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EUT - Party time

EUT- Party time

Euphorie / V2 / The Orchard
VÖ: 19.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Frostspeck weg

Eigentlich liegt sie nur gut zwölf Monate in der Vergangenheit, und dennoch erscheint eine Welt mit Clubs und Diskotheken, in der man sich Alltagsdruck, Frust- und Frostspeck von Seele und Hüfte tanzen kann, im Winter 2021 wie ein fremder Planet im Orbit. EUT aus den Niederlanden, phonetisch korrekt übrigens "Üt" ausgesprochen, scheren sich jedoch nicht um die Gegenwart. Vielmehr senden sie mit ihrem freudig-beschwingten Indie-Pop-Rock und ihrer Hit-Platte "Party time" eine beschwingte Postkarte aus vergangenen Tagen, die gleichzeitig Mut für die Zukunft machen möchte.

Bereits die ersten drei Songs hebeln die Ohrwurm-Sicherheitstür aus den Angeln: "Had too much" zerrt alle Anwesenden auf die Tanzfläche, wo der Titelsong mit Indie-Rock-Riff und Bubblegum-Pop-Refrain nur allzu gern den Animator übernimmt. "What gives you the kicks" surft mit elektronisch untermaltem Bass-Groove auf einem Blur-Brett und EUT zelebrieren sich dabei nur zu gern und ungeniert selbst. Der Fünfer aus Amsterdam beglückt uns mit Themen der Ausgelassenheit, des Rausches, des Beischlafs, kurz: mit markanten Momenten des Erwachsenwerdens, deren Spannung man auch in späteren Lebensjahren nicht missen mag. Vielleicht nicht mehr in der Intensität von einst, mit all jenen Dramen, aber wer sich nicht mal mehr kurzzeitig von Ekstase und Emotion treiben lässt, der muss wohl am Wochenende noch dringend mit dem Laubbläser durch den Innenhof.

Weil man ja auch mal auskatern muss, lassen EUT ihre Hörer ebenso an relaxten, zurückgenommenen Momenten teilhaben: Wenn das cool groovende "Stuck" im nebeligen Dunst mit verschmitztem Lächeln die erotischen Eskapaden der Nacht am nächsten Morgen aufflammen lässt, ist das ähnlich packend wie "Cool", zu dem man auch ohne Gin Tonic im Glas immer wieder kurz meint, inmitten der Neunziger Nina Persson und The Cardigans zu lauschen. Was natürlich vor allem an der ähnlich feinen, sanften Stimme von Megan de Klerk liegt. Kennengelernt haben sich de Klerk, Tessa Raadman (Gitarre), Emil de Bennie (Gitarre), David Hoogerheide (Bass/Keyboards) und Jim Geurt (Drums) 2016 an der Amsterdamer Musikhochschule. Die ersten Demos, die später EUT-Songs wurden, entstanden als Examensarbeiten für ihr Studium. Ein wissenschaftlicher Kontext also, der sich ganz un-arty eher nicht im Sound dieses schonungslos direkten und umarmenden Albums der "Prüflinge" niederschlägt. Aber sehr wohl in der Qualität der Stücke.

Selbst wenn die Platte wie in "Killer bee" dann auch mal leicht drüber ist, man gar kurzzeitig EDM-Sounds übergebraten bekommt, nach einigen Drinks Sternchen sieht und über seine eigenen Füße stolpert, macht das gehörig Spaß. Und wäre das mit dem gemeinsamen Feiern, der Ausgelassenheit, der Sorgenfreiheit überhaupt mal wieder ansatzweise drin: Die erschrockenen Blicke der anderen nehmen wir gern in Kauf, während "Bubble baby" in seiner groovenden Mélange aus Blues-Rock und Synth-Pop auch die letzten Nachtschwärmer hinausbegleitet. Auf ganz bald!

(Eric Meyer)

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Highlights

  • What gives you the kicks
  • Party time
  • Cool
  • Stuck

Tracklist

  1. What gives you the kicks
  2. Had too much
  3. Party time
  4. Cool
  5. Stuck
  6. Interlude
  7. The Buggs (Part II)
  8. Killer bee
  9. When I dive
  10. It's love (but it is not mine)
  11. Bubble baby

Gesamtspielzeit: 43:40 min.

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Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2021-02-10 20:40:28 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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