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Psychedelic Porn Crumpets - Shyga! The sunlight mound

Psychedelic Porn Crumpets- Shyga! The sunlight mound

Marathon / Rough Trade
VÖ: 05.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Und täglich grüßt der Schluckspecht

Aufstehen, Getränkeladen, Saufen, Arbeiten, Feierabend. Was die Isolation so mit der Alltagsroutine anstellen kann, weiß Jack McEwan nur zu gut. Allzu schockierend fallen diese Selbstbekenntnisse des Frontmanns von Psychedelic Porn Crumpets nicht aus – oder hätte jemand ernsthaft erwartet, dass er seine Musik im nüchternen Zustand schreiben würde? Interessanterweise war die thematische Leitdroge für das vierte Album der Australier nach eigener Aussage jedoch eine andere: "I wanted 'Shyga! The sunlight mound' to be like a line of coke." Jo, Mission erfüllt. Wenn sich die stilistischen wie geografischen Nachbarn von King Gizzard And The Lizard Wizard schon nicht in Sachen Release-Geschwindigkeit einholen lassen, dann vielleicht einfach nur im Tempo. Für die Longtracks seiner früheren Platten hat der Fünfer schon längst keine Zeit mehr, knüppelt stattdessen 14 Songs in gut 40 Minuten durch. Psychedelic Porn Crumpets galoppieren wild über die historischen Fundamente ihres Garagen-Space-Rock, schlagen Haken, verrenken sich technisch anspruchsvoll und bleiben höchstens mal stehen, um zu kotzen. Und doch steckt unter all dem Rausch eine überraschend nachdenkliche Substanz.

Wie von solchen musikgewordenen Koksbomben wohlbekannt, wiegt einen das Intro "Big Dijon" mit Akustikzupfern und atmosphärischem Western-Einschlag zunächst in falsche Sicherheit. Die hält nicht lange: "One more line of avalanche winterland handicap / Bleeding from the nostril", schleudert McEwan in den Schneesturm von "Tally-ho", das zwischen grobkörniger Rhythmik und Elfenohren-Gitarren noch ein paar astreine hymnische Momente unterbringt. Es ist den Australiern mehr als hoch anzurechnen, dass sie bei all der Hektik nie das Songwriting vergessen. So haben Riff-Biester wie "Sawtooth monkfish" oder "Pukebox" weitaus mehr als nur obskure Titel zu bieten und auch "The terrors" wehrt sich mit direkt in die Venen strömendem Groove erfolgreich gegen fehlgeleitete Vorwürfe als Griffbrett-Gewichse – solche ließen sich eh nur dann anbringen, würde man die Jungs ernster als sie sich selbst nehmen. Doch auch die buntesten und schnellsten Manegenritte können nicht die bereits erwähnten Bruchstellen des Zweifelns verbergen. "Tripolasaur" geht mit seiner trink- wie tanzfreudigen Kompaktheit schon fast als Psychedelic-Punk durch, findet auf dem Boden der Flasche allerdings nur Fragezeichen: "I guess I'll never know the reason / Why I feel so vacant."

"Mundungus" startet gar gleich mit einer Intervention, lässt sich davon aber keineswegs den Spaß an seinem peitschenden Zickzack-Fuzz verderben. Auch in "Mr. Prism" zeigt McEwans textliches Ich wenig Einsicht: "It's wonderful how comfortable a lazy life can be." Mit seinem Wechsel von Sixties-Vocal-Harmonien und windschiefen Saiten-Anfällen beweist jener Song dafür, dass Psychedelic Porn Crumpets nicht immer das Gaspedal durchdrücken müssen. Die langsameren Manöver treiben sie etwa zum Sparks'schen Art-Pop von "Hats off to the green bins", während "Glitter bug" Siebziger-Prog ins Navi eingibt. Derartige Momente bilden willkommene Koordinaten der Abwechslung, da "Shyga! The sunlight mound" die Fragmente seines chaotischen Spektakels manchmal ein klein wenig zu gleichförmig ineinander krachen lässt. Gerade auf den letzten Metern bäumt sich das Quintett aber nochmal besonders ambitioniert auf, erst mit dem dynamischen "Mango terrarium", dann mit dem fulminanten Closer "The tale of Gurney Gridman": Metallenes Geboller ebnet einem funkelnden Midtempo-Regenbogen den Weg, ehe die Akustische wieder ausgepackt wird. Full Circle zum Album-Beginn also, eine nicht unbedingt bewusste Abbildung der scheinbar endlosen Rausch-Routine. Doch dass selbst die aussichtslosesten Alltagsschleifen irgendwann durchbrochen werden können, weiß man nicht erst seit Bill Murray.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Tally-ho
  • The terrors
  • Pukebox
  • The tale of Gurney Gridman

Tracklist

  1. Big Dijon
  2. Tally-ho
  3. Sawtooth monkfish
  4. Tripolasaur
  5. Mr. Prism
  6. The terrors
  7. Hats off to the green bins
  8. Glitter bug
  9. More glitter
  10. Pukebox
  11. Mundungus
  12. Mango terrarium
  13. Round the corner
  14. The tale of Gurney Gridman

Gesamtspielzeit: 40:47 min.

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User Beitrag

Gomes21

Postings: 3368

Registriert seit 20.06.2013

2021-02-10 21:30:04 Uhr
Schön dass die hier rezensiert wurde, sehe sie nen Tick stärker, spannende Band!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 19691

Registriert seit 08.01.2012

2021-02-10 20:42:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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