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Clap Your Hands Say Yeah - New fragility

Clap Your Hands Say Yeah- New fragility

CYHSY, Inc. / Cargo
VÖ: 12.02.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Flehende Ovationen

Die Karriere von Clap Your Hands Say Yeah wirkt auf den neutralen Betrachter wie ein ziemlich turbulenter Börsenkurs. Gestartet als Indie-Sensation, gelandet als verschmähter Act in der gemischten Grabbelkiste beim Plattenhändler um die Ecke. Während andere Bands, die in den mittleren Nullerjahren ihre Laufbahn ins Rollen brachten, große Hallen ausverkaufen, ist bei Clap Your Hands Say Yeah Schmalhans Küchenmeister. Warum? Nun, das Debüt zählt natürlich immer noch zu den pulsierendsten, quirligsten Platten der 2000er. Aber was danach kam, konnte letztlich schlicht nicht mit dem Erstling mithalten. Und so schrumpfte sich die Band in der Folge wieder gesund, veröffentlichte alle paar Jahre ein Album, dem dann jedoch meist nur noch mittelmäßig viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Man kann der neuen, mittlerweile sechsten Platte "New fragility" in dieser Hinsicht nur das Beste wünschen. Sie ist nämlich überraschend gut geworden.

Das liegt in erster Linie an der einfachen Kraft starker Songs. Ja, Projektleiter Alec Ounsworth und seine Rumpelbande haben für das neue Album die Schräglage der amerikanischen Gesellschaft genutzt, die in den letzten Jahren stetig bedenklicher wurde, und sie in windschiefe Stücke gegossen, die zwar klapprig, aber mit Schwung um die Ecke kommen, im Kopf bleiben und nachhallen. Die mehr sind als das Echo einer einstmals glorreichen Zukunft. Da wäre das tolle "Where they perform miracles", das in seiner reizenden Melodieseligkeit selbst ein kleines Wunder ist. Clap Your Hands Say Yeah geben sich im Jahr 2021 vielleicht so melancholisch wie noch nie – wie eine Trauerband, die ihre goldenen Aussichten und tollkühnsten Hoffnungen zu Grabe trägt. Das ist also stilvoller LoFi-Indie, der zwar immer noch von Ounsworths oft als Gesang missverstandenem Gequäke dominiert wird, ebenjenes aber sinnvoll einbettet. Als Stilmittel und Wiedererkennungsmerkmal. Im großartigen, sich überschlagenenden Opener "Hesitating nation" setzen Clap Your Hands Say Yeah auf Sturm und Drang, die Gitarre gniedelt, Ounsworths Vortrag ist beinahe flehend. Return to form? Irgendwie schon.

"Innocent weight" baut hingegen auf Streichersätze, die dem Stück die nötige Würde verleihen. Später türmen sich die Drums zu einem finalen Crescendo auf. Clap Your Hands Say Yeah setzen hier auf dramaturgische Tricks und Raffinessen und liegen damit goldrichtig. Der folgende "Mirror song" ist eine tränenziehende Pianoballade, getränkt in Traurigkeit und Glockenspiel. Aber auch diese Facette steht Ounsworth und seinen Mitmusikern gut zu Gesicht. So fragil klangen die US-Amerikaner wohl noch nie. Die thematische Fokussierung auf gesellschaftliche und politische Inhalte scheint jedenfalls ein exzellenter Songwriting-Katalysator zu sein. Im von einem Piano getragenen "Thousand Oaks" verhandeln Clap Your Hands Say Yeah dann den Amoklauf, der 2018 im kalifornischen Ort gleichen Namens stattfand und der 13 Menschen das Leben kostete. Die Waffe, mit der diese Morde durchgeführt wurden, war legal im Besitz des Täters. Ein Indiz dafür, dassdie Aktien zuletzt schlecht standen für die amerikanische Zivilgesellschaft. Hoffen wir, dass sie wieder die Kurve kriegt. Clap Your Hands Say Yeah liefern dafür jedenfalls den passenden Soundtrack.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Hesitating nation
  • Thousand Oaks
  • Mirror song

Tracklist

  1. Hesitating nation
  2. Thousand Oaks
  3. Dee, forgiven
  4. New fragility
  5. Innocent weight
  6. Mirror song
  7. CYHSY, 2005
  8. Where they perform miracles
  9. Went looking for trouble
  10. If I were more like Jesus

Gesamtspielzeit: 40:58 min.

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User Beitrag

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1031

Registriert seit 31.10.2013

2021-03-16 19:41:44 Uhr
Hab die irgendwie immer ignoriert, bin aber gerade über den Titeltrack gestolpert: Toll. Wird eingehend gehört :)

Yndi

Postings: 42

Registriert seit 23.01.2017

2021-02-17 15:54:52 Uhr
Eigentlich ganz cooles Album, aber Went Looking For Trouble überstrahlt für mich alles, dass ich mich nach dem Album an nichts Anderes erinner.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 25572

Registriert seit 07.06.2013

2021-02-17 14:07:30 Uhr
Irgendwie mag ich seinen Nicht-Gesang ja. Deshalb bekommt das Album auch ne Chance.

kapomuk

Postings: 60

Registriert seit 25.08.2014

2021-02-13 17:42:10 Uhr
"Ounsworths oft als Gesang missverstandene[s] Gequäke" – wie leider wahr!

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 25572

Registriert seit 07.06.2013

2021-02-13 13:21:30 Uhr
Höre ich auch mal rein. Die Rezi beschreibt ja gut, wie groß die Band mal kurz war und wie sie dann immer mehr verschwunden ist aus der Öffentlichkeit.
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