Tocotronic - K.O.O.K. Variationen

Tocotronic- K.O.O.K. Variationen

Rock-O-Tronic / L'age d'or
VÖ: 31.07.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Let there be remix

Man könnte auf die Idee kommen, in Deutschland sei der Variationismus ausgebrochen. Nach den Remixalben von Blackmail und den Absoluten Beginnern tragen jetzt also die Hamburger Schüler ihr Scherflein dazu bei. Ihr Opus Magnum aus dem letzten Jahr liegt nach der nach der originalen und der englischen Fassung jetzt in Version 3.0 vor. Die Knöpfchendrehertruppe, die sich nebenbei daran versucht, den Titel von Tocotronics Erstling ("Digital ist besser") zu unterstreichen, ist auch durchaus namhaft. Ein abschließender Beweis will ihr aber nicht so recht gelingen.

Die ersten Appetithäppchen auf die zu erwartende Songschnitzeljagd machten zumindest neugierig. Auf der Maxi zu "Jackpot" fanden sich schon einige gelungene Mixes und auch "Freiburg V3.0", die vorab veröffentlichte Hommage an den ersten Szenehit der Tocos, wußte durchaus zu gefallen. Martin Gretschmann alias Console, der auch für die Bleeps und Beats der jüngeren Notwist-Geschichte verantwortlich ist, reaktivierte die Computerstimme aus "14 zero zero" und fertig war die leicht elektropoppige Verwurstung. Anderswo umspulen Buschtrommeln und Blubberbässe die vertrauten Strukturen. Verborgenes wird hervorgekramt und mit Unvermutetem versetzt. Die Band erhofft sich einiges von diesen Bearbeitugnen und erklärt, daß sie dadurch "im weitesten Sinne Kunst schaffen" will. Next exit Feuilleton?

In diesem Kontext gelingt manche überraschende Neuinterpretation. DJ DSL transportiert "Let there be rock" in einen verrauchten Jazzclub, Fischmob und Erobique machen aus "Jackpot" eine Art PianoHop und die Tocos selber setzen ihren "Tag ohne Schatten" in einen Flieger nach Hawaii. Leider haben nicht alle Versuche ein derartiges Ticket erobern können. Die große Klammer, die die "K.O.O.K. Variationen" zu einer spannenden Reise gemacht hätte, will sich nicht so recht entdecken lassen. Zwischen den Zerlegungsorgien von Fever und Funkstörung und den Verschwebungen wie Turners "Das Geschenk" oder Deimel Audios "Rock Pop in concert", blubbert manch anderer Track in enttäuschender Beliebigkeit leider nur durch die "langweiligste Landschaft der Welt". Trotz erkennbar guter Ansätze läßt die Reiseleitung zwischendurch immer wieder zu wünschen übrig. Für das nächste Album gilt also wieder die Devise "Let there be rock".

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Das Geschenk (Turners Zweisprach Surprise)
  • Jackpot (Fischmob/Erobique Remix)
  • Tag ohne Schatten (Im Dreierland Remix)

Tracklist

  • CD 1
    1. Das Geschenk (Crosseyed DJ-mx)
    2. Jackpot (K.O. Kompakt mix)
    3. Let there be rock (Dakar & Grinser Remix)
    4. Morgen wird wie heute sein (Funkstörung's K.O.K.O.N.U.T.S. mix)
    5. K.O.O.K. (KOOK RMX)
    6. Rock Pop in concert (RP in C)
    7. Das Geschenk (Turners Zweisprach Surprise)
    8. Tomorrow will be like today (Version)
    9. Let there be rock (We let there be rock)
    10. Jackpot (Fischmob/Erobique Remix)
    11. Let there be rock (DJ DSL Remix)
    12. Tag ohne Schatten (Im Dreierland Remix)
    13. Die Grenzen des guten Geschmacks 1 (Reeperbahn 78 RMX)
    14. Let there be Rock (Abraxas Mix)
    15. Die Grenzen des guten Geschmacks 1 (Mevsmenschmix)
    16. Misfortune must be fought back (Misery mix)
  • CD 2
    1. Freiburg V3.0 (Original)
    2. Freiburg V3.0 (Tococrazy Mix)
    3. Das Geschenk (Das Kraut Remix)
    4. Tag ohne Schatten (Schatten Parker Mix)
    5. Morgen wird wie heute sein (Turner's Leiser Atem Mix)

Gesamtspielzeit: 95:01 min.

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