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Claud - Super monster

Claud- Super monster

Saddest Factory / Cargo
VÖ: 12.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wer Liebe lebt

Claud Mintz sieht sich nicht in Gender-Stereotypen. Statt er oder sie heißt es dritte Person Plural, alle Möglichkeiten vereint in einer Person. Und wenn Claud ein Debütalbum über die Liebe aufnimmt, geht es nicht um Geschlechtsspezifisches, sondern um die universellen Gefühle. Die ersten Schmetterlinge im Bauch, die Angst vor und der Umgang mit Zurückweisung, das Gefühl von Seelenverwandtschaft, aber auch die Einsicht, dass man getrennte Wege gehen muss. Dargeboten wird all dies mit unheimlich lockerer, gutmütiger Pop-Musik, deren Melodien sich wunderbar flüssig durch die Songs bewegen.

Freund*innen standen viele parat zur Mitarbeit an diesem Album. Das mit wunderbar reichhaltiger Gitarre versehene "Ana" bekommt Unterstützung durch Nick Hakim, der in einem ungewohnt leidenschaftlich-positiven Kontext eine gute Figur abgibt. Clauds Stimme ist mit ihrer zärtelnden Lebendigkeit genau das Richtige für diese Umarmung von einem Refrain. Auch "That's Mr. Bitch to you", immer kurz davor, so richtig loszubrechen, aber elegant in geschmackvollen Bahnen gehalten, erhält durch den Beitrag von Melanie Faye seinen Mehrwert. Die Sonne scheint hell und reichlich auf diesem Album, das sehr gekonnt zwischen digital und analog vermittelt. Oft begegnet einem eine fetzige E-Gitarre, Drums aus dem Computer gehören aber genauso dazu.

Diese rollen manchmal so entspannt dahin wie in der Bedroom-Pop-Nummer "Pepsi", die dennoch eine gewisse Frische ausstrahlt. Ausnehmend relaxed ist auch der Opener "Overnight", dessen einfache Hook im Schlepptau einer frohgestimmten Akustikgitarre mit simpler, aber infektiöser Melodik ein tiefes Wohlgefühl auslöst. Natürlich kann man sich fragen, ob ein Album, das auch die Schattenseiten der Liebe beleuchten soll, derart lebendig und gutmütig klingen darf. Doch erstens findet man das Negative durchaus in den Texten und der melancholischen Färbung von Clauds Stimme und zweitens ist der / die Hörer*in schier wehrlos ob dieser charakterstarken Weichheit im Vortrag.

"Gold" mag ein leichter, ja harmloser Song sein, aber die geschmeidigen Wellenbewegungen der Gesangslinien, die liebliche, helle Instrumentierung – all das hat Seele und ist meilenweit von einer müden Auftragsarbeit entfernt. Das dezent verwaschene "Soft spot" besitzt sowohl aufgeräumte Coolness als auch emotionale Dringlichkeit – ein Eispanzer, der ganz allmählich schmilzt. Die sachte Verzweiflung von "Jordan" ist in eine wunderschöne Harmonien gegossen, die an die großen Pop-Gesten erinnert, ohne sich zu wichtig zu nehmen. Die Songs sind leidenschaftlich und zu allem entschlossen, müssen aber keine affektierte Haltung einnehmen. Und so entrollt sich das abschließende "Falling with the rain" mit rhythmischem Druck, bleibt in seiner weichen Anmut aber ganz gelassen. Etwas Leichtes zum Thema schweres Herz. Das haben sie gut gemacht.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Overnight
  • Ana (feat. Nick Hakim)
  • Pepsi

Tracklist

  1. Overnight
  2. Gold
  3. Soft spot
  4. In or in-between
  5. Cuff your jeans
  6. Ana (feat. Nick Hakim)
  7. Guard down
  8. This town
  9. Jordan
  10. That's Mr. Bitch to you (feat. Melanie Faye)
  11. Pepsi
  12. Rocks at your window
  13. Falling with the rain (feat. Shelly)

Gesamtspielzeit: 37:56 min.

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Armin

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2021-02-17 20:15:27 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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