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Puma Blue - In praise of shadows

Puma Blue- In praise of shadows

Blue Flowers / PIAS / Rough Trade
VÖ: 05.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In Nächten

Der 15. Blick auf den Wecker. Eigentlich noch zu früh um das Schlafen aufzugeben. Die Gewissheit über das Grauen, was da am nächsten Morgen auf einen wartet, wird mit jeder Drehung von der linken auf die rechte und von der rechten auf die linke Seite größer. Die Erkenntnis dann, dass es wohl nichts mehr wird mit dem Schlafen, frustrierend. Vorbereiten für den Start in den Tag, stark angezählt, sobald man den Körper aus der Waagerechten aufgerichtet hat, kann man sich nicht so wirklich. Am besten gleich über Stunden die Decke anstarren, Nacht für Nacht. Müsste man für diese schlaflosen Nächte einen Soundtrack wählen, dann wäre "In praise of shadows" von Jacob Allen die perfekte Wahl. Als Puma Blue veröffentlicht der in London geborene und lebende Brite seit 2014 vereinzelte Songs, dann zwei EPs, eine Platte mit Mitschnitten einiger seiner Auftritte und schließlich früh im Jahr 2021 sein Studio-Debütalbum.

Seit zehn Jahren leidet Allen eigenen Angaben zufolge an Schlafproblemen. Die Idee, dass es sich bei der Aussage um den Teil einer PR-Strategie handelt, bei dem Sound, möglich. So ganz glauben, dass dieses Album tatsächlich im Wachzustand, außerhalb nicht enden wollender Nächte und Gedankenkreisel geschrieben und komponiert wurde, kann man jedoch nicht. Der 25-Jährige kreiert einen warmen Soul-Sound. Umgibt seine zarte Stimme mit Jazz- und Blues-Elementen und addiert einen dominanten, aber dennoch unaufdringlichen Beat, der auch in langsamen Hip-Hop Tracks zum Einsatz kommen könnte. Langsam und minimalistisch singt er sich durch die Nacht, er singt davon sich zu verlieben und sich zu verlieren. Als in "Sweet dreams" das erste Mal der Beat einsetzt, flowt Allen, in welcher Ausführung auch immer, zwischen Synthies, Bass und gezupfter Gitarre und bis auf ein paar wenige, wohl dosierte Pausen, lässt er davon auch nicht mehr ab. Allen singt leise von Frauen, die er verloren hat und von Frauen, die er erobern möchte. Er singt von Zweifeln und Wunden, die noch nicht verheilt sind.

Gerade als man meinen könnte, dem Album geht ein wenig die Luft aus, wird dieser Gedanke mit "Opiate", dem wohl stärksten Stück auf dieser Platte, niedergetrampelt. Auch hier regiert der Beat, dominant und trotzdem selten angenehm. Der Brite besingt eine Bekanntschaft, die nicht so vergessen scheint, wie gedacht. "I thought I left you behind / I must be losing my mind", lautet die Erkenntnis, eingeholt von den eigenen Gefühlen. Dinge, die man eben manchmal denkt, wenn man die ganze Nacht wach liegt. Jeder, der das schon einmal durchgemacht hat, nicht schlafen, über Tage. Jeder, dem der Nerv geraubt wurde, mit jeder wachen Minute, die dem Klingeln des Weckers näher kommt. Der weiß, wie quälend das sein kann. Man würde Insomnie nicht seinem schlimmsten Feind wüschen. Umso seltsamer und fast bösartig, dass man diesem Jacob Allen seine schlaflosen Nächte dann irgendwie doch ein wenig wünscht. Einfach, weil man sich mehr von der Musik wünscht, die er da in endlosen, schlaflosen Nächten zustande bringt.

(Paul Milde)

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Highlights

  • Velvet leaves
  • Already falling
  • Opiate

Tracklist

  1. Sweet dreams
  2. Cherish (furs)
  3. Velvet leaves
  4. Snowflower
  5. Already falling
  6. Sheets
  7. Olive / Letter to ATL
  8. Oil slick
  9. Silk print
  10. Is it because
  11. Opiate
  12. Sleeping
  13. Bath house
  14. Super soft

Gesamtspielzeit: 51:36 min.

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Armin

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2021-02-03 20:05:14 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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