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Django Django - Glowing in the dark

Django Django- Glowing in the dark

Caroline / Universal
VÖ: 12.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Palim Palim

Ding dong! Mitten auf "Glowing in the dark", dem vierten Album von Django Django, klingelt's plötzlich an der Tür. Warum, bleibt im Unklaren, aber bei all den Ideen, die den vier Jungs stets im Kopf herumgeistern, wundert einen eh gar nichts mehr. Man will sie natürlich nicht aus der laienhaften Ferne heraus pathologisieren, aber zumindest ihre Musik ist mindestens so bekloppt wie tanzbar. Daran hat sich im Laufe von drei Platten voller Vocal-Harmonien und Sixties-Pop-Einflüsse wenig geändert, auch wenn der Morricone-Vibe der Anfangszeit einem etwas konventionelleren Synthie-Gewand weichen musste. "Glowing in the dark" setzt die Reihe fort, schielt mit seinen schärferen, etwas gitarrenlastigeren Grooves jedoch wieder stärker aufs selbstbetitelte Debüt. So wirklich frisch wirkt der retrofuturistische Stil der Briten nicht mehr, fasziniert und unterhält in seiner ständigen Rastlosigkeit aber weiterhin ungemein.

Das klappt auch deshalb, weil Django Django ein hervorragendes Händchen für Dramaturgie haben. Mit immer schneller werdenden Synth-Arpeggios baut der Opener "Spirals" ein so mitreißendes Momentum auf, dass er in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft perfekt als Konzerteröffnung taugen wird. Der sich daraus entladende Song entwickelt einen nahezu psychedelischen Sog, treibt seine Melodie mit Tastenschimmern und gelenkigem Bass vorwärts. Im Anschluss balanciert die zackige Miniatur "Right the wrongs" Orgeln, Kuhglocken und undefinierbare Geräusche auf dem Bierdeckel, bis "Got me worried" seinen rumpeligen Beat ebenfalls auf allen Spuren gleichzeitig spazieren fährt. Es sind griffige Popsongs, die trotz Zuckens und Zerrens an allen Ecken nie auseinanderfallen, die auf der Stelle tanzen, ohne je über die eigenen Beine zu stolpern. Dass die Band ihre Signature Moves inzwischen wie im Schlaf beherrscht, schmälert deren Treffsicherheit nicht im Geringsten.

Damit es nicht zu routiniert wird, zieht "Glowing in the dark" auch ein paar Überraschungspfeile aus dem Köcher. Da wäre etwa der schnörkellos auf den Punkt gespielte Jangle-Kopfnicker "Waking up", der Charlotte Gainsbourg ins mehrstimmige Ballett einsteigen lässt. Die wildeste Abfahrt stellt "Night of the buffalo" dar: Ein ungewohnt harsches Riff stellt sich dem Percussion-Rausch zum Duell, bis Filmmusik-Streicher durch die Wüste wirbeln und die Flasche Pommes vor Erstaunen aus dem Regal fällt. Klar, dass danach nur eine unironische Akustikballade wie "The world will turn" folgen kann, um die Akkus wieder aufzuladen. Schämen sich Django Django so für diese Verschnaufpause, dass sie nach nicht einmal zwei Minuten wieder abbrechen? Mitnichten, die kurze Laufzeit ist eher Ausdruck ihres gereiften Selbstverständnisses, demzufolge sie ihre Einfälle nicht mehr auswalzen, sondern stets dem Song unterordnen.

Wenn das Album mal mehr Zeit einfordert, nutzt es diese gekonnt zum Spannungsaufbau, etwa in "Hold fast": Hier pumpt erstmal zwei Minuten Regenbogen-Rave, ehe Vincent Neffs Gesang einsetzt. In diesem Schlussdrittel wendet sich "Glowing in the dark" verstärkt der Discokugel zu, was etwas am eigenen Charakter, aber keineswegs am Unterhaltungsfaktor nagt. Wen juckt's, dass der Titeltrack fast eins zu eins von Hot Chip stammen könnte oder das angefunkte "Kick the devil out" komplett aus dem Rahmen fällt, wenn beide so viel Spaß machen? Schließlich haben Django Django nie den Pop der Sechziger und Achtziger auseinandergezwirbelt und in ihre Zukunftsmaschine gepresst, um mit ihrer Kunstfertigkeit zu flexen – vielmehr beweisen sie wiederholt, dass sich auch mit vielschichtiger, geschmackvoller Musik astrein Karneval feiern lässt. Und was war jetzt mit der Tür? Wahrscheinlich haben sich die Schelme einfach nur selbst einen Klingelstreich gespielt.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Spirals
  • Waking up (feat. Charlotte Gainsbourg)
  • Night of the buffalo

Tracklist

  1. Spirals
  2. Right the wrongs
  3. Got me worried
  4. Waking up (feat. Charlotte Gainsbourg)
  5. Free from gravity
  6. Headrush
  7. The ark
  8. Night of the buffalo
  9. The world will turn
  10. Kick the devil out
  11. Glowing in the dark
  12. Hold fast
  13. Asking for more

Gesamtspielzeit: 43:52 min.

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User Beitrag

oldschool

Postings: 301

Registriert seit 27.04.2015

2021-02-16 09:48:20 Uhr
Ich hatte die Band auch zuletzt aus den Augen verloren, das letzte Album hatte ich nicht sooo oft gehört.

Ist Ano 2021 nicht mehr der heißeste Scheiß, die Musik hat sich aber dennoch besser gehalten als erwartet. Das neue Album bietet nun keine revolutionären Überraschungen, hat aber eine Handvoll Hits und keine wirklichen Ausfälle. Ne 7 passt find ich

Gordon Fraser

Postings: 1973

Registriert seit 14.06.2013

2021-02-13 17:32:52 Uhr
Ich hatte die Band nach dem Debüt ein bisschen aus den Augen verloren, aber das hier lässt sich ganz gut an, wieder etwas fokussierter.

qwertz

Postings: 704

Registriert seit 15.05.2013

2021-02-13 16:51:22 Uhr
Sehe ich genau andersherum. "Marble Skies" war für mich deutlich stärker und hatte auch mehr Hits zu bieten. Das hier ist wieder weit entfernt davon, schlecht zu sein, entwickelt für mich aber nicht so den Zug. Schließe aber nicht aus, dass da noch gehörig Entwicklungspotenzial besteht.

Kalle

Postings: 179

Registriert seit 12.07.2019

2021-02-12 19:50:04 Uhr
Ja gibt es das. Noch keiner hat dieses neue Album voller Hits hochleben lassen. Um Längen besser als der (nicht schlechte) Vorgänger. Melodien verbunden mit Rhythmen, die einen fast durchweg tanzen lassen. "Faszinierend" würde Spock sagen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21193

Registriert seit 08.01.2012

2021-02-03 20:04:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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