitelten "Beautiful morning" endet die Geschichte furchtbar. Vor allem aber mit dem letzten Wunsch, gehört zu werden, und möglichst andere vor dem Schicksal zu bewahren. Es geht darum, Aufmerksamkeit zu schaffen für die Krankheit und zugleich etwas zu hinterlassen, das Gutes bewirken kann. Alkoholismus, mangelnde Orientierung im Leben, die Angst, sich selbst zu verlieren sind weitverbreitete Probleme in unserer Gesellschaft. Die immer weiter zupackende Schlinge der Isolation, befeuert von der blanken Angst und der Scham bei der bloßen Vorstellung, sich zu öffnen – den Leuten zu sagen, dass man nicht okay ist. Und so geben uns To Kill Achilles vor allem einen Anstoß mit, wenn diese intensiven 48 Minuten vorbei sind: Achtet aufeinander, bemerkt die Signale, sprecht miteinander. Ein Gespräch kann ein Leben retten.

Du bist traurig? Du bist nicht allein! Bitte such Dir Hilfe. Die Telefonseelsorge ist 24 Stunden am Tag für Dich da unter den Telefonnummern 0800 / 111 0 111, 0800 / 111 0 222 oder 116 123. Mehr Infos findest Du auch auf der Homepage: https://www.telefonseelsorge.de

(Eric Meyer)

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Highlights

  • In vain
  • Luna et altum
  • On my mind
  • Venom

Tracklist

  1. Fourpercent
  2. In vain
  3. Luna et altum
  4. Oh God, I've never felt this low
  5. Black marble
  6. When you live with ghosts, you don't see the dead
  7. Agnostic
  8. On my mind
  9. There's no right way to say this
  10. Venom
  11. We only exist when we exist togehter
  12. 21:36
  13. Beautiful morning
  14. Something to remember me by

Gesamtspielzeit: 47:22 min.

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User Beitrag

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1055

Registriert seit 31.10.2013

2021-03-09 18:19:41 Uhr
Könnte gut sein, wäre da nicht diese schreckliche Produktion die den Songs wirklich alles an Leben und Dynamik nimmt. Was für eine Soundpampe.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 20969

Registriert seit 08.01.2012

2021-03-03 23:04:20 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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