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Moonspell - Hermitage

Moonspell- Hermitage

Napalm / Universal
VÖ: 26.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Rausch im Hintergrund

Ein überragender Song oder ein herausragendes Album wird irgendwann zum Klotz am Bein. Dann nämlich, wenn Musiker immer und immer wieder daran gemessen werden. Kaum hört man den Namen der Band, summt der kleine Mann im Ohr das Altbewährte. In diesem Fall: Kaum stößt man auf den Namen Moonspell, legt die innere Melodie los und man ist wieder im Jahr 1996: "Opium" schallt es da durch die Gehörgänge und man geht mit den Portugiesen auf Zeitreise. Dass auf den dazugehörigen Longplayer "Irreligious" Album um Album folgte und heuer mit "Hermitage" das bereits 13. Studiowerk vorliegt: geschenkt. Im Hintergrund läuft noch immer der "Opium"-Rausch.

Sänger und Gründungsmitglied Fernando Ribeiro hat über all die Jahre wenig unversucht gelassen, um weitere Geniestreiche zu komponieren. Das gelang mal ordentlich, mal überdurchschnittlich gut und manchmal auch gar nicht. Im Grunde eine gewöhnliche Entwicklung einer Band, die nie ganz von der Bildfläche verschwunden ist, bei der sich aber doch zwischendurch immer auch viele fragten, ob es sie eigentlich noch gibt. Und dann kam doch in feiner Regelmäßigkeit die nächste Scheibe auf den Markt, stets garniert mit dem einen oder anderen Experiment. Im Jahr 2021 erweist sich das Quintett, dessen letzte reguläre Veröffentlichung "1755"immerhin schon vier Jahre zurückliegt, nun als höchst lebendig – Moonspell liefern gleichzeitig aber durchaus Hinweise, dass der Rubikon überschritten ist und dachten unlängst selbst laut über das Ende ihrer Laufbahn nach. Sprich: Der Karriere-Sanduhr droht das Versiegen.

Musikalisch ist davon erfreulicherweise nichts zu hören, denn "Hermitage" zeigt Ribeiro und seine Mitstreiter in sehr guter Verfassung. Zum Auftakt gar in hervorragender: "The greater good" ist ein fulminanter Einstieg in dieses Album. Mit hörbarer Freude bedient sich der Fünfer aus seinem reichhaltigen Repertoire der Spielkunst und legt einen der besseren Songs der langen Karriere hin. Auch das Wechselspiel beim Gesang, zweifelsohne ein Markenkern der Bandhistorie, überzeugt hier voll und ganz. Moonspell servieren im Anschluss einen stimmigen Mix aus temporeichen Songs wie dem Titelstück oder "Apophthegmata" und ruhigeren Momenten wie in "All or nothing" oder "Entitlement". Bei "The hermit saints" wird es dann gar hymnisch – neben "The greater good" einer der Höhepunkte auf "Hermitage". Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte zelebrieren die Musiker schlicht das, was ihnen Spaß macht. Opulenz und Wahnsinn? Feiner Gesang und kehliger Furor? Reduzierte Passagen und exzessive Zwischentöne? Gibt es alles und ergibt zusammen im Paket Sinn.

"The signs are here, the end is near" heißt es unterdessen in "All or nothing", was man wohl auch im Verbund mit dem Hinweis auf die zur Neige gehende eigene musikalische Lebenszeit als klare Ansage verstehen kann. "Our job is done, we brought you joy" – und eben das erledigen Moonspell auf ihrem 13. Studioalbum in durchaus überzeugender Weise. Auch, wenn der "Opium"-Rausch als ewiger Klotz am Bein der Portugiesen fortwährend im Hintergrund lauert. "It burns in me and you" heißt es da – und dieses Feuer brennt beim Gedanken an Moonspell wohl für alle Zeiten.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • The greater good
  • The hermit saints

Tracklist

  1. The greater good
  2. Common prayers
  3. All or nothing
  4. Hermitage
  5. Entitlement
  6. Solitarian
  7. The hermit saints
  8. Apophthegmata
  9. Without rule
  10. City quitter (outro)

Gesamtspielzeit: 52:24 min.

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User Beitrag

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 16763

Registriert seit 10.09.2013

2021-03-31 21:34:01 Uhr
Sehr gutes Album. Meddl.

Marküs

Postings: 809

Registriert seit 08.02.2018

2021-02-26 17:53:26 Uhr
Am wenigsten kann ich tatsächlich mit dem Butterfly effect anfangen. Fand ich damals eine herbe Enttäuschung, die aber mit Darkness and hope wieder mehr als gut gemacht wurde. Tasächlich fand ich auch 1755 leider sehr eindimensional. Wohl ihre zweitschlechteste. Die neuen Songs klingen vielversprechend.

Diskographie:

1. Darkness and hope
2. Sin/Pecado
3. Extinct
4. Irreligous
5. Wolfheart
6. Night eternal
7. Memorial
8. Antidote
9. Alpha Noir/Omega White
10. 1755
11. Butterfly effect

Schwarznick

Postings: 857

Registriert seit 08.07.2016

2021-02-26 14:44:50 Uhr
oooooooopiiiiiiiuuuuuuuuumm

Martin T.

Postings: 2

Registriert seit 04.02.2015

2021-02-26 14:30:00 Uhr
Zur Sin/Pecado Zeit gab es auch die 2cond Skin EP mit einer Coverversion von Depeche Modes Sacred.

Ich finde es beeindruckend wie sehr sich Moonspell über die Jahre gewandelt haben, mit Memorial und Alpha Noir/Omega White gibt es eigentlich nur 2 Alben in ihrer Diskographie mit denen ich nicht so viel anfangen kann. Auch Hermitage finde ich sehr stark, das Album braucht zwar Zeit, wächst aber mit jedem Hören!

Marküs

Postings: 809

Registriert seit 08.02.2018

2021-02-26 11:29:51 Uhr
Sin/Pecado ist am nächsten an Depeche Mode, aber schon sehr eigenständig, innerhalb der Diskographie lohnt sich eigentlich jedes Album, allerdings ist da mit zwei dreimal Reinhören nicht viel gewonnen, da muss man sich schon intensiver mit auseinander setzen
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