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Mogwai - As the love continues

Mogwai- As the love continues

Rock Action / PIAS / Rough Trade
VÖ: 19.02.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nachts ist es wärmer als draußen

Mogwai sind sicher nicht die aufregendste Band der Welt. Wo andere zwischen Klassiker und Klogriff beinahe alles in der Diskografie vorweisen können, operieren die Schotten auf einem bemerkenswert hohen Niveau mit bestenfalls kleinen Ausreißern nach oben und unten. Trotz zahlreicher Epigonen erkennt man ihre Alben unmittelbar, auch wenn jedes seine eigene Färbung hat. "As the love continues" ist da allein vom Namen her Programm. Das bewährte dynamische Erfolgsrezept zwischen aufgetürmten Gitarren und dezenter Elektronik wird fortgesetzt, trotzdem kreieren Mogwai in dieser guten Stunde eine eigene Welt. Welche in der Nacht ihr Setting ausbreitet, in einer freundlichen: funkelnde Sterne, seltsame Lichter, manchmal berauschende Feuerwerke. Spaziergänge nach Anbruch der Dunkelheit – private Grüße an dieser Stelle an die beiden musikalischen Chatpartner – bekommen eine neue, passende Untermalung.

Bereits der Opener "To the bin my friend, tonight we vacate Earth", nur einer von vielen umwerfenden Songtiteln, gibt die Blaupause vor. Ein ruhiger Puls aus Nullen und Einsen leitet sanft in den Song, bis dieser in der Mitte den Verzerrer anwirft und majestätisch zu schreiten beginnt. In dieser Klangfülle wird förmlich ein ganzer Planet umarmt. Diese Ausbrüche haben Mogwai schon immer kultiviert, aber auf "As the love continues" stehen sie in besonderem Fokus. Fast jedes Stück durchlebt auf gewisse Weise die Wandlung vom zaghaft tastenden Mucksmäuschen zum selbstbewusst auftretenden Monolithen, jedes Mal mit anderen Kniffen in der Hinterhand. Bei "Here we, here we, here we go forever" ist es das derangierte Fiepen, bei "Supposedly, we were nightmares" das markante, schwere Schlagzeug.

Zwei Stücke stechen hierbei deutlich hervor. "Ceiling granny" lässt die E-Gitarren durchgängig lärmen, ohne jedoch die Brockenhaftigkeit von Brechern wie "Glasgow mega-snake" oder "Old poisons" zu emulieren. Fast schon leichtfüßig und simpel kommt der Track im Verhältnis daher. "Ritchie Sacramento" führt derweil die jüngere Vocal-Tradition fort, die mit "Teenage exorcists" begann – und kann sich auf ein gemachtes Bett fallen lassen. Alles sanfter diesmal? "Drive the nail" hämmert in seinen wortlosen Refrains durchaus noch mit der von Produzent Dave Fridmann unterstützten Ruppigkeit den Nagel rein. Aber ja: "As the love continues" gibt sich geschmeidiger und sphärischer als das sehr erdige "Every country's sun". Es ist allerdings nicht weniger faszinierend.

Besonders fantastisch gerät das wundervolle "Midnight flit", das grazile Melodiebögen spannt und diese auf eine Reise immer tiefer in die nächtliche Ekstase schickt. Einer der schönsten Mogwai-Tracks überhaupt. Einen kleinen Callback zur entmenschlichten Vocoderstimme von "Hunted by a freak" enthält das bedrückende "Fuck off money", ein einsamer Stimmungstiefpunkt in der Mitte der Platte, zumindest bis auch hier die Soundschichten beeindruckend den Raum in der Gefühlswelt einnehmen. Und zu beiden Seiten geht es bergauf in ein kleines Wunderland voller Entdeckungen. Für wen das zu kitschig klingt, der kann sich ja weiter an die früheren, rabiateren Momente halten. Bei "As the love continues" gilt jedoch: reinlegen, wohlfühlen. Die Liebe geht weiter, in der Tat.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • To the bin my friend, tonight we vacate Earth
  • Drive the nail
  • Fuck off money
  • Midnight flit

Tracklist

  1. To the bin my friend, tonight we vacate Earth
  2. Here we, here we, here we go forever
  3. Dry fantasy
  4. Ritchie Sacramento
  5. Drive the nail
  6. Fuck off money
  7. Ceiling granny
  8. Midnight flit
  9. Pat stains
  10. Supposedly, we were nightmares
  11. It's what I want to do, Mum

Gesamtspielzeit: 61:26 min.

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User Beitrag

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 9203

Registriert seit 23.07.2014

2021-10-01 09:42:29 Uhr - Newsbeitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26440

Registriert seit 07.06.2013

2021-07-09 21:00:56 Uhr
Wie dieses Album gewachsen ist... unfassbar. Aber naja, das war oft be mir und der Band so. Der größte Grower bleibt für mich "Ritchie Sacramento". Da tut es mir echt weh, dass ich den nicht auf dem Primavera unterm Sommernachtshimmel erleben werde, sondern wohl nur in einer deutschen Konzerthalle. Aber egal. Eine wunderschöne Hymne, die ich anfangs als so unscheinbar empfand. Mogwai halt.

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 17646

Registriert seit 10.09.2013

2021-07-03 16:30:26 Uhr
Ich bin kein großer Mogwai-Kenner, aber dieses Album hier begeistert mich wirklich nachhaltig. Der Closer ist das Über-Highlight für mich, dahinter dann Opener, "Ritchie Sacramento" und natürlich "Midnight filt". Ein paar Songs fallen auf hohem Niveau etwas ab, aber die 8/10 gehe ich auf jeden Fall mit.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26440

Registriert seit 07.06.2013

2021-05-07 23:53:28 Uhr
Hach, ich liebe diese Band. Wie unfassbar auch "Ritchie Sacramento" gewachsen ist. Herrlich, das Ganze.

keenan

Postings: 3868

Registriert seit 14.06.2013

2021-04-29 08:56:00 Uhr
bin hin- und hergerissen mit dem album sowohl von der produktion, womit ich weiter meine schwierigkeiten habe, als auch mit den songs. manchmal packen mich fast alle, dann wieder wabern manche etwas zäh und monoton für mich dahin.

"drive the nail" zum beispiel, würde bei mir nie die volle punktzahl sein, da mir hier einfach zu wenig passiert und emotional holt mich das nicht genug ab. 6-7/10 maximal
manche tracks hätten sie 1 bis 2 minuten kürzen sollen

"richie" und der schlusstrack "mum" sind dafür aber jahrhundertsongs :-D
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