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Altin Gün - Yol

Altin Gün- Yol

Glitterbeat / Indigo
VÖ: 26.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Durch Zeit und Raum

Der Mensch strebt bekanntermaßen gerne nach Abwechslung und Flucht aus dem Alltag. Nicht ohne Grund werden Bands immer populärer, die den alltäglichen Kosmos mal eben auf den Kopf stellen und sich kreuz und quer durch die Musikgeschichte inspirieren lassen – ganz vorne mit dabei: Altin Gün. Als der niederländische Sechser anno 2018 mit seinem Debütalbum "On" auf die Weltbühne trat, waren Fans und Kritiker gleichermaßen entzückt, was in einer Nominierung bei den Grammys mündete. Den Begriff "Weltbühne" nehmen Altin Gün seit jeher wörtlich: Die türkischen Wurzeln der Mitglieder stehen im Vordergrund, oftmals sind traditionelle Kompositionen die historische Basis der Songs. Darüber hinaus bedient sich die Band aber ohne mit der Wimper zu zucken am musikalischen Zauberschrank. Auf "Yol", der mittlerweile dritten LP von Altin Gün, gesellen sich zum Klangmix nun auch noch tropische 80er-Grooves und Synthpop-Anleihen. Zeit also, in diesen Mikrokosmos einzutauchen.

Schnell wird klar, dass die Synthie-Flächen oder die ganz und gar ironiefrei eingesetzten Bongo-Trommeln dem Bandsound hervorragend stehen und Altin Gün auf "Yol" vor allem eins machen: Spaß. Besonders trifft das auf die von Merve Daşdemir gesungenen Uptempo-Nummern zu. Zum Beispiel "Yüce dağ başinda" – treibende Grooves, eine unwiderstehliche Gesangsmelodie und die galoppierende Rhythmusfraktion schaffen in Kombination mit ein paar gezielt eingestreuten, bizarren Elektrospielereien ein wunderbar erfrischendes Stück Musik. "Bulunur mu" wird ebenfalls von der hellen Stimme Daşdemirs getragen, die auf "Yol" für die eindringlichsten Momente verantwortlich ist – das Intro zitiert sich durch "Sweet child o’ mine", mittendrin streut Gitarrist Ben Rider ein paar James-Bond-Licks ein. Das auf die Virtuosität von Gesangspartner Erdinç Ecevit Yıldız fokussierte "Hey nari" bildet einen Übergang zu früheren, von anatolischem Rock beeinflussten Songs der Gruppe aus Amsterdam und schickt funkig angehauchte Gitarren ins Duell mit dem türkischen Traditionsinstrument Bağlama, während die immer passende, punktgenaue Produktion dem Song einen luftigen, sommerlichen Vibe verpasst – schwer, da nicht zumindest ein kleines Lächeln auf dem Gesicht zu haben.

Dass hinter den flotten Stücken aber noch deutlich mehr musikalische Substanz steckt, zeigen Altin Gün vor allem dann, wenn an einigen Momenten die Geschwindigkeit zurückgefahren wird. Dann nämlich weiß ein Song wie "Kesik çayir" auch durch eine äußerst stimmige Atmosphäre zu begeistern, die sich aus einer subtil agierenden Rhythmusfraktion, Vogelgezwitscher und düsteren Synthies zusammensetzt. Das kurze Aufbäumen zur Songmitte führt hier mit Erfolg auf die falsche Fährte, wenn im ausladenden, detailverliebten Outro wieder Ruhe einkehrt. Auch "Kara toprak" und "Ordunun dereleri" schielen ein wenig stärker auf die Introspektion als die großen Beat-Kracher auf "Yol" und sorgen dabei für die – besonders im letzten Albumdrittel – nötige Abwechslung in der Welt von Altin Gün. Ein Mikrokosmos, dessen Entdeckung zu einem der interessantesten und unterhaltsamsten Hörerlebnisse des Jahres beiträgt.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Hey nari
  • Yüce dağ başinda
  • Kesik çayir

Tracklist

  1. Bahçada yeşil çinar
  2. Ordundun dereleri
  3. Bulunur mu
  4. Hey nari
  5. Yüce dağ başinda
  6. Kesik çayir
  7. Arda boylari
  8. Kara toprak
  9. Sevda olmasaydi
  10. Maçka yollari
  11. Yekte
  12. Esmerim güzelim

Gesamtspielzeit: 40:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fakeboy

Postings: 815

Registriert seit 21.08.2019

2021-03-04 15:11:53 Uhr
Leider nicht mehr so frisch wie auf dem Erstling, ihrer stärksten Platte. Ich mag zwar die Synthie-Sounds - aber die Songs zünden nicht mehr ganz so wie auf "On".

Telecaster

Postings: 1058

Registriert seit 14.06.2013

2021-03-04 09:38:58 Uhr
Großartige Liveband. Die neue hab ich mir bestellt, scheint aber grad nen Lieferengpass zu geben. Hab sie mir einmal durchgehört, ist schon arg disco-mäßig inzwischen...
Auf Arte gibt es ein schönes Konzert ohne Publikum zu sehen.

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 2643

Registriert seit 15.06.2013

2021-03-03 23:10:38 Uhr
Ja, endlich! Großartige Band :)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19691

Registriert seit 08.01.2012

2021-03-03 23:02:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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